Während die Venusoberfläche mit Hunderten von Vulkanen übersät ist, konnte bislang noch kein Beweis für noch immer aktive Vulkane gefunden werden. Sechs Jahre lang haben Wissenschaftler mit der europäischen Sonde "Venus Express" die "höllische Schwester der Erde" beobachtet und glauben nun anhand atmosphärischer Messungen Hinweise für aktive Vulkane gefunden zu haben.
Venus, Atmosphäre
© Data: E. Marcq et al. (Venus Express); L. Esposito et al. (earlier data); background image: ESA/AOES
Anstiege und Rückgänge der Schwefeldioxid-Werte, gemessen von den Sonden "Pioneer Venus" (l.) und "Venus Express" (r.), in der oberen Atmosphäre deuten auf aktuell aktive Venusvulkane hin.
Paris (Frankreich) - Wie die Forscher um Dr. Emmanuel Marcq vom Laboratoire Atmosphères, Milieux, Observation Spatiales (LATMOS) im Fachmagazin Nature Geoscience berichten, wären derzeitig aktive Vulkanausbrüche "eine faszinierende mögliche Erklärung" für die nachgewiesenen starken Veränderungen in der Schwefeldioxidkonzentration in der Venus-Atmosphäre.

Im Vergleich zur Erde, wo aktive Vulkane die nahezu einzige Quelle des stark giftigen Gases sind, beinhaltet die Atmosphäre der Venus mehr als eine Million mal mehr Schwefeldioxid. Da das Gas vergleichsweise schnell durch direkte Sonnenlichteinwirkung zerstört wird, befindet sich der Großteil des Gases unterhalb der dichten oberen Wolkendecke der Venus.

Jeder Nachweis zunehmender Schwefeldioxidmengen oberhalb der Wolkendecke belegt also einen Nachschub des Gases von unterhalb der Wolken. Dieser wurde von der Sonde bereits unmittelbar nach ihrem Eintreffen 2006 gemessen, gefolgt von einem deutlichen Abfall der Werte (s. Abb. Diagramm r.). Ein ähnliches Phänomen, allerdings nur den Rückgang der Werte, wurde bereits von der NASA-Mission "Pioneer Venus" nachgewiesen, die den Planeten von 1978 bis 1992 umrundete (s. Abb. l.). Damals gingen die Wissenschaftler davon aus, dass die Messung durch eine Eingabe der Gase durch Vulkane verursacht wurde, die noch deutlich vor dem Eintreffen der Sonde aktiv waren.

"Wenn man nun jedoch einen Anstieg der Werte in der oberen Atmosphäre beobachtet, so spricht dies dafür, dass die Gase erst kürzlich in die oberen Schichten gelangten, da einzelne Moleküle bereits innerhalb weniger Tage vom Sonnenlicht zerstört werden", erläutert Marcq.

Bislang gebe es jedoch noch zu viele Unbekannte über die planetare atmosphärische Zirkulation, um plötzliche Vermischungen als alternative Erklärung völlig ausschließen zu können. Tatsächlich ist bekannt, dass die Venusatmosphäre mit einer Rotationsphase von nur vier Tagen deutlich schneller rotiert als der Planet selbst, der für eine Drehung um seine eigenen Achse 243 benötigt. Vorausgesetzt, dass aktiver Vulkanismus die Quelle der Schwefeldioxid-Zunahme ist, gehen die Forscher davon aus, dass es sich nicht um eine gewaltige Eruption, sondern mehrere kleinere Ausbrüche handelte.

Quelle: esa.org