Mit Hilfe der Zwillingssonden der aktuellen NASA-Mondmission "GRAIL" (Gravity Recovery and Interior Laboratory) ist es Wissenschaftlern gelungen, die bislang genaueste Schwerkraft-Karte des Erdtrabanten zu erstellen. Dabei sind die Forscher auch auf Anomalien in der Verteilung der Gravitationsstärken gestoßen, die den Mond über Hunderte von Kilometern geradlinig überziehen.
Gravitation, Mond
© NASA/JPL-Caltech/CSM
Die geradlinigen Schwerkraftanomalien auf dem Mond sind nur auf der neuen Gravitationskarte des Erdtrabanten (l. bzw. r. als gepunktete Linie vermerkt), nicht aber als topografischer Oberflächenmerkmale (r.) zu erkennen.
Pasadena (USA) - Die neue Karte der Mondgravitation offenbart zahlreiche bislang noch nie gesehene Merkmale des Mondes, darunter einstig tektonische Strukturen, vulkanische Landformen, Einschlagsringe, Krater, zentrale Kraterberge sowie zahlreiche einfache, schalenförmige Krater. Zudem offenbaren die Messungen, dass das Gravitationsfeld des Mondes sich von dem der erdartigen Planeten im Sonnensystem deutlich unterscheidet.

Die Karte selbst ist das Ergebnis des Überflugs der beiden in immer gleichem Abstand zueinander die Mondoberfläche umkreisenden Sonden "GRAIL A und B". Durch die gegenseitige Übertragung von Radiosignalen orten die Sonden bei diesem Formationsflug jegliche Veränderung der Schwerkraft des Mondes, wie sie von sichtbaren Oberflächenmerkmalen wie Bergen, Hügeln, Kratern und Tälern aber auch von verborgenen Massen unterhalb der Mondoberfläche verursacht werden können.
Gravitation, Mond
© NASA/JPL-Caltech/CSM
Das Schwerkraftprofil der linearen Anomalien (rot) im Vergleich zum Idealbild eines Dykes (weiß).
"Anhand dieser Daten haben wir eine Reihe von langen, linear verlaufenden Gravitationsanomalien von mehren hundert Kilometern Länge entdeckt, die die Mondoberfläche überziehen", so der GRAIL-Wissenschaftler Jeff Andrews-Hanna von der Colorado School of Mines.

"Diese geradlinig verlaufenden Gravitationsanomalien deuten auf unterirdische geologische Deiche - sogenannte Dykes - oder lange, dünne vertikale Körper hin, die mit verfestigter Magma gefüllt sind", so der Forscher weiter. Diese Strukturen gehören wohl zu den ältesten Merkmalen auf dem Mond. "Wenn wir diese Strukturen genauer verstehen, wird uns dies einiges über die frühe Geschichte des Mondes verraten."

Dykes, New Mexico
© Louis Maher
Auch auf der Erde sind derartige Dykes bekannt und wurden an einigen Orten, wie hier am Beispiel des Ship Rock US-Bundesstaat New Mexico durch Erosion freigelegt.
Quelle: NASA/JPL