Die Wissenschaft des Geistes
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Joe Navarro: "Jeder sollte über Psychopathie Bescheid wissen"

Joe Navarro ist ein ehemaliger FBI-Agent und ein Spezialist für menschliches Verhalten. In Deutschland ist er vor allem bekannt durch sein vor kurzem veröffentlichtes Buch: Die Psychopathen unter uns: Der FBI-Agent erklärt, wie Sie gefährliche Menschen im Alltag erkennen und sich vor Ihnen schützen. In diesem Buch befasst er sich mit pathologischen Persönlichkeiten und wie sie schnell mit Checklisten erkannt werden sollen. Doch Checklisten bergen eine Gefahr - warum, das möchten wir anhand eines Spiegel-Online-Interviews mit Navarro kommentieren und ebenso auf andere wichtige Dinge hinweisen.

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© sott.net
Psychopathen regieren unsere Welt. Sechs Prozent der Weltbevölkerung sind genetisch geborene Psychopathen. Wissen sie, was das für den Rest von uns bedeutet?
SPIEGEL ONLINE: Herr Navarro, in Ihrem Buch schreiben Sie, dass eine einzige Begegnung mit einem Psychopathen ausreicht, um unser Leben zu ruinieren. Ist das nicht ein bisschen übertrieben?

Navarro: Nein, wir sind in Gefahr! Es gibt immer wieder Menschen, die uns ausnutzen. Bei Psychopathen denken die Menschen an Typen vom Schlage Hannibal Lecters. Aber man findet sie überall, wo Menschen aufeinander treffen, in der Politik, in der Wirtschaft, im Beruf, in der Schule, im Elternhaus, in der Kirchengemeinde. Sie kennen bestimmt auch einen.

SPIEGEL ONLINE: Ich? Nein.

Navarro: Doch. Wie alt sind Sie?

SPIEGEL ONLINE: Mitte Zwanzig.

Navarro: Dann haben Sie sicherlich schon ein oder zwei Menschen mit gefährlichen Persönlichkeiten kennengelernt.
TV

Die rosarote Brille als Versuch, die Realität zu bewältigen

Der Mensch kann nicht anders, als in seiner Zukunft vor allem Gutes zu sehen und üble Prognosen nicht zuzulassen - denn die Zuversicht ist tief in seinen Hirnwindungen verankert.
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© ascrewsloose.com
Tali Sharot wusste genau, was sie wollte. Als die Israelin zur Jahrtausendwende an die New York University ging, war ihr Plan, Gedächtnisforscherin zu werden. Schon ein Jahr später bot sich die perfekte Möglichkeit zu verstehen, wie das Gehirn Erinnerungen schafft. Nach dem 11. September 2011 holte sich Sharot zusammen mit ihrem Team Zeugen des Anschlags in ihr Labor und befragte sie zu ihren Erinnerungen an diesen Tag. Der Anschlag war medial so gut dokumentiert worden, dass sich fast alle Angaben überprüfen ließen.

Die Forscher wussten, dass das menschliche Gedächtnis Fehler macht. Nur in welchem Ausmaß, das wussten sie nicht. Während die Zeugen glaubten, ihre Erinnerungen seien akkurat wie eine Videoaufnahme, zeigte der Abgleich: Nur etwa 63 Prozent ihrer Angaben stimmten tatsächlich. Fast die Hälfte aller Erinnerungen sollen falsch gewesen sein? Die Forscher grübelten darüber, woher diese große Anzahl von Fehlern kommen könnte. Dann hatten sie eine Idee: Was, wenn das Gedächtnis gar nicht vorrangig dazu da ist, die Vergangenheit aufzubewahren, sondern dazu, die Zukunft vorzubereiten?
Holly

Magische Pilze beeinflussen Emotionen im Gehirn teilweise positiv

Zürich - Werden Emotionen im Gehirn negativ verzerrt verarbeitet, kann ein Mensch an einer Depression erkranken. Psilocybin, der bioaktive Bestandteil der mexikanischen Zauberpilze, greift offenbar positiv in den Verarbeitungsmechanismus von Emotionen ein. Schon eine geringe Menge des Stoffs aus der Natur schwächt die Verarbeitung negativer Emotionen ab und wirkt stimmungsaufhellend, wie Forschende der UZH mit bildgebenden Verfahren nachweisen.
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© Wikipedia
Emotionen wie Angst, Wut, Traurigkeit und Freude ermöglichen es dem Menschen, sich der Umwelt anzupassen und auf Belastungen flexibel zu reagieren. Sie haben eine fundamentale Funktion für kognitive Prozesse, physiologische Reaktionen und soziales Verhalten. Die Verarbeitung von Emotionen ist eng an die Vorgänge im Gehirn, an das sogenannte limbische System, gekoppelt. Innerhalb dieses Systems haben die Mandelkerne eine zentrale Funktion - sie verarbeiten vor allem negative Emotionen wie Angst und Furcht. Gerät die Aktivität dieser Mandelkerne aus dem Gleichgewicht, können Depressionen und Angsterkrankungen entstehen.

Forschende der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich zeigen nun, dass Psilocybin, der bioaktive Bestandteil der mexikanischen Zauberpilze, die Mandelkerne beeinflusst und dadurch die Verarbeitung von negativen Umweltreizen abschwächt. Diese Erkenntnisse könnten für «neuartige Behandlungsansätze wegweisend» sein, kommentiert Erstautor Rainer Krähenmann die Resultate, die nun im renommierten Fachjournal Biological Psychiatry publiziert sind.
Books

Lernen im Schlaf: Gut zum Wiederholen, nicht so gut für neue oder abweichende Informationen

Asleep
© Photos.com
Neue Reize im Schlaf stören den Lernprozess und können zu falschen Erinnerungen führen


Störfunk im Tiefschlaf: Wenn wir versuchen, im Schlaf etwas Neues zu lernen, dann kann das sogar schaden. Denn die Informationen von außen stören unser Gehirn bei der Arbeit. Der Transfer des tagsüber Gelernten ins Langzeitgedächtnis wird ungenau und falsche Erinnerungen können sich einschleichen, wie ein Experiment mit Ratten zeigt. Die Berieselung mit Lernprogrammen ist daher sogar kontraproduktiv.

Wenn wir schlafen, ist unser Gehirn offline: Die Verbindungen nach außen sind deaktiviert, neue Reize nimmt unser Denkorgan nur eingeschränkt an. Doch das Gehirn ist in dieser Zeit keineswegs arbeitslos, ganz im Gegenteil. Denn während wir schlafen, "sortiert" es die Eindrücke und Erfahrungen des Tages und transferiert Informationen vom Kurzzeit- ins Langzeit-Gedächtnis. Studien zeigen, dass dies geschieht, indem die Informationen und damit verbundenen neuronalen Signale noch einmal durchgespielt werden.
Control Panel

Induzierte Halluzinationen machen aus Medizinern Pizzabäcker

Bei Versuchen, jene Regionen genauer zu lokalisieren, in denen unser Gehirn Informationen über Orte speichert und verarbeitet, ist es US-Neurologen gelungen, einem Probanden anhand induzierter visueller Halluzinationen an seinen Heimatort zu versetzen.
Pizzabäcker
© US Navy
Manhasset (USA) - Wie die Forscher um Pierre Mégavand und Askesh D. Mehta Feinstein Institute for Medical Research aktuell im Fachmagazin Journal of Neuroscience (DOI: 10.1523/JNEUROSCI.5202-13.2014) berichten, bot sich der 22-jährige Epilepsie-Patient für die Untersuchungen an, da er aufgrund seiner neurochirurgischen Behandlung bereits analytische Elektronen in seinem Hirn implantiert hatte, mit denen die Hirnaktivität untersucht und aufgezeichnet werden kann.

Hierzu beobachteten die Wissenschaftler die Hirnaktivität des jungen Mannes, während ihm Bilder unterschiedlicher Objekte und Szenarien vorgelegt wurden.
 Wie sich zeigte, reagierte eine bestimmte Region des Cortex in der Nähe des Hippocampus immer dann, wenn die Bilder Orte und Plätze zeigte - nicht jedoch angesichts von Abbildungen anderer Objekte wie etwa von Körperteilen oder Werkzeugen. In einem nächsten Schritt nutzen die Forscher die implantierten Elektroden um genau diese Hirnregion zu stimulieren.
Red Flag

Mehr Narzissten, mehr Depressive

Emotionale Störungen nehmen "dramatisch" zu, Depressionen und Angststörungen sind auf dem Vormarsch, sagen Psychologen

In Industrieländern wird eine "dramatische Zunahme der behandelten Fälle im Bereich der emotionalen Störungen beobachtet", erklärte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, Jürgen Margraf, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien. Depression und Angststörungen seien "auf dem Vormarsch", was auch stark mit veränderten gesellschaftlichen Zielvorstellungen zusammenhänge.
Butterfly

Traumbedeutung - was sagen Ihnen die Bilder im Schlaf?

Traumsymbole
© Gerd Altmann / Pixelio
Träume sind oft schwer zu deuten
Sie träumen jede Nacht, auch wenn Sie sich nicht immer daran erinnern können. Dabei verarbeiten Sie Erlebtes in Bildern und Gefühlen. Sie können versuchen, diese zu interpretieren, doch welche Wege gibt es, die Traumbedeutung herauszufinden?

Träume können wichtige Aspekte des gegenwärtigen Alltags aufgreifen und bewusst machen. Manche Konzepte versuchen auch, bestimmte konkrete Bilder zu analysieren und durch Interpretation der Traumbedeutung sogar Zukünftiges vorherzusagen. Auch in der Psychologie spielen Träume eine Rolle.
Attention

Von Eltern erlebte Traumata verändern RNA und können an nicht-traumatisierte Kinder weitervererbt werden

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© Shutterstock
Im vergangen November sorgte das Forschungsergebnis US-amerikanischer Wissenschaftler für Aufsehen und Rätselraten unter Genetikern - zeigte sich doch, dass Eltern nicht nur physiologische Eigenschaften, sondern auch Emotionen traumatischer Erlebnisse an ihre Nachkommen vererben. Dies geschieht sogar selbst dann, wenn die Nachkommen ihre traumatisierten Väter selbst überhaupt nicht kennengelernt hatten. Schweizer Wissenschaftler glauben nun, einen Puzzlestein in der Frage entlarvt zu haben, wie die Vererbung von Traumata zustande kommen könnte.

Zürich (Schweiz) - Während das Phänomen der durch traumatische Erlebnisse ausgelösten und von Generation zu Generation weitergegebenen Verhaltensauffälligkeiten in der Psychologie schon lange bekannt ist, scheint die Vererbung von Emotionen der traditionellen Vererbungslehre zunächst zu widersprechen.
Gear

Hunger lässt Paare aggressiver werden

Streit Paar
© imao / Andreas Krone
Nichts gegessen? Wenn der Blutzuckerspiegel sinkt, steigen die Aggressionen.
Eltern wissen, dass häufig Hunger der Grund ist, wenn Kinder maulig und unausstehlich werden. Auch in Paarbeziehungen kann ein leerer Magen Aggressionen hervorrufen. Das fanden Forscher mit Hilfe von Voodoo-Puppen heraus.

Schwierige Diskussionen und Auseinandersetzungen sollten Ehepaare nur gut gesättigt angehen. Einer Studie US-amerikanischer Forscher zufolge steigen die Aggressionen zwischen Partnern, wenn ihr Blutzuckerspiegel sinkt. Streit, Konflikte und vielleicht sogar häusliche Gewalt seien womöglich zum Teil Folge eines einfachen, aber oft übersehenen Zustandes: Hunger. Das schreiben die Wissenschaftler in den Proceedings der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften.

Kommentar: Es ist unfassbar, dass -- einmal völlig abgesehen von Hunger -- diese Paare überhaupt Nadeln in die Voodoo-Puppe des Partners steckten.

Family

Was Lästern und Hochstapeln gemeinsam haben

lästern
© picture-alliance / united-archiv
Das Scheitern des anderen tröstet laut Lebensberaterin Ursula Hauer über die eigene Unvollkommenheit hinweg. Doch es gibt Wege aus dem Dilemma
Übertriebene Selbstzweifel zeigen sich bei manchem mit dem "Hochstapler-Syndrom": Sie glauben, ihre Leistungen lägen nicht an ihnen, sondern seien Zufall. Andere reagieren mit ausgiebigem Lästern.

Der Erfolg im Studium ist dem Glück oder Zufall geschuldet, aber bloß nicht der eigenen Leistung: So denken junge Menschen, die unter dem sogenannten Hochstapler-Syndrom leiden. Sie sind im Studium erfolgreich. Trotzdem zweifeln sie ihr Können permanent an und haben das Gefühl zu bluffen, erklärt Birgit Spinath. Das Phänomen sei häufig bei perfektionistischen Menschen zu beobachten, erzählt die Professorin für Pädagogische Psychologie an der Universität Heidelberg in der Zeitschrift Zeit Campus. Um die falsche Selbsteinschätzung zu relativieren, könne es helfen, Feedback von Freunden einzuholen.
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