Minus 110° C - und das nur leicht bekleidet? Das überlebt niemand! Schon richtig, aber für wenige Minuten kann es Balsam für schmerzgeplagte Patienten sein. Kälte war schon im alten Ägypten ein Mittel, um Schmerzen zu lindern.
Bereits die alten Ägypter nutzten Eis zur Linderung von Schmerzen. Das war vielleicht der Anfang der Kältebehandlung, der sogenannten Kryotherapie. Auch Pfarrer Sebastian Kneipp setzte mit seiner Hydrotherapie (eine der fünf Behandlungssäulen) auf Kälte. Der kalte Guss, das Armbad oder Bewegungsübungen im Wassertretbecken sind fester Bestandteil seiner Heillehre.

Behandlungsablauf in der Kältekammer

Zunächst betritt der Patient in Badekleidung (Mund, Ohren, Hände und Füße sind kältegeschützt!) eine Vorkammer der Kältekammer. Hier verbleibt der Patient bei einer Temperatur von circa minus 60° C fünfzehn Sekunden. Nach Aufforderung durch den Therapeuten geht es dann in die eigentliche Therapiekammer. Temperatur hier: minus 110° C. Maximal drei Minuten beträgt die Verweildauer. Dabei bewegt sich der Patient zu rhythmischer Musik.

Kältetherapie-Empfehlung bei welchen Erkrankungen?
  • Bei entzündlichen Gelenkerkrankungen, zum Beispiel bei akuten Schüben der chronischen Polyarthritis.
  • Bei chronischen Schmerzen im Rahmen von Arthrosen bzw. auch im Spätstadium einer chronischen Polyarthritis.
  • Bei schmerzhaften, insbesondere entzündlichen Rückenschmerzen, wie zum Beispiel Morbus Bechterew.
  • Bei akuten und chronischen Entzündungen der Sehnenscheiden.
  • Postoperativ nach orthopädischen Operationen mit starker lokaler Schwellung oder Schmerzzuständen, zum Beispiel nach künstlichem Gelenkersatz.
  • Zur Schmerzlinderung bei weichteilrheumatischen Erkrankungen zum Beispiel Fibromyalgie.
  • Bei bestimmten entzündlichen Hauterkrankungen, zum Beispiel Neurodermitis oder Psoriasis.
  • Bei akuten Rückenschmerzen im Rahmen von Lumbalgien.
(Quelle: Krankenhaus Neuwittelsbach)
Was bewirkt die Kältekammer?

Patienten berichten, dass bereits dreißig Sekunden nach Betreten der Kältekammer eine Besserung der Beschwerden eintritt. Direkt unter der Haut reagieren hochsensible Kälterezeptoren auf die extreme Temperatur. Sie senden blitzschnell Nervenimpulse aus, die über das Rückenmark das Gehirn erreichen. Das schüttet als Reaktion auf den Kältereiz Endorphine aus, Botenstoffe, die schmerzdämpfend wirken. Über die Blutbahn werden die Endorphine im ganzen Körper verteilt.

Doch der schmerzbefreiende Effekt hält nur wenige Stunden an. Deshalb ist Bewegung nach der Kältekammer wichtig. Damit die Gelenke noch leichtgängiger werden. Das kann dann auch langfristig die Schmerzen lindern.

Was kostet die Kältekammer-Therapie?

Die Kältekammer ist kein zugelassenes Heilmittel. Aber manche Krankenkassen übernehmen trotzdem einen Teil der Kosten - so zahlt man für zehn Behandlungen rund 16 Euro. Zahlt die Kasse nicht, kostet ein Durchgang um die 30 Euro.

Zwar kann die Therapie Rheuma nicht heilen, aber die Schmerzmittel können zeitweise reduziert werden.