Nach Bespitzelungs- und Korruptionsvorwürfen: Der tschechische Ministerpräsident Necas will sein Amt niederlegen. So wolle er seiner "politischen Verantwortung" gerecht werden. Mehrere Vertraute und Regierungsmitglieder wurden zuvor in Untersuchungshaft genommen.

Tschechiens Ministerpräsident Petr Necas hat nach den jüngsten Razzien wegen Korruptionsvorwürfen seinen Rücktritt für Montag angekündigt. Es solle nun versucht werden, eine neue Regierung mit einem anderen Ministerpräsidenten zu bilden, der von seiner Partei nominiert werde, sagte Necas am Sonntagabend. Die neue Regierung solle bis zu den nächsten regulären Wahlen im kommenden Jahr im Amt bleiben.

Am Samstag hatte Staatspräsident Milos Zeman hat dem Regierungschef den Rücktritt nahegelegt. Bei einer Pressekonferenz sagte das Staatsoberhaupt: "Die Vorwürfe sind sehr schwerwiegend und ich komme zu dem Schluss, dass sie auf ausreichende Beweise gestützt sind. Das ist meine indirekte, aber hinreichend klare Antwort."

In einer spektakulären Razzia in der Nacht zum Donnerstag hatte die Polizei Necas' Kabinettschefin Jana Nagyova, einen Exminister, sowie mehrere Generäle und Geheimdienstmitarbeiter festgenommen. 400 Polizisten einer Sondereinheit für organisierte Kriminalität durchsuchten unter anderem den Regierungssitz und das Verteidigungsministerium. Dabei wurden große Mengen Geld und Gold beschlagnahmt. Die Polizei sprach von einer "organisierten Kriminellengruppe", die nach "überzogenem Gewinn" gestrebt und versucht habe, Einfluss auf Staatsorgane zu nehmen.

Necas' Büroleiterin Nagyova wird beschuldigt, politische Korruption in großem Stil organisiert zu haben. Über das Verhältnis der beiden wird in der tschechischen Presse seit Langem spekuliert. Nagyova soll die Geheimdienste missbraucht haben, um Necas' Ehefrau Radka zu bespitzeln - am Dienstag gab Necas offiziell die Trennung von seiner Frau bekannt. Nach Polizeiangaben hatte Nagyova ihn dazu gedrängt.