Was tun Autofahrer, wenn sich ein kleines Tier auf der Straße befindet und genug Zeit zum Ausweichen ist? Die Antwort ist klar - könnte man meinen. Doch eine Untersuchung in den USA zeigt: weit gefehlt!
Schildkröte, Straße, Florida
© AFP
Eine Dosenschildkröte überquert eine Straße in Florida. Die Tiere werden immer wieder versehentlich überfahren - aber manche Menschen töten sie auch vorsätzlich.
Hassen Autofahrer Schildkröten? Zu diesem Ergebnis könnte zumindest kommen, wer sich mit einer Untersuchung von Nathan Weaver befasst. Eigentlich hatte der amerikanische Student nur herausfinden wollen, wie man Schildkröten sicherer über die Straße bringen kann. Stattdessen musste er feststellen, dass viele Autofahrer Schildkröten sogar absichtlich überfuhren. Aber warum?

Anlass für Weavers Untersuchung war die sinkende Population der langsamen Tiere, die in den USA oft Opfer des Straßenverkehrs werden. Dagegen wollte der Student der Umweltwissenschaften aus dem US-Bundesstaat South Carolina etwas tun, er dachte an eine Aufklärungskampagne. Für diese wollte er wissen, wie sich Autofahrer gegenüber Schildkröten verhalten.

Also setzte Weaver eine echt wirkende Plastik-Schildkröte auf eine Straße und beobachtete den Verkehr. Zwar änderten einige Autofahrer die Richtung - doch genau auf die Schildkröte zu. Bereits in der ersten Stunde versuchten sieben Autofahrer, die falsche Schildkröte zu überfahren.

Den amerikanischen Psychologieprofessor Hal Herzog, der über das Verhältnis von Menschen zu Tieren forscht, überrascht dieses Ergebnis wenig, es gibt eine kanadische Studie zu diesem Thema.

"Das ist eine Impulshandlung", erklärt Herzog. Menschen, die kleine Tiere überfahren, dächten wohl nicht groß darüber nach. Weaver hatte beobachtet, dass eher jüngere Menschen versuchten, eine Schildkröte zu plätten als ältere.

Auch das kann Herzog bestätigen: "Junge Menschen sind generell impulsiver", sagt er. Zudem seien Männer "zehn Mal so oft grausam gegenüber Tieren als Frauen".

Etwas überraschte den Professor für Psychologie aber: In seiner Vorlesung befragte er 100 Studenten, ob sie schon in einem Auto gesessen hätten, das ein kleines Tier absichtlich überfuhr. Ein Drittel der Studenten hob die Hand, die meisten von ihnen männlich. "Grausamkeit gegenüber Tieren scheint viel weiter verbreitet zu sein, als wir dachten", sagt Herzog. Die kanadische Studie war indes zu einem geringeren Ergebnis gekommen.

Warum Menschen Tieren gegenüber grausam sind, kann auch Herzog nicht erklären. "Ich vermute, dass das etwas mit einem Gefühl von Macht zu tun hat", sagt er. Untersuchungen dazu gebe es keine.


Kommentar: Sicher ist eines: Tiere zum Spaß zu töten und/oder zu quälen ist ein Symptom bei Psychopathen, und zwar bereits schon im Kindesalter.


Eine kleine Hoffnung aber bleibt: Forscher fanden heraus, dass genau so viele Menschen versuchten, die Tiere zu retten, wie sie zu töten. "Genauso viele Fahrer hielten an und trugen das Tier über eine viel befahrene Straße", sagt Herzog.

Der US-Wissenschaftler Mark Rober hat im vergangenen Jahr ein ähnliches Experiment unternommen wie Weaver - nicht für die Raumfahrtbehörde Nasa, für die er sonst arbeitet, sondern in seiner Freizeit. Der Ingenieur des Jet Propulsion Laboratory in Pasadena, California, hat sein Experiment gefilmt - und kommt zu interessanten Schlussfolgerungen.