Im Kampf gegen den Klimawandel setzen manche Experten auf technische Eingriffe in die Natur. Doch zumindest eines der vorgeschlagenen Geoengineering-Verfahren scheint die Erwartungen nicht zu erfüllen.
olivinkristall
© Prof. Thomas PettkeAWI/Thomas Pettke, Institut für Geologie der
Olivinkristalle
Bremerhaven - Technische Eingriffe in die Natur statt den Treibhausgasausstoß zu reduzieren - im Kampf gegen den Klimawandel hoffen manche Experten auf das sogenannte Geoengineering. Einem der vorgeschlagenen Verfahren haben Forscher des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) für Polar- und Meeresforschung nun aber eine Absage erteilt.

Die Wissenschaftler untersuchten eine Technik, bei der große Mengen silikathaltiger Gesteinspartikel, sogenanntes Olivin, in den Weltmeeren aufgelöst werden, damit das Wasser mehr Kohlendioxid (CO2) aufnehmen kann. Die Forscher wollten herausfinden, welche Auswirkungen das auf die chemische Zusammensetzung des Wassers und die Meereslebewesen hat.

Ihr Ergebnis: Das Wasser kann dadurch zwar deutlich mehr Kohlendioxid aufnehmen, trotzdem ließe sich so nur ein kleiner Teil des weltweit freigesetzten Kohlendioxids binden. Zudem würde das Einbringen des Minerals zu einem deutlich stärkeren Wachstum von Kieselalgen führen. Ein Eingriff in die marinen Ökosysteme, der nach internationalen Abkommen zurzeit nicht zulässig wäre, heißt es in der Untersuchung, die im Fachmagazin Environmental Research Letters veröffentlicht wurde.

Das Team um AWI-Forscher Peter Köhler ging davon aus, dass jährlich drei Gigatonnen fein gemahlenes Olivin, in den Ozeanen aufgelöst werden. „Dadurch wird das Wasser alkalischer, die Aufnahmekapazität von CO2 steigt“, so Köhler. Trotzdem könnten diese Mengen nur neun Prozent des heutigen von Menschen verursachten Kohlendioxidausstoßes kompensieren.

92 Prozent der erhöhten Aufnahmekapazität gehen laut Köhler auf die chemische Veränderung des Wassers zurück, 8 Prozent auf das vermehrte Wachstum von Kieselalgen. Die Gesteinspartikel enthalten Nährstoffe, so dass sich die Algen stärker ausbreiten können und mehr CO2 speichern. „Damit liegt eine Ozeandüngung vor. Momentaner Stand ist, dass solche Maßnahmen nicht erlaubt sind“, so der Forscher.

Logistische Herausforderung

92 Prozent der erhöhten Aufnahmekapazität gehen laut Köhler auf die chemische Veränderung des Wassers zurück, 8 Prozent auf das vermehrte Wachstum von Kieselalgen. Die Gesteinspartikel enthalten Nährstoffe, so dass sich die Algen stärker ausbreiten können und mehr CO2 speichern. „Damit liegt eine Ozeandüngung vor. Momentaner Stand ist, dass solche Maßnahmen nicht erlaubt sind“, so der Forscher.

Damit sich das Olivin gleichmäßig im Wasser verteilt, müsste es zudem sehr fein gemahlen werden - was große Mengen an Energie verschlingen würde. Nach Schätzungen der Wissenschaftler würden 30 Prozent des im Ozean aufgenommen CO2 dadurch wieder freigesetzt werden. Dazu käme die logistische Herausforderung, Olivin massenhaft abzubauen und über die Weltmeere zu verteilen.

„Man müsste eine Bergbauindustrie in der Größenordnung der heutigen Kohleindustrie schaffen“, sagt Köhler. Deshalb könne diese Methode keine schnelle Lösung gegen die globale Erwärmung sein.

tt/dpa