Mit seiner Fähigkeit zur wiederholten Herstellung und Anwendung von Werkzeugen aus Gegenständen überrascht der Goffini Kakadu "Figaro" die WissenschaftWissenschaft - wurde die Fähigkeit der Werkzeugherstellung und -nutzung bislang jedoch noch nie bei Kakadus beobachtet.
Kakadu
© Alice Auersperg
Der Kakadu Figaro baut sich sein Werkzeug selbst, um an die Nuss zu gelangen.
Wien (Österreich) - Wie die Kognitionsbiologinnen Alice Auersperg und Birgit Szabo von der Universität Wien gemeinsam mit Professor Alex Kacelnik von der Oxford University aktuell im Fachmagazin Current Biology berichten, fertigt und benutzt Figaro hölzerne Werkzeuge, um an Futter zu gelangen.

Für die Forscher war es zum einen überraschend, dass der Kakadu überhaupt ein Werkzeug gebrauchte, und zum anderen, dass er sich selbst eines baute. Die wichtigste Beobachtung war, dass der Figaro - nachdem er sein erstes Werkzeug gebaut hatte - in späteren Versuchen ohne zu zögern wusste, was zu tun war.

"Figaro baute sich für jede neu platzierte Nuss ein weiteres Werkzeug und war jedes Mal erfolgreich", berichtet die Kognitionsbiologin stolz. "Goffinis wollen alles erkunden, sind generell gut im Lösen von technischen Problemen und haben ein großes Gehirn. Es ist aber anzunehmen dass sie keine habituellen Werkzeug-Gebraucher in der Wildbahn sind. Figaro ist bisher der einzige seiner Art, bei dem wir dieses Verhalten beobachten konnten", so Birgit Szabo. Diese Beobachtung zeige, dass die Herstellung von Werkzeug auch aus unspezialisierter Intelligenz hervorgehen kann.

"Es ist nach wie vor schwierig, kognitive Handlungen zu identifizieren. Figaro und seine Vorgängerin Betty helfen, Unklarheiten in der Evolution von Intelligenz zu entschlüsseln”, erläutert Kacelnik, der bereits an den Studien über die berühmte neukaledonische Krähe Betty beteiligt war: Indem diese einen Haken aus einem Stück Draht bog, um Futter aus einem Rohr zu angeln, hat sie Experten vor einigen Jahren überrascht. Obwohl neukaledonische Krähen auch in der Wildnis Werkzeuge benutzen, wird dieser spezielle Fall noch immer als ein bemerkenswertes Beispiel individueller Kreativität und Innovationsfähigkeit betrachtet.

"Lange Zeit schrieb man solche Talente nur unseren nächsten Verwandten, den Menschenaffen, zu. Inzwischen gibt es auch Beispiele von Werkzeuggebrauch bei Kapuzineraffen, Krähenvögeln und sogar einigen Wirbellosen", so Auersperg.

Während der exklusive Club tierischer Werkzeug-Hersteller und -nutzer immer mehr Mitglieder aufnimmt, rätseln die Wissenschafter, welche Rolle Intelligenz, Kulturbildung und Ökologie in der Ausprägung solcher Kompetenzen spielen.

"Ich gestehe gerne ein, dass wir uns immer noch schwer tun, die für dieses Verhalten notwendigen kognitiven Vorgänge zu verstehen, könnten Figaro und seine Vorgängerin Betty uns dabei behilflich sein, die vielen Facetten des Geheimnisses der Evolution von Intelligenz zu verstehen", so Kacelnik abschließend.

Quelle: ox.ac.uk, univie.ac.at