Der im Jahr 1998 entdeckte Komet 168P/Hergenrother bricht auf seiner Reise durch das innere Sonnensystem offenbar auseinander. Astronomen konnten bei Beobachtungen mit dem Gemini-Teleskop auf Hawaii vier Fragmente des Kometenkerns erkennen. Schon zuvor war der Komet durch einen eindrucksvollen Ausbruch aufgefallen.
© Michael Jaeger
Eigentlich ist der Komet 168P/Hergenrother nicht wirklich etwas Besonderes: Er umrundet die Sonne in knapp sieben Jahre und bewegt sich dabei in etwa zwischen den Bahnen von Jupiter und Mars, kommt der Erde also nicht wirklich nahe. Entsprechend lichtschwach erscheint der Komet dann auch am Himmel, so dass Amateurastronomen schon ein recht großes Teleskop brauchen, um den Kometen sehen zu können. Der Komet wurde 1998 entdeckt und kehrte 2005 ins innere Sonnensystem zurück. Anfang Oktober 2012 erreichte er erneut den sonnennächsten Punkt seiner Bahn.

Auf seinem Weg ins innere Sonnensystem wurde 168P/Hergenrother in diesem Jahr von zahlreichen Astronomen beobachtet. Und für diese hatte der Komet eine Überraschung parat: Er zeigte Ausbrüche von staubigem Material und schien offenbar auch seine Form zu verändern. Als Folge der Ausbrüche erhöhte sich die Helligkeit des Kometen in Bezug auf den eigentlich erwarteten Wert deutlich. Für Experten sind dies eindeutige Hinweise darauf, dass mit dem Kometen gerade etwas Dramatisches passieren muss - ein Verdacht, den Beobachtungen mit verschiedenen Teleskopen inzwischen bestätigt haben.

"Der Komet Hergenrother bricht auseinander", so Rachel Stevenson, eine Doktorandin am Jet Propulsion Laboratory der NASA im kalifornischen Pasadena. "Mit dem Teleskop Gemini North auf dem Gipfel des Mauna Kea auf Hawaii konnten wir den Kern des Kometen auflösen und haben festgestellt, dass er in mindestens vier deutlich erkennbare Teile zerfallen ist, was zu einem starken Anstieg des staubigen Materials in seiner Koma geführt hat."

Durch das zusätzliche Material, was nun mehr Sonnenlicht reflektieren kann, ist die Koma auch merklich heller geworden. "Die Fragmente haben eine deutlich geringere Helligkeit als der Kern", ergänzt James Bauer vom California Institute of Technology. "Das deutet darauf hin, dass Brocken von Material von der Oberfläche abgestoßen wurden.

Das Auseinanderbrechen von 168P/Hergenrother war als erstes am 26. Oktober von einem Astronomenteam mit Hilfe des Faulkes Telescope North auf Hawaii beobachtet und auch vom WIYN-Teleskop des Kitt Peak National Observatory im US-Bundesstaat Arizona bestätigt worden. Der Komet befindet sich am Himmel zwischen den Sternbildern Andromeda und Eidechse.

Dass Kometenkerne auseinanderbrechen, ist für Astronomen nicht wirklich etwas Überraschendes, nur ob und wann es bei einem bestimmten Kometen passiert, lässt sich kaum vorhersagen. Bei Kometen handelt es sich um lockere Brocken aus Eis und Gestein. Immer wenn sich der Komet der Sonne nähert, wird der Kometenkern aufgeheizt und ein Teil des Eises verdampft. Es bildet sich eine Koma um den Kometen und oft auch ein eindrucksvoller Schweif.

Da der Kern hauptsächlich durch das Eis zusammengehalten wird, muss dieser irgendwann einmal auseinanderbrechen oder zumindest größere Brocken verlieren, wenn nach wiederholter Annäherung an die Sonne nicht mehr genügend Eis vorhanden ist. Für Amateurastronomen ist ein solcher Zerfall oft ein faszinierendes Schauspiel, weil sich die Helligkeit des Kometen dadurch für einige Zeit dramatisch vergrößern kann.

Die Bahn von 168P/Hergenrother ist übrigens den Astronomen sehr gut bekannt. Weder der Komet selbst, noch seine Fragmente stellen eine Gefahr für die Erde dar.