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Neil Ibata: Er dürfte einer der jüngsten Autoren sein, die jemals im Fachblatt "Nature" veröffentlicht haben. Und das nicht etwa als einer von Dutzenden Autoren eines kleinen Beitrags für ein Spezialpublikum. Stattdessen ist der 15-Jährige für den zentralen Teil jener Studie mitverantwortlich, die das bisherige Bild von der Galaxien-Entstehung in Frage stellt.
Im Fachblatt "Nature" veröffentlichen Forscher von Weltrang ihre Erkenntnisse. Jetzt ist das einem 15-Jährigen gelungen: Der französische Gymnasiast Neil Ibata hat eine Entdeckung gemacht, die das bisherige Bild der Galaxien-Entstehung in Frage stellt.

Nature ist neben dem Magazin Science das Zentralorgan der internationalen Forschung: Eine Veröffentlichung in den einflussreichen Titeln gilt Wissenschaftlern als eine Art Ritterschlag, sie werden von vielen Fachkollegen in späteren Studien zitiert, ihre Arbeit erhält Renommee und Gewicht.

Umso erstaunlicher ist, dass es nun ein 15-Jähriger in die Autorenliste eines Nature-Beitrags geschafft hat - und obendrein nicht etwa als einer von Dutzenden Autoren eines kleinen Beitrags für ein eng umrissenes Spezialpublikum. Stattdessen ist Neil Ibata für den zentralen Teil jener Studie mitverantwortlich, die in dieser Woche das Titelthema des britischen Fachblatts ist.

Mit Hilfe des Keck-Teleskops auf Hawaii hatte ein internationales Forscherteam fünf Jahre lang die Andromeda-Galaxie, die der Milchstraße nächstgelegene Spiralgalaxie, in allen Details studiert. Dabei stellte sich heraus, dass fast 30 Zwerggalaxien den Giganten umkreisen. Bisher hatten Forscher angenommen, dass die kleinen Sternsysteme Andromeda in wildem Durcheinander umschwirren, etwa wie Bienen ihren Stock. Die neuen Berechnungen zeigten jetzt aber, dass die Zwerggalaxien wohlgeordnet auf einer Ebene kreisen - so wie Planeten in einem Sonnensystem.

Die Entdeckung sei eine "ernste Herausforderung" für das bisherige Verständnis über die Entstehung und Entwicklung von Galaxien, hieß es in einer Mitteilung des Keck-Observatoriums. Ihr Titel: "Überraschende Pfannkuchen-Struktur der Andromeda-Galaxie stellt Vorstellung von Galaxien auf den Kopf."

Simulationen über den Haufen geworfen

Astronomen simulieren schon seit Jahrzehnten am Computer, wie Zwerggalaxien größere Sternsysteme umkreisen - und jedes Mal kam dabei heraus, dass die Begleiter zufällig verteilt sind. Keines dieser computergenerierten Universen habe Zwerggalaxien enthalten, die in einer Ebene eine Galaxie umkreisen, heißt es in er Keck-Mitteilung.

Die neuen Beobachtungen werfen die bisherige Annahme nun über den Haufen. Geraint Lewis, einer der leitenden Autoren der Nature-Studie, sprach von einer "völlig unerwarteten" Entdeckung. Die Chance, dass es sich bei der Andromeda-Struktur um einen Zufall handele, liege praktisch bei null. Ähnliches dürfte also auch bei anderen Galaxien zu erwarten sein.

Neil Ibata spielte bei dieser Entdeckung eine Schlüsselrolle. Wie das französische Forschungsinstitut CNRS erklärte, machte der 15-Jährige am astronomischen Institut in Straßburg, an dem sein Vater arbeitet, ein Praktikum. Dort habe der Jugendliche die Programmiersprache Python erlernt, die er gleich für das Projekt seines Vaters nutzte.

"Er hat als erster im Rahmen des Projekts die Rotation von Zwerggalaxien rund um die Andromeda-Galaxie bewiesen", erklärte das CNRS. Zusammen mit seinem Vater Rodrigo Ibata, dem Hauptautor der Studie, und rund 15 weiteren Astronomen und Physikern aus aller Welt erscheint nun Neils Name unter der Studie. "Ich habe einfach mit den Daten gespielt, die das Team meines Vaters gemessen hat", sagte der 15-Jährige im Gespräch mit dem Radiosender France Bleu Alsace. Er habe die Entfernung und die Geschwindigkeit der Zwerggalaxien untersucht und so seine Entdeckung gemacht. Sein Vater habe ihm bereits im Alter von fünf bis sechs Jahren Mathematik und Physik beigebracht.

mbe/AFP