Erdfälle in der Flur zwischen Rappelsdorf und Gethles hat es immer mal wieder gegeben, jetzt unmittelbar am Radweg.
© MDR/Bert Weber
Rappelsdorf - Das Erdloch ist zu Wochenanfang entdeckt worden - etwa einen Meter tief aber etwa 12 Quadratmeter groß. Auf der Wiese, direkt neben dem Radweg zwischen Schleusingen und Rappelsdorf. Es muss wohl in der Nacht zum Sonntag oder in der darauffolgenden Nacht passiert sein, wird vermutet.

Freies Wort informierte Dr. Alfons Kurz vom Naturschutzbund und Kenner der Erdfall-Szene bei Rappelsdorf, der sich vor Ort überzeugte. "Ja, das Erdfall ist noch ganz frisch." Neben dem Erdloch hat es auch eine kleine Geländeabsenkung gegeben.

Alfons Kurz kennt die Ursache dafür, dass es immer wieder zu Erdfällen und auch kleineren Geländeabsenkungen kommt. "Sie liegt in der natürlichen Auslaugung von Gipslagerstätten des Zechsteins, die sich zwischen Rappelsdorf und Gethles befinden," weiß er.

"Die Auslaugungen erzeugen größere Hohlräume im Untergrund, was zu den bekannten Absenkungen der Deckschichten führt."

Ein Beispiel für das Geschehen, erzählt er, sei um 1980 am Bach aus dem Bärental untersucht worden: Der aus den Wäldern des Bärentales kommende Bach versinkt in einer "Bachschwinde" dort, wo der Bach aus dem Wald in das freie Gelände eintritt. Das Wasser wurde im Labor der Oberflussmeisterei analysiert und an der Versinkungsstelle angefärbt. Es konnte nachgewiesen werden, dass das angefärbte Wasser in der Todtenlache wieder zu Tage trat.

Hier wurde das Wasser in der Todtenlache erneut analysiert.

Die Analysen ergaben, dass sich die Wasserbeschaffenheit auf dem Weg von der Bachschwinde im Bärental zur Todtenlache entscheidend verändert. Während das Wasser im Bärental noch kein Gips enthält, ist es dort, wo es in der Todtenlache wieder zu Tage tritt, eine gesättigte Gipslösung.

Aus der so bekannten Menge Gips in einem Liter Wasser in der Todtenlache einerseits und aus der gemessenen Wassermenge, die aus der Todtenlache ständig in die Schleuse fließt, kann man die Gipsmenge ermitteln, die täglich und jährlich aus dem Untergrund herausgelöst wird.

Im Ergebnis solcher Rechnung weiß man, dass es sehr große unterirdische Hohlräume geben muss.

So muss man auch immer wieder mit dem plötzlichen Entstehen von Geländemulden und auch Erdfällen rechnen, meint Dr. Kurz.

Und so kann es durchaus sein, dass der eine oder andere beim Spazierengehen plötzlich vor einem Loch steht. Solch großen Erdfall wie auf der Rappelsdorfer Kuppe in den sechziger, siebziger Jahren hat es zwar nicht wieder gegeben, aber etliche kleinere Erdfälle, die vom Agrarbetrieb immer wieder verfüllt werden müssen, den letzten im Februar 2011. Der war im Umfang nicht so groß, aber tiefer als der jetzige.

Die Todtenlache selbst ist übrigens auch ein Erdfallsee. In der Umgebung von Rappelsdorf gibt es immer mal wieder kleine Erdfälle, die vom Agrarbetrieb jedes Jahr verfüllt werden. Wie Erdfälle entstehen ist auch auf den Tafeln des ausgewiesenen Geotops Todtenlache nachzulesen.

ak/kat