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Brunkhorst atmet auf: Bislang keine der besonders gefährlichen Keime dabei.
Die Gefahr im Krankenhaus durch Keime richtig krank zu werden, macht vielen Menschen Angst. Wie groß diese Gefahr wirklich ist, darüber gibt es bisher nur Schätzungen. Bis zu 600.000 Menschen - so die Vermutungen - sind davon pro Jahr betroffen, bis zu 15.000 sterben daran. Das Uniklinikum in Jena räumt mit der unklaren Faktenlage auf und hat zusammen mit der Weltgesundheitsorganisation und der Bundesregierung ein Jahr lang Daten über Krankenhausinfektionen im eigenen Krankenhaus gesammelt.


Das, was die Uniklinik Jena gemacht hat, gab es so noch nicht. Bisher wurden zum Thema Krankenhauskeime immer nur stichprobenartig Untersuchungen gemacht, erklärt Stefan Hagel, der Autor der Studie: "Wir haben in den vergangenen 12 Monaten jede Krankenhausinfektion erfasst und zwar kontinuierlich über die gesamten 12 Monate. Das ist im Gegensatz zu anderen Studien einzigartig bisher."

Nicht nur das ist neu. Sondern auch, dass diese Studien auf allen Stationen des Krankenhauses gemacht wurden, nicht nur auf den Stationen mit hohem Risiko - wie bspw. der Intensivstation. Und man sammelte Daten über die Art der Keime und die Schwere der Infektionen und wer sich wann, wo und wie infiziert hat - auch das wurde bisher so noch nicht gemacht. Das Ergebnis, das zutage kam, ist keine Revolution, sondern bestätigt die bisherigen Schätzungen. In Jena infizierten sich etwas mehr als 4 Prozent der Patienten im Krankenhaus mit Keimen. Etwa 15% davon waren multiresistente Keime, die gegen verschiedene Antibiotika resistent sind.

Allerdings gab es keinen einzigen Fall der besonders gefürchteten resistenten Darmkeime, sagt Studienleiter Frank Brunkhorst: "Also diese gefürchteten multiresistenten Keime, wo kein Antibiotikum mehr hilft, haben wir in Jena nicht ein einziges Mal gehabt. Toi, Toi, Toi." Soweit zu den wichtigsten Ergebnissen. So unspektakulär diese Fakten auf den ersten Blick scheinen - die Erwartungen an diese Studie sind groß, betont Brunkhorst: "Das Bundesministerium erwartet von uns Innovation und Verbesserungen, die flächendeckend für die Bundesrepublik greifen können."

Man geht auch nach dieser Studie davon aus, dass etwa nur 20 Prozent aller Krankenhausinfektionen zu vermeiden sind. Denn diese Infektionen sind in den seltensten Fällen auf Fehler im Krankenhaus zurückzuführen, sondern sind vom Immunsystem und der Konstitution des Patienten abhängig und gehören zum Behandlungsrisiko. Offene Wunden, Plastikschläuche von Kathetern, Beatmungsschläuche alles das kann zu Infektionen führen, an denen die Ärzte schuldlos sind. Meist sind es die körpereigenen Keime, die mit solchen Behandlungen in den Körper gelangen.

Was sind also die Konsequenzen aus dieser Studie - Dr. Stefan Hagel: "Also ein wichtiger Punkt bei der Vermeidung von Krankenhausinfektionen ist die stringente Umsetzung der Händedesinfektion, dass Erreger von einem Patienten nicht zum nächsten getragen werden." Dazu hat man in Jena die Desinfektionsspender an allen erdenklichen Orten installiert und mit W-LAN ausgestattet, um so zu erfahren, an welchen Standorten die Desinfektion am meisten genutzt wird. Und noch eine Konsequenz für den täglichen Alltag in der Klinik ist entscheidend: Schläuche, Katheder, Flexülen, Nadeln müssen so schnell wie möglich wieder aus dem Körper raus, sagt Hagel. "Denn wir wissen, mit jedem Tag wo der Katheter länger liegt, das Fremdmaterial, das Plastik in der Haut, steigt das Risiko für eine Infektion."

Mit den gesammelten Daten, wer, wann und wo eine Krankenhausinfektion bekommen hat, wollen die Ärzte in Jena auch ein Risikoprofil für Patienten erstellen. Bspw. wenn bei älteren Menschen mit Diabetes bei einer speziellen Behandlung besonders häufig Infektionen auftreten. Dann wüsste man schon bei Einweisung ins Krankenhaus, dass eine besondere Sorgfalt und Beobachtung notwendig ist. Das Uniklinikum Jena will nach Auswertung aller Daten so eine Art Referenzkrankenhaus werden und beweisen, dass eine Reduzierung der Krankenhausinfektionen tatsächlich um 20 vielleicht sogar 30 Prozent möglich ist.