Vergangene Woche verkündeten gleich drei auflagenstarke deutsche Zeitungen (Hamburger Abendblatt, Die Welt, Berliner Morgenpost), das absehbarer Ende der UFO-Forschung. In seinem Gastkommentar untersucht Tobias Berg von "Exopolitik.org" wer und auf welcher Grundlage dies eigentlich behauptete.

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Archiv: Auszüge aus dem von den deutschen UFO-Forschungsorganisationen gemeinsam erarbeiteten aktuellen Fragebogen für UFO-Sichtungszeugen. Entgegen der Behauptung in den Massenmedien, erfreut sich die UFO-Forschung weltweit besten Interesses.
Leipzig (Deutschland) - Bei dem folgenden Beitrag handelt es sich um einen Kommentar von Tobias Berg, der ursprünglich auf exopolitik.org veröffentlicht wurde.

Das Ende der Ufologie?

Wikipedia bezeichnet Ufologie als eine Protowissenschaft, die sich mit der Untersuchung und dem Studium von UFO-Sichtungen und den damit zusammenhängenden Phänomenen beschäftigt. Trotz der eventuell negativen Assoziationen, die mit den Begriffen 'Ufologie' und 'Protowissenschaft' behaftet sind, verwende ich den Begriff dennoch als Synonym zur wissenschaftlichen UFO-Forschung, da er immer wieder in den Artikeln verwendet wird um die es hier gehen soll. Die Frage, die sich an diese Begriffsklärung anschließt, ist: Wie kommt die Mainstream-Presse dazu, das Ende dieses Wissenschaftszweiges nahezu unkritisch zu propagieren? Die Hintergründe hierzu sollen im folgenden Artikel beleuchtet werden.

Die Artikel der Welt, der Berliner Morgenpost und des Hamburger Abendblattes stammen alle von einem einzigen Autor und beziehen sich im Wesentlichen auf eine Meldung des britischen The Telegraph. Der Telegraph zitiert in seinem Artikel einen gewissen Dave Wood, welcher als Koryphäe auf dem Gebiet der Ufologie gepriesen wird, mit den Worten: "In zehn Jahren könnte das Ganze (die Ufologie) tot sein, das Ausbleiben jeglicher bewiesener Vorkommnisse lässt die Vermutung zu, dass da draußen nichts ist." Eine kritische Distanz und alternative Sichtweisen, wie sie in dem Artikel des Telegraph noch ansatzweise durch den ehemaligen Leiter des UFO-Büros des britischen Verteidigungsministeriums, Nick Pope, vertreten werden, lassen die hier in Deutschland erschienenen Artikel vermissen.

Wirft man einmal einen Blick auf die Seite der "Association for the Scientific Study of Anomalous Phenomena" (ASSAP, Verband zur wissenschaftlichen Erforschung anormaler Phänomene), wird schnell deutlich, dass sich die Behauptung, die ASSAP sei die "bedeutendste Ufologen-Vereinigung", wie es in einem der Artikel heißt, kaum halten lässt. Tatsächlich beschäftigen sich weder die ASSAP noch ihr Vorsitzender Dave Wood schwerpunktmäßig mit UFOs. Auf der Webseite heißt es: "Daves Forschungsinteressen sind Spukphänomene, Glaube an das Paranormale, Erfahrungspsychologie und photographische Anomalien." Nichts auf der Webseite deutet darauf hin, dass die ASSAP über eine besondere Expertise in Sachen UFO-Forschung verfügt. Auch die Behauptung des derzeitigen Präsidenten der ASSAP, Lionel Fanthorpe, im Journal Anomaly; "König Arthur wäre ein Außerirdischer gewesen, der die Erde vor feindlichen extraterrestrischen Wesen beschützt hätte", trägt nicht gerade zur Glaubwürdigkeit der ASSAP bei.

Weniger Sichtungen, weniger Vereine?

Als Begründung für die Einschätzung, der Ufologie würde ihr baldiges Ende bevorstehen, führt Wood die sinkende Rate von UFO-Sichtungen, die schwindende Anzahl der UFO-Organisationen sowie die starke Beschäftigung mit Fällen an, die weit in der Vergangenheit liegen.

Hier stellt sich als erstes die Frage, wie die ASSAP überhaupt an UFO-Sichtungsberichte kommt. Bei der Google-Suchanfrage "wem melde ich ein UFO (who do I report a UFO to)", taucht die ASSAP nicht auf den ersten drei Trefferseiten auf, was verdeutlicht, dass die ASSAP nicht gerade die erste Anlaufstelle für potentielle UFO-Zeugen in Großbritannien darstellen dürfte. Sollte die ASSAP neben der eigenen Datenbank noch weitere nutzen, so bleibt sie diese Information schuldig.

Die Aussage, UFO-Sichtungen würden generell abnehmen, rief unter UFO-Forschern heftigen Widerspruch hervor. So reagierte der Direktor der größten amerikanischen UFO-Organisation "MUFON" (Mutual UFO Network), David McDonald, auf die Einschätzung Woods mit den Worten: "Die Ufologie ist lebendig und erfreut sich bester Gesundheit". Diese Einschätzung wird von der Tatsache gestützt, dass sich die UFO-Sichtungen in vielen Ländern, die USA eingeschlossen, statt zurückzugehen, auf einem Rekordhoch befinden. Das Mittel für 2012 beziffert MUFON mit etwa 700 Fällen im Monat. Aber auch aus anderen Ländern wie Kanada, Argentinien, Finnland und Australien wird eine vermehrte Sichtung von unidentifizierten Objekten gemeldet.

Auch hierzulande sieht die Sache anders aus. Zur Frage, ob deutsche UFO-Forscher den von Wood festgestellten Negativtrend auch für Deutschland bestätigen könnten, erwiderte der 1. Vorsitzende der "Deutschsprachigen Gesellschaft für UFO-Forschung e.V." (DEGUFO) gegenüber "Exopolitik Deutschland", Alexander Knörr: "Das UFO-Phänomen ist ein weltweites Phänomen, das nicht regional einzuordnen ist und das auch regional unterschiedlich präsent ist. So hatten wir in der Vergangenheit schon UFO-Wellen unabhängig voneinander in Deutschland, Belgien, den USA, Großbritannien und auch in Südamerika.

Und zurzeit ist, das kann ich am Beispiel der DEGUFO sagen, das Thema präsenter als noch z. B. letztes Jahr. Wir haben in diesem Jahr bisher mehr als 300 Sichtungsmeldungen erhalten, obwohl wir im letzten Jahr gerade einmal um die 50 erhalten hatten. Von einem Aussterben der UFO-Forschung kann man hier sicherlich nicht sprechen."

Die abnehmende Anzahl der UFO-Organisationen selbst sieht David McDonald von der amerikanischen MUFON eher in einem Mangel an finanziellen Mittel begründet, als in fehlenden Forschungsgegenständen oder einem schwindenden Interesse. Ein weiterer Faktor könnte hierbei der mit dem Internetzeitalter einhergehende, weit einfachere Informationsaustausch sein, der eine Mitgliedschaft in einer UFO-Forschungsgruppe nicht mehr zwingend notwendig macht, um an Informationen über das UFO-Thema zu gelangen.

Die starke Beschäftigung mit zeitlich in der Vergangenheit liegenden Fällen hat Ursachen, die weit vielschichtiger sind, als dies auf den ersten Blick den Anschein haben mag. So ist eine Beweisführung, die auf der Freigabe von vormals geheimen Militärakten beruht, meist erst viele Jahre später über Aktenfreigaben von Dokumenten, die durch das Informationsfreiheitsgesetz (FOIA) erwirkt wurden oder das Ausscheiden von Militärpersonal aus dem aktiven Dienst möglich. Zum anderen entwickeln sich auch die älteren, gut etablierten Fälle meist durch zusätzliche Freigabe von Akten oder Aussagen zusätzlicher Zeugen weiter.

Ein Gegenbeispiel für den von Wood prognostizierten Trend, stellt zudem die Präsentation des ehemaligen Generals der chilenischen Luftwaffe und Direktor der CEFAA (Komitee zur Untersuchung von anomalen Luftphänomenen) Ricardo Bermúdez auf einem amerikanischen Kongress 2012 dar. Bermúdez ging während seiner Präsentation auf gleich drei Fälle von aktuellen UFO-Sichtungen ein, die sich zwischen den Jahren 2010 und 2011 ereigneten. Auch die amerikanische UFO-Forschungsorganisation MUFON beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit einer aktuellen Sichtungswelle, die sich 2008 im texanischen Stephenville abspielte, und hat dazu erst kürzlich eine Analyse der Radardaten veröffentlicht. Nicht zuletzt sei angemerkt, dass mehrere Staaten erst in kürzerer Zeit staatliche UFO-Untersuchungsstellen gegründet haben, wie zum Beispiel Argentinien im Mai 2011. Längst gehen vor allem südamerikanische Länder auch Kooperationen bei der staatlichen UFO-Forschung ein, wie Chile und Uruguay. Insgesamt haben mehr als 20 Länder bereits ihre ehemals geheimen UFO-Akten freigegeben und/oder betreiben aktive Forschung.

UFOs und journalistische Sorgfaltspflicht

Auf eine faire und neutrale Berichterstattung der großen Medien zum UFO-Thema hofft man in Deutschland leider vergeblich. Viel zu tief scheint das Thema tabuisiert zu sein, als dass sich einmal ganz ernsthaft darüber berichten ließe. Das "Robertson Panel" (einer Empfehlung einer CIA-Studie über UFOs, die darauf abzielte, das öffentliche Interesse am UFo-Thema durch gezielte und gelenkte Desinformation und Diskreditierung klein zu halten), quasi eine mediale Kriegserklärung gegenüber der ernsthaften UFO-Berichterstattung in den Medien, hat möglicherweise auch in Deutschland Spuren hinterlassen. So warten die erwähnten Artikel mit einem ironischen Unterton mit absurden Schlussfolgerungen und einem erkennbaren Unwillen auf, sich ernsthaft und unvoreingenommen mit der Materie auseinanderzusetzen.

So werden beispielsweise zwei interessante Fälle von UFO-Sichtungen - "Rendlesham Forrest" 1980 und die "belgischen UFO-Welle" 1989-1990 erwähnt. Dass es neben Dokumenten (1, 2), die die Faktizität der beiden Fälle belegen, eine große Zahl von glaubwürdigen Zeugen gab, deren Aussagen zum Teil frei verfügbar sind, wird in den Artikeln aber leider unterschlagen.

Belgische UFO-Welle

Während der Jahre 1989-1990 sahen gleich hunderte von Augenzeugen (650 Zeugenaussagen wurden schriftlich festgehalten) über mehrere Monate hinweg große dreiecksförmige Objekte im belgischen Luftraum. Anstatt diese Fakten neutral wiederzugeben suggeriert die, in den Artikeln dargebotene Schilderung der Ereignisse durch die Überbemühung des Konjunktivs sowie des Wortes "angeblich" den Leserinnen und Lesern sie hätte es hier wahrscheinlich mit einem großen Schwindel zu tun. Der Autor geht sogar soweit, die belgische UFO-Welle von 1989-90 einem ausgedehnten Aprilscherz zuzuschreiben. Zielführender und ehrlicher wäre es gewesen, dem interessierten Leser die Aussage von Wilfried de Brouwer, dem ehemaligen Generalmajor der belgischen Luftwaffe sowie Stabschef der Luftstreitkräfte zugänglich zu machen und den Leser selbst über die Glaubwürdigkeit des Falles urteilen zu lassen.

Werbung für Konferenz

Vermutlich ist das ursprüngliche Statement von Dave Wood lediglich der Tatsache geschuldet, dass die ASSAP eine ihrer Konferenzen "Seriously Unidentified - A Summit on the Future of UFOlogy" promoten wollte und die auf die Pressemitteilung folgenden Schlagzeilen und Diskussionen gerne in Kauf nahm, um für die Veranstaltung zu werben. Schwerer wiegt dagegen das sich ständig wiederholende Versäumnis der Mainstreampresse, unvoreingenommen und wahrheitsgemäß über das Thema UFOs zu berichten.

Quelle: exopolitik.org