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Vor Kurzem erhielt ich eine Nachricht von jemandem, der Puzzling People gelesen hat, und mir die folgende Frage stellte: "Warum handeln ALLE Märchen von Psychopathen und psychopathischem Verhalten?"

Mythologie und Folklore sind tatsächlich eine frühe Form der Psychologie. In einer vor-wissenschaftlichen Zeit waren sie das einzige Medium, mit dem die gewöhnlichen Leute ihre Frustrationen und Warnungen bezüglich der Bewusstseins-Parasiten und anderen pathologischen Raubtieren in der materiellen Welt verankern konnten - ohne sich ausschließlich auf übernatürlich-religiöse Konzepte wie Dämonen, Succubi usw. stützen zu müssen. Dies geschah wahrscheinlich, um Anklagen wegen Hexerei und Blasphemie zu vermeiden. Anstatt also rein religiöse Leitmotive zu verwenden, betrat - etwa ab dem Mittelalter - der Psychopath die Welt der Kindermärchen.

Ab dieser Periode handeln fast all europäischen Märchen von Psychopathen und psychopathischem Verhalten. Wie man ihre Charaktereigenschaften erkennt, und wie man mit ihnen umgeht. Dies ist kein Zufall - in Gestalt von Kindergeschichten wurde eine kollektive mündliche Überlieferung über bösartige Stiefmütter, Wölfe verkleidet als freundliche und vertraute Menschen, die sich als Mörder herausstellen, hervorgebracht. Diese Sammlung von Bewusstheit über Pathologie war im Grunde die einzige Möglichkeit für die hauptsächlich analphabetische Bevölkerung jener Zeit.

Eine einflussreiche Methode, andere in einer Weise zu warnen, die sich verbreiten würde und ohne Spott und Zensur zu riskieren - durch Anwendung einer linguistischen Volkskunst, um Veränderungen im kollektiven Bewusstsein zu entwickeln. Letztendlich war es dies, was die Märchen versuchten zu bewerkstelligen - eine Art Warnung. Während sie ebenfalls die Funktion einer allegorischen, kollektiven Therapie erfüllten, um vergangenes Trauma innerhalb einer Gemeinschaft zu heilen - Trauma, das durch Psychopathen verursacht wurde.

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Eine mündliche Überlieferung, die im Volksbewusstsein bewahrt wurde, um die "Stimmung" der Gemeinde zu "heben". Die Notwendigkeit für sie, diese Anstrengung auf sich zu nehmen und einen gewaltigen und komplexen Kanon an Märchen zu erschaffen, zeigt auf, dass die Menschen der Vergangenheit wussten, dass sie es mit etwas zu tun haben, das nicht ganz menschlich war. Diese "ungebildeten" vor-Freudianischen Menschen waren sich äußerst bewusst darüber, dass der Verstand verschiedene Ebenen des Gewahrseins beinhaltet. Trauma wurde nicht immer im Ego behalten - sondern in "einem anderen Geist" dahinter. Dies diente in einem kollektiven Sinne ebenfalls einer allumfassenden emotionalen Gesundheit und Sicherheit der Gemeinschaft als Ganzes.

Jeder, der jemals persönlich durch einen Psychopathen geschädigt wurde - im psychologischen Sinne - wird offen zugeben, dass an dieser Erfahrung etwas unheimliches ist. Ich selbst habe mit hartgesottenen Atheisten gesprochen, die Begriffe wie "dämonisch" verwendet haben, um die Wirkungen zu beschreiben, die so etwas auf sie hatte, und wie sie ihre Erfahrungen rationalisiert haben. Diese Menschen haben Begriffe wie 'dämonisch' nicht etwa deshalb benutzt, weil sie unwissend und abergläubisch waren, oder weil ihnen gelehrte Fertigkeiten fehlten - sondern deshalb, weil dies das einzige war, das ihrem Intellekt blieb, um auszudrücken, was ihnen angetan wurde und so mit den psychologischen Auswirkungen umzugehen.
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Die Ausbreitung des Psychopathen in europäischen Märchen zeigt wie ernst der Psychopath von unseren Vorfahren genommen wurde. Noch bezeichnender im Sinne des geschriebenen Wortes und der Unterhaltungsliteratur ist, dass die Metapher des Psychopathen erst durch die Ankunft von Bram Stokers Dracula wieder ins öffentliche Bewusstsein drang. In dieser Hinsicht gab es in der dazwischen liegenden Zeitperiode kaum etwas sonst.
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Die zunehmende Bildung innerhalb der Bevölkerung als Ganzes wurde dann zu einem Mittel, mit dem das Psychopathische Kontrollnetz im Grunde seine eigene Existenz vor der Masse der Menschen leugnen konnte. Indem es ihre Gedanken und Erwartungen mit unmöglichen und dem Untergang geweihten Liebesgeschichten und blumigen Epen anfüllte, in denen sich Helden bedingungslos und freiwillig für den Adel und die Nation opferten; und die toxische Liebesbeziehung als "romantisch" deklariert wurde.

Sogar noch in heutiger Zeit prägte Robert Hare, der diese Thematik 30 Jahre lang studiert hat, den Begriff "Intra-Spezifisches" Raubtier. Wenn das nicht ein Bild der Folklore heraufbeschwört, dann weiß ich auch nicht.