Neue Auswertungen der Daten der Asteroiden-Sonde "Dawn" offenbaren ein faszinierendes Rätsel auf der Oberfläche des zweitgrößten bekannten Asteroiden Vesta: Neben erwarteten geraden Abflussrinnen, die charakteristisch für von Kraterwänden abrutschendes trockenes, sandiges Material sind, zeigen die Aufnahmen auch sich abwärts schlängelnde Rinnen, die so auf der Erde für gewöhnlich von abfließendem flüssigem Wasser hinterlassen werden.
Vesta, Asteroid
© NASA/JPL-Caltech/UCLA/MPS/DLR/IDA
Im Vesta-Krater "Cornelia" finden sich wellenförmig verlaufenden Abflussrinnen, wie sie auf der Erde hauptsächlich von abfließendem Wasser gegraben werden.
Los Angeles (USA) - Wie die Forscher um die Dawn-Wissenschaftlerin Jennifer Scully, von der University of California, Los Angeles, auf dem Herbstreffen der American Geophysical Union (AGU) in San Francisco berichteten, enden die meandernden Rinnen zudem oft in gletscherzungenartigen Ablagerungen.

Vesta, Asteroid
© NASA/JPL-Caltech/UCLA/MPS/DLR/IDA
Im Fonteia-Krater hingegen sind die Abflussrinnen deutlich breiter, kürzer und verlaufen gerade – ganz so wie dies von trockenen Materialien zu erwarten ist.
"Die gerade verlaufenden Rinnen, sind Musterbeispiele für abrutschende Fließmuster trockenen Materials wie beispielsweise Sand. Diese kennen wir sowohl von der Erde als auch vom Mond und haben sie so auch auf Vesta erwartet", erläutert Scully. "Aber die gewundenen Abflussrinnen sind eine faszinierende und unerwartete Entdeckung, die wir immer noch versuchen zu verstehen."
Vesta, Asteroid
© NASA/JPL-Caltech/UCLA/MPS/DLR/IDA
Bildausschnittvergrößerung der wellenförmigen Abflussrinnen (o.) und grafische Verdeutlichung der Fließmuster (u.).
Im Vergleich zu den geraden Rinnen sind ihre kurvigen Gegenstücke deutlich länger und schmaler. Für gewöhnlich beginnen sie in V-förmigen Alkoven und verbinden sich im weiteren Verlauf immer wieder mit anderen Rinnen.

Die Forscher sind sich sicher, dass die beiden unterschiedlichen Arten von Abflussrinnen auch von zwei unterschiedlichen Arten von abfließendem Material verursacht werden. Von Vergleichen mit ähnlichen Strukturen auf Erde und Mars erhoffen sich die Forscher auch Aufschlüsse über de Natur der wellenförmigen Rinnen auf dem drittgrößten Himmelskörper im Asteroiden-Hauptgürtel, der an Masse nur noch vom Zwergplaneten Ceres übertroffen wird.

"Zumindest auf der Erde werden solche Strukturen, wie sie beispielsweise im Meteor Crater in Arizona zu finden sind, von flüssigen Wasser gegraben", erläutert auch der Hauptuntersucher der Dawn-Mission, Christopher Russell, ebenfalls von der University of California. "Die Debatte darüber, was auf dem Mars für diese Art der Rinnen verantwortlich ist, ist immer noch nicht abgeschlossen (...wir berichteten)."

Jetzt, so heben die Wissenschaftler hervor, müssen die Rinnen auf Vesta genauestens untersucht werden, "bevor wir ihre Quellen genau bestimmen können".

Quelle: NASA