Das Kind der Gesellschaft
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Handcuffs

Massenmord: 6060 Jahre Haft für Militär in Guatemala

Guatemala-Stadt. Wegen Massenmordes ist ein früherer Soldat in Guatemala zu 6060 Jahren Haft verurteilt worden. Der frühere Anführer der Eliteeinheit der Kaibiles, Pedro Pimentel, wurde für schuldig befunden, 1982 an der Ermordung von 201 Dorfbewohnern im Norden des mittelamerikanischen Landes beteiligt gewesen zu sein. Bereits im August vorigen Jahres waren vier weitere Mitglieder der Einheit ebenfalls zu 6060 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

dpa/nd

Phoenix

Protest gegen Chinas Pathokratie: Tibetischer Mönch stirbt bei Selbstverbrennung

Die Serie der Selbstverbrennungen von Tibetern setzt sich fort. Ein jugendlicher tibetischer Mönch hat sich am Jahrestag des Aufstands gegen die chinesische Herrschaft mit Benzin übergossen und angezündet.

Peking - Wieder hat sich in Südwestchina ein junger tibetischer Mönch selbst verbrannt. Der 18 Jahre alte Gepey wählte für seinen Freitod einen symbolträchtigen Tag: Den 10. März, Jahrestag des tibetischen Volksaufstandes von 1959.

Der Mönch übergoss sich mit Benzin und setzte sich in Brand. Er starb auf der Stelle, wie exiltibetische Quellen und Tibet-Aktivisten am Dienstag berichteten. Am 10. März 1959 begann der Volksaufstand, in dessen Folge der Dalai Lama, das religiöse Oberhaupt der Tibeter, mit seinen Gefolgsleuten ins Exil nach Indien flüchtete. Vor vier Jahren waren an dem Jahrestag auch schwere Unruhen von Tibetern ausgebrochen.

Es war die 27. Selbstverbrennung seit 2009. Der Protestakt in Aba (tibetisch: Ngaba) in der Provinz Sichuan wurde erst mit Verspätung bekannt, da die Unruheregion streng abgeriegelt ist. Der 18-Jährige habe sich hinter dem chinesischen Militärlager in Aba angezündet, berichtete die in London ansässige Organisation Free Tibet.

Heart - Black

Schwerer Busunfall in der Schweiz

© Sebastien Feval/AFP
Warum das Fahrzeug verunglückte, ist noch unklar. Es war Teil einer Gruppe von drei Bussen. Die beiden anderen waren nicht an dem Unfall beteiligt
Schock, Trauer, Entsetzen: Bei einem schweren Busunfall sind in der Schweiz 22 Kinder und sechs Erwachsene gestorben. Im Bus war auch ein Deutscher.

Bus-Katastrophe am Ende einer Skireise: 28 Menschen - 22 Kinder im Alter von etwa zwölf Jahren, vier Begleiter und zwei Busfahrer - sind bei einem schweren Busunglück in einem Schweizer Autobahntunnel gestorben. Im Unfallfahrzeug saßen zwei Schulklassen aus Belgien, die auf der Rückfahrt von einer Skifreizeit waren. Drei Kinder liegen im Koma. Insgesamt 24 Menschen sind verletzt.

In dem Unglücksbus befand sich auch ein Deutscher. Dies teilte der belgische Regierungschef Elio Di Rupo vor Journalisten mit. Im Bus seien außer den Schülern aus Belgien auch zehn Kinder aus den Niederlanden sowie jeweils ein Deutscher und ein Pole gewesen. Er sagte nicht, ob es sich bei dem Deutschen und dem Polen möglicherweise um die Fahrer des Busses handelte.

Ihr Bus raste am Dienstagabend in dem Tunnel der A9 bei Siders im Wallis gegen eine Nothaltestelle in der Wand. Bei dem schweren Unfall sind nach Behördenangaben auch die beiden Busfahrer gestorben. Die Schweizer Nachrichtenagentur SDA berichtete, der Reisebus habe gegen 21.15 Uhr zunächst Randsteine gestreift und sei dann frontal in die Nothaltenische geprallt. Er sei von Siders in Richtung Sitten gefahren. Nach belgischen Informationen war kein weiteres Fahrzeug beteiligt.

Handcuffs

Pharma-Mafia: Ratiopharm verurteilt wegen Bestechlichkeit

Letztes Jahr sind zwei niedergelassene Ärzte vom Amtsgericht Ulm wegen Bestechlichkeit verurteilt worden.

Was war geschehen?

Die beiden Ärzte einer Praxisgemeinschaft/Doppelpraxis hatten einen Deal mit der Firma Ratiopharm. Dieser besagte, dass für jede Ratiopharm-Verschreibung die Ärzte um die 8 Prozent vom Abgabepreis erhalten würden. Mit anderen Worten: Je mehr Ratiopharm-Produkte die Ärzte verschrieben, desto mehr Vergütung erhielten sie von der Firma als nettes, fettes Zubrot. Auf diese Weise haben beide Docs zwischen 2002 und 2005 19.000 Euro dazu verdient. Als Belohnung nun wurden die Mediziner vom Gericht zu einem Jahr Haft auf Bewährung verdonnert und jeder darf 20.000 Euro Strafe zahlen.

Zwei Ärzte - Zerrbild für alle?

Wer aber jetzt glaubt, dass es sich hier um einen Einzelfall handelt, der irrt. Inzwischen sind über 3000 Fälle aktenkundig geworden, bei denen oft gerade Ratiopharm seine Hände im Spiel hat. Die Firma führt keine Originalwaren, sondern ausschließlich Generika. Da kann man halt nicht mit Forschung und Innovation angeben, sondern muss die Scharte mit marketingtechischen Mitteln auswetzen.

Zumindest auf diesem Gebiet hat sich die Firma seit geraumer Zeit als innovativ bewährt. So zeigte sich einer der beiden verurteilten Ärzte als aufgebracht, weil die anderen 2999 nicht auch mit verurteilt worden sind. So sind angeblich „Tausende Ermittlungsverfahren in der Ratiopharm-Affäre gegen Zahlungen von Geldbußen eingestellt worden“. Diese Aussage bestätigt, dass diese Vorgehensweise bei Ratiopharm System hat und keinen Einzelfall darstellt. Unsere beiden Verurteilten dagegen hatten das Bußgeld nicht bezahlen wollen und es auf einen Prozess ankommen lassen.

Bad Guys

Europäische Zulassungsbehörde EMA wegen Betrug angeklagt

Die EMA ist die europäische Zulassungsbehörde für Medikamente und obwohl es eigentlich ihre Aufgabe sein sollte, die Pharmaindustrie zu kontrollieren, wird sie finanziell kräftig von der pharmazeutischen Industrie unterstützt. Jetzt sieht sich die EMA mit Betrugsvorwürfen konfrontiert.

Beamte des Europäischen Amts für Betrugsbekämpfung untersuchen aktuell die Rolle der EMA bei der Zulassung des Medikaments “Mediator” gegen Diabetes, das 2009 vom Markt genommen wurde, nachdem sich herausstellte, dass es für ca. 2000 Todesfälle verantwortlich war. Befürchtungen, dass das Medikament tödliche Herzprobleme verursachen könnte, tauchten schon ein Jahrzehnt zuvor auf. Das Medikament, das von der französischen Pharmafirma Servier Laboratories hergestellt wurde, war 33 Jahre auf dem Markt und wurde vor allem in Frankreich, Italien und Spanien verschrieben. Es wurde letztendlich vom Markt genommen als der Hersteller eingestand, dass das Medikament Herzklappenprobleme verursachen kann.

Zur Info: Die EMA, die 1995 gegründet wurde, um die Arzneimittelzulassung in ganz Europa zu reglementieren und vereinheitlichen, bekommt 80 Prozent seiner Bezüge von der pharmazeutischen Industrie, laut Michèle Rivasi, dem „grünem“ Parlamentsmitglied, die auch die Untersuchung leitet (Quelle). GlaxoSmithKline (GSK) hat sich bereit erklärt, 3 Milliarden Dollar als Strafe für das Puschen von Avandia als Verkaufspraxis zu zahlen. Avandia, ebenfalls ein Diabetesmedikament, wurde 2010 vom Markt genommen, nachdem sich herausstellte, dass es das Risiko für Herzinfarkte erhöht (Avandia - ein evidenzbasiertes Desaster).

Attention

Brandanschlag auf Moschee in Belgien

In Brüssel brennt die größte schiitische Moschee fast vollständig nieder. Vertreter der Schiiten vermuten, dass der Täter der ultrakonservativen sunnitischen Salafisten-Bewegung angehört.
© dapd, Geert Vanden Wijngaert
Experten der Polizei untersuchen den Tatort im Stadtteil Anderlecht.

Bei einem Brandanschlag auf eine Moschee in Brüssel ist ein Imam ums Leben gekommen. Die Staatsanwaltschaft gibt an, ein mit einer Axt und einem Messer bewaffneter Mann sei am späten Montagnachmittag in die schiitische Moschee im Stadtteil Anderlecht eingedrungen - dann habe er Benzin in der Moschee vergossen und das Gebäude angezündet.

Nach Angaben von Polizeisprecherin Marie Verbeke breitete sich das Feuer rasch im gesamten Gebäude aus. Die Riad-Moschee, das größte der vier schiitischen Gotteshäuser in Brüssel, sei fast komplett niedergebrannt.

Der Mann wurde festgenommen, Vertreter der Schiiten vermuteten, dass er der ultrakonservativen sunnitischen Salafisten-Bewegung angehört.

Cheeseburger

Wegwerfgesellschaft: Jeder Deutsche wirft jährlich 81,6 Kilo Essen weg

Nahrung für die Tonne? Jährlich landen elf Millionen Tonnen Lebensmittel als Abfall im Müll. Darunter auch Obst und Gemüse, weil Größe und Aussehen nicht den Ansprüchen entsprechen.
© PICTURE ALLIANCE / DPA/DPA
Nahrungsmittel im Müll: 61 Prozent der Abfälle stammen aus Privathaushalten

Jeder Bundesbürger wirft pro Jahr 81,6 Kilogramm Lebensmittel in den Müll. Das geht nach Informationen von „Welt Online“ aus einer neuen Studie der Universität Stuttgart hervor. Demnach werden jährlich knapp elf Millionen Tonnen Lebensmittel als Abfall entsorgt.

61 Prozent dieser Abfälle stammen aus Privathaushalten, jeweils rund 17 Prozent entfallen auf Großverbraucher wie Gaststätten, Schulen oder Kantinen sowie auf die Industrie. Die übrigen fünf Prozent fallen im Einzelhandel an. Zwei Drittel dieser Abfälle wären laut Studie vermeidbar.

Health

Westliche Ernährung macht auch Haustiere fett und krank

© Horst Ossinger, dpa
Tierhalter übertragen ihr eigenes Essverhalten auf die Schützlinge
Wie der Herr, so sein Gescherr? Laut einer Studie sind mehr als 50 Prozent der 88 Millionen Hunde und Katzen in den USA übergewichtig oder fettleibig. Zu viel Leckerli und wenig Bewegung sorgen mittlerweile für ernsthafte Erkrankungen.

Duke bringt 43 Kilo auf die Waage, und das hat ihm den Spitznamen „sausage“ (Wurst) eingebracht. Der Labrador-Beagle-Mix ist schon ein Hunde-Opa und die 13 Kilo Übergewicht machen sich bei jedem Spaziergang bemerkbar. Nach nur wenigen Metern japst Duke nach Luft. Und er ist längst keine Ausnahme. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie sind mehr als die Hälfte aller ausgewachsenen Hunde und Katzen in den USA - 88,4 Millionen Tiere - übergewichtig oder fettleibig.

„Natürlich bedient sich Duke nicht von alleine am Kühlschrank“, räumt Herrchen Horacio Artiga ein, während seinen Hund zu einer weiteren Runde um den Block animiert. „Wir haben ihm erlaubt, so dick zu werden.“ Der 35-jährige Familienvater und seine Frau sind beide professionelle „Hundesitter“. Doch obwohl das Paar anderer Leute Tiere fit hält, konnte Artiga seine Mutter nie davon abhalten, Duke bei jeder Gelegenheit geröstete Hühnchenflügel zuzustecken.

Heart - Black

Gewalt gegen Kinder: Züchtigung und Stockschläge an Schulen

Indien will die Züchtigung von Schülern verbieten. Eine Studie hat ergeben, dass Stockschläge, Ohrfeigen und das Ziehen an Ohren und Haaren zum Schulalltag der Kinder gehören.
Bild

Indien will gegen Gewalt an Schulen vorgehen. Die Nationale Kommission zum Schutz der Kinderrechte stellte in dieser Woche in einer aufsehenerregenden Studie fest: „Stockschläge scheinen die bevorzugte Methode zu sein, die Kinder zu kontrollieren“. Danach kämen Ohrfeigen, Schläge auf den Rücken oder das Ziehen an Ohren und Haaren. Das ergab eine Umfrage unter mehr als 6600 Schülern im Alter von bis zu 17 Jahren. 98 Prozent der Befragten gaben an, bereits Opfer von Lehrergewalt geworden zu sein.

Die Kommission forderte ein Ende der Gewalt und stellte neue Leitlinien für die Schulen vor. Die Lehrer sollten lernen, „durch klare Anweisungen und gemäßigten Ton“ die Schüler zu kontrollieren, nicht mit Schlägen, heißt es darin.

Heart - Black

Fast jeder 5. Jugendliche wurde missbraucht

© colourbox/symbolbild
Mädchen sind deutlich häufiger Opfer von Missbrauch als Knaben.
Befragt wurden 6700 Jugendliche in der 9. Schulklasse in allen Sprachregionen der Schweiz. 22 Prozent der Mädchen und 8 Prozent der Knaben gaben an, schon mindestens einmal einen sexuellen Übergriff erlebt zu haben, bei dem es zu körperlichem Kontakt kam. Von diesen Betroffenen holen sich aber nur 3 bis 5 Prozent professionelle Hilfe oder melden den Missbrauch.

Manuel Eisner ist Professor am Institut für Kriminologie der Universität Cambridge. Er hat die «Optimus Studie» mitverfasst. Zu «SF Online» sagt er: «Dies könnte daran liegen, dass sich die jungen Opfer oft selbst die Mitschuld am Übergriff geben.» Etwa, weil Alkohol im Spiel gewesen sei.

Weil die Täter zudem meist gleichaltrig sind und aus dem Umfeld der Opfer stammen, hätten diese auch Angst, aus dem Freundeskreis ausgeschlossen zu werden. Häufig fehle es ausserdem an Aufklärung: «Die Jugendlichen denken, der Übergriff war gar nicht strafrechtlich relevant.»