Die Wissenschaft des Geistes
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Handys lassen den Geist verstummen

Warum wir das Warten nicht verlernen sollten
Ob im Supermarkt an der Kasse, an der Bushaltestelle oder im Wartezimmer - Im Alltag gibt es häufig Situationen, in denen wir warten müssen. Schnell wird dann das Handy gezückt. Experten warnen nun davor, dass wir das Warten verlernen. Denn dank Smartphone wird jede Sekunde, die nicht mit irgendeiner Aufgabe, Entertainment oder sonstigem Programm gefüllt ist, damit verbracht, Emails abzurufen, Nachrichten zu versenden oder im Internet zu surfen, um sich ja nicht zu langweilen. Aber ausrechnet diese Langeweile ist Experten zufolge wichtig, um seinen Gedanken freien Lauf zu lassen und kreative Ideen zu entwickeln.

Stirbt das reine Warten aus?

Einfach nur in die Wand starren oder in den Himmel schauen, sich in Geduld üben und abwarten. Während die Menschen früher nicht wenig Zeit damit verbracht haben, einfach nur zu warten, wie etwa auf den Bus, in der Supermarktschlange oder bei Behördengängen, wird heute jede freie Minuten mit Ablenkung durch das Smartphone gefüllt. Nachrichten schreiben, viele Spielen, Social Media, im Internet surfen und vieles mehr soll uns dank zahlreicher Apps das Leben erleichtern und für das passende Entertainment sorgen. Bloß nicht langweilen, heißt die Devise.

Beschäftigung mit dem Smartphone in der Wartezeit

Experten zufolge erfüllt das Warten und sich langweilen aber eine wichtige Aufgabe. Nur in solchen Momenten lassen wir unsere Gedanken schwelgen und sind kreativ. Verbieten wir uns das, droht ein Kulturverlust, wie Stefan Gosepath, Professor an der Freien Universität Berlin, betont. „Wenn wir das Warten verlernen würden, wäre das ein kultureller Verlust”, so der Philosoph gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Warten zu können und auszuhalten erfordert Selbstdisziplin. Offenbar eine Eigenschaft, über die heute nicht mehr viele Menschen verfügen. Denn bereits fünf Minuten an der Supermarktkasse, machen manch einen nervös. Schnell wird das Handy aus der Tasche geholt, um „mal schnell die Mails zu checken“, heißt es dann. Das dieses Verhalten aber tatsächlich wenig damit zu hat, wichtige Informationen einzuholen, und vielmehr eine Art Ablenkungsmanöver darstellt, um der Situation zu entfliehen, ist vielen nicht einmal bewusst. Ist gerade kein Empfang oder sind die Hände voll, wird manch einer bereits nach wenigen Minuten unruhig und ungeduldig.

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Was tun gegen das elende Aufschieben?

US-Psychologen haben das Zeitempfinden von Menschen untersucht. Sie stellen sich die Zukunft unterschiedlich vor. Nun haben die Forscher einen Tipp für Menschen, die immer alles aufschieben.
Morgen, morgen, nur nicht heute - sagen Leute, die an Prokrastination leiden. Anstatt für die nächste Prüfung zu lernen, kochen sie erst einmal einen Kaffee, das Gehirn muss ja wach sein. Anstatt aufzuräumen, werden Lebensmittel eingekauft - schließlich läuft das Chaos in der Wohnung ja nicht weg. Morgen ist auch noch ein Tag.

Solange nur der Haushalt liegen bleibt, mag das Aufschieben noch verkraftbar sein. Doch es kann auch Anzeichen einer psychischen Störung sein. Ärzte versuchen mit Verhaltenstherapien, die Prokrastination zu behandeln.

Nun berichten Wissenschaftler der University of Southern California von einer neuen Erkenntnis, die den Patienten helfen könnte. Sie haben dazu mehrere Studien durchgeführt und mit anderen verglichen. "Die vereinfachte Botschaft, die wir aus diesen Untersuchungen herauslesen können, ist, dass Menschen, die ihre Zukunft nicht als direkt bevorstehend empfinden, nicht anfangen, an der Erreichung ihrer Ziele zu arbeiten", sagt Daphna Oyserman, welche die Studie geleitet hat.

Cell Phone

Unsinnige Studie: Sind Mädchen in Schulen wirklich aggressiver? - Oder ist eine männliche Projektion?

Toben, schubsen, treten: Bei Raufereien in der Schule sind nicht zwangsläufig die Jungen die Rädelsführer. An Berliner Oberschulen geben Mädchen vor, wie viel Gewalt für alle akzeptabel ist.
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Wer an Aggression in der Schule denkt, denkt wohl spontan eher an Jungen als an Mädchen. Dabei sind es die Mädchen in der Klasse, die den Rahmen für aggressives Verhalten vorgeben, wie eine neue Studie an 1300 Berliner Schülern zeigt.

Die Psychologen Robert Busching und Barbara Krahé von der Universität in Potsdam haben über einen Zeitraum von drei Jahren untersucht, wie die Klassennorm - also die Einstellung einer Klasse gegenüber aggressivem Verhalten - beeinflusst, für wie akzeptabel der einzelne Schüler Gewalt hält, und ob er sie auch selbst einsetzt.

Dazu erhoben die Forscher bei mehr als 1300 Berliner Schülern unterschiedlicher Einrichtungen die Einstellung gegenüber Aggressionen sowie das aggressive Verhalten jedes Schülers, und zwar drei Jahre in Folge, beginnend in der siebten oder achten Klasse. Jedes Mädchen und jeder Junge sollte dazu anhand einer fiktiven Geschichte erklären, wie er oder sie auf provozierendes Verhalten reagieren würde. Aggressive Reaktionen konnten in verschiedenen Abstufungen gewählt werden, vom Schubsen übers Treten bis hin zum Beißen.

Kommentar: Eine Erklärung könnte sein, da Jungen von Lehrern und Lehrerinnen oft unbewusst bevorzugt werden und deshalb Mädchen ebenso unbewusst diese Ungerechtigkeit in Form von Aggressionen ausleben könnten. Auch nicht zu vergessen ist der Status von Frauen in unserer Gesellschaft, der größtenteils haarsträubend ist und schlichtweg gegen Frauen und Mädchen gerichtet ist.


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Mobbing unter Jugendlichen - Wie psychische Gewalt den Geist zerstört

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Zwei gegen einen: Leider keine untypische Situation in Schulen
Gewalt gegen Kinder bekämpfen wir zu Recht. Womöglich wird dabei aber ein Faktor unterschätzt: Verletzungen, die sich Kinder gegenseitig zufügen. Eine neue Studie zeigt, wie schlimm die Folgen von Mobbing sein können.

Was ist eine schöne Kindheit? Das fragen sich Eltern heutzutage eigentlich ständig - und eine Sache wird dabei fast immer erwähnt: Kinder sollen ohne Gewalt aufwachsen. Ganz egal ob es dabei um Prügelstrafen geht, andere Arten von Misshandlungen oder gar sexuellen Missbrauch.

Doch laut einer nun im Fachblatt Lancet publizierten Studie muss die Umschreibung der erstrebenswerten Kindheit wohl erweitert werden. Zu den Grundvoraussetzungen gehört demnach auch, dass Kinder und Jugendliche von Gleichaltrigen nicht gemobbt werden, berichten Dieter Wolke und seine Kollegen von der University of Warwick bei Coventry, England.

Die Psychologen untersuchten, welche Auswirkungen Misshandlungen durch Erwachsende und Mobbing zwischen Gleichaltrigen auf die mentale Gesundheit Heranwachsender haben. Sie fanden heraus, dass Mobbing offenbar folgenschwerer für die Psyche ist. Die Wahrscheinlichkeit, im Alter von 18 Jahren eine Depression zu entwickeln oder sich selbst zu verletzen, sei bei Mobbingopfern größer als bei Misshandlungsopfern, berichten die Forscher.

Kommentar: Mobbing unter Jugendlichen nimmt im gleichem Umfang zu, wie unsere Gesellschaft immer mehr durch Psychopathen dominiert wird. Wenn Gewalt, Betrug, Verachtung und der Mangel an Mitgefühl zum gesellschaftlichen Standard wird, muss sich niemand wundern, weshalb solche Verhaltensweisen es bis in die Schulen und Spielplätze schaffen.


Megaphone

Die fiesesten Geräusche: Wenn Messer und Gabel auf der Keramik kratzen

Was sind die fiesesten Geräusche für Menschen?
Wissenschaftlich belegt ist, dass Lärm krank macht. Vor allem aber ist Krach nervig. Ein britischer Forscher hat sich nun damit beschäftigt, was für die meisten Menschen das fieseste Geräusch ist. Er kam zu überraschenden Ergebnissen. Am 29. April findet der Internationale Tag gegen Lärm statt.


Krach schadet der Gesundheit

Lärm schadet der Gesundheit. Krach verursacht unter anderem Kopfschmerzen, Nervosität, innere Unruhe und stresst die Menschen. So haben verschiedene Studien gezeigt, dass starker Schall die Ausschüttung des Stresshormons Adrenalin steigert. Die Folge davon können Bluthochdruck und Herzinfarkte sein. Ganz allgemein macht Lärm selten Spaß. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, stellt er nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Akustik (DEGA) „eines der gravierendsten Umweltprobleme unserer Zeit dar“. Anlässlich des bevorstehenden Internationalen Tages gegen Lärm am 29. April teilte die DEGA mit, dass Verkehrslärm, gefolgt von Fluglärm, als stärkste Belästigung empfunden werde. Doch es gibt noch viel mehr unerträgliche Geräusche:

Kreide auf Tafel nervt

Generationen von Schülern mussten das Horror-Geräusch ertragen, wenn quietschende Kreide auf die Schultafel trifft. Wenn dann noch zusätzlich die Fingernägel versehentlich - oder gar absichtlich - zum Einsatz kommen, hilft es nur noch, sich die Ohren zuzuhalten. Ebenso schlimm ist es, wenn Messer oder Gabel auf Glas oder Keramik kratzen. Dabei entstehen der dpa-Meldung zufolge “hohe Töne von bis zu 5000 Hertz. Das menschliche Gehirn verbindet damit ein Alarmsignal, denn auch beim Kreischen in Gefahrensituationen werden ähnliche Töne erzeugt.”

Kommentar: Es gibt auch noch ein anderes Extrem, wo Menschen nichts bei Musik empfinden können:


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Warum geben wir uns die Hände? - Der unbewusste Check von Menschen

Hände schütteln dient zum unbewusstes Schnuppern
© abhinavpmp.com
Beinahe täglich schütteln wir Menschen die Hände. Es ist eine persönliche Geste der Begrüßung. Israelische Forscher sind nun der Frage nachgegangen, warum die Menschen weltweit diese Geste verwenden.

Wie das Magazin GEO in seiner neuen Ausgabe berichtet, haben Israelische Wissenschaftler mit Hilfe einer Studienarbeit herausgefunden, warum wir die Hände schütteln. Offenbar schnuppern wir völlig unbewusst vermehrt an unseren Händen, nachdem wir einen Fremden per Handschlag begrüßt haben. Damit, so Idan Frumin vom Weizmann Institute of Science, führen wir unserer Nase chemische Duftstoffe zu, die uns viel über unser Gegenüber verraten - aus demselben Grund also, weswegen Hunde einander ausgiebig beschnuppern. Für die Studie wurden ahnungslose Probanden von einem Versuchsleiter per Handschlag willkommen geheißen - mit Ausnahme der Kontrollgruppe, die nur mit Worten begrüßt wurde. Als die Teilnehmer danach vermeintlich unbeobachtet in einem Raum warten sollten, hielt ein Video ihre Reaktionen fest. Kurzes Zur-Nase-Führen kennen wir alle, doch sowohl Länge als auch Intensität dieses gedankenlosen Schnüffelns an der Hand waren bei den mit Handschlag begrüßten Probanden deutlich größer.

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Mit achtsamkeitsbasierter kognitiver Therapie gegen Depressionen - Gleiche Wirksamkeit wie Medikation

Nicht nur mit Pillen lässt sich ein Rückfall in die Depression vermeiden. Eine neue Therapie ist genauso wirksam.
Vier von fünf Menschen, die eine Depression hatten, werden rückfällig. Und mit jedem Rückfall steigt das Risiko für eine weitere depressive Episode wiederum beträchtlich (Piet & Hougaard, 2011). Um die Abwärtsspirale zu stoppen, verschreiben Ärzte ihren Patienten daher oft Antidepressiva. Genügend Menschen jedoch wollen aus verschiedenen Gründen keine Pillen nehmen - sie vertragen sie beispielsweise nicht oder fürchten eine Abhängigkeit. Andere berichten, dass die Depressionen zurückkehren, sobald sie die Medikamente absetzen. Alternative Therapien sind daher von großem Interesse.

Nun zeigt eine Studie: Die MBCT - kurz für mindfulness-based cognitive therapy, zu Deutsch Achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie - kann ebenso gut einen Rückfall verhindern wie Antidepressiva. Das berichten Forscher im Medizin-Journal The Lancet (Kuyken et al, 2015).

Die MBCT basiert auf der Kombination von zwei Therapieansätzen. Zum einen auf Achtsamkeitstechniken, die den Betroffenen darin bestärken, mehr auf das Jetzt zu achten. Zum anderen auf kognitiver Verhaltenstherapie (CBT), die darauf spezialisiert ist, Menschen zu helfen, die bereits mehrere Episoden einer Depression durchlebt haben.

Kommentar: SOTT.net empfiehlt Éiriú Eolas, ein erprobtes, erstaunliches Stressabbau und Verjüngungsprogramm, das Sie kostenlos ausprobieren können.

© eiriu-eolas.org
Éiriú Eolas



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Studie: Das Gefühl unsichtbar zu sein befreit von sozialen Ängsten

Das Gefühl unsichtbar zu sein befreit von der Angst
© günther gumhold / pixelio.de
Menschen, die glauben unsichtbar zu sein, reagieren weniger ängstlich in Situationen mit anderen Menschen. Das ergab eine Studie von Neurowissenschaftlern um Arvid Guterstam vom schwedischen Karolinska Institut. Die Forscher gaukelten den Studienteilnehmer die Illusion vor, unsichtbar zu sein. Dann ließen sie ihre Probanden unter anderem vor Publikum treten, was normalerweise eine Stressreaktion provoziert. Die vermeintlich Unsichtbaren zeigten in der Situation jedoch keine sozialen Ängste. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher in den Scientific Reports.

Gehirn nimmt Körper wahr, obwohl er unsichtbar ist

Physiker arbeiten seit Jahren daran, Menschen unsichtbar zu machen. In nicht allzu ferner Zukunft könnten Tarnkappe und Tarnmantel tatsächlich Realität werden. Vor diesem Hintergrund fragten sich Guterstam und sein Team, wie das menschliche Gehirn reagieren würde, wenn der Mensch seinen Körper nicht mehr visuell wahrnimmt.

People 2

Negative Wirkung von Vorurteilen wird unterschätzt: Frauen schneiden schlechter in Tests ab wenn sie mit Rollenklischees konfrontiert wurden

Frauen schneiden in Tests tatsächlich schlechter ab, wenn sie mit Vorurteilen konfrontiert wurden

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Frauen sind nicht per se schlechter in Mathe - sie werden schlechter gemacht
Leistungsbremse Vorurteil: Werden Frauen mit dem Klischee konfrontiert, dass sie ohnehin schlechter in Mathe sind, dann erfüllen sie das Vorurteil prompt. Denn sie schneiden dann in Mathematik-Tests messbar schlechter ab als unter neutralen Voraussetzungen. Trotzdem glauben sowohl Frauen als auch Männer fälschlicherweise daran, dass Frauen diese Hürden überwinden und durch die Klischees sogar noch zu besseren Leistungen angestachelt werden, wie eine Studie nun enthüllt.

Rollenklischees gibt es zuhauf - und die meisten von ihnen sind schlicht falsch. So sind Frauen keineswegs begabter im Multitasking, wie Studien zeigen. Auch ihre größere Gesprächigkeit stimmt nur zum Teil. Besonders hartnäckig hält sich auch das Vorurteil, Frauen seien per se weniger begabt in Mathematik, Physik und Technik. Das solche negativen Annahmen oft erst das hervorrufen, was sie besagen, zeigte sich schon vor einigen Jahren. Kathrin Boucher von der Indiana University und ihre Kollegen haben nun genauer überprüft, wie sich die Vorurteile auf die mathematischen Leistungen von Frauen auswirken - und ob sich Männer und Frauen dieser Auswirkungen bewusst sind.

Briefcase

Wahnsinnige Erkenntnis: Babys empfinden Schmerzen - und sogar noch stärker als Erwachsene

Erstmals konnte nachgewiesen werden, wie Babyhirne Schmerz verarbeiten.
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Babys empfinden Schmerzen wie Erwachsene, sogar etwas stärker, zeigte jetzt eine erstmalige Studie an der Universität Oxford. Zehn einwöchige Babys und zehn Erwachsene wurden dabei in einem Magnetresonanz-Tomografen beobachtet. Die Babys schliefen dabei ein, weil eine so junge Zielgruppe ausgewählt wurde. Ihre Fußsohlen wurden dabei gepiekst, "vergleichbar mit einem Bleistift", erklärten die Studienautoren. "Sie wachten davon nicht einmal auf", betonten sie.

18 von 20 Hirnregionen, die bei Erwachsenen durch das Schmerzgefühl aktiviert wurden, arbeiteten auch bei den Babys. Die Kleinen reagierten auf eine schwache Stimulierung so wie Erwachsene bei einem vier Mal stärkeren Stoß. Das deutet darauf hin, dass Babys nicht nur Schmerzen gleich empfinden wie Erwachsene, sondern dass sie eine niedrigere Schmerzgrenze haben.

Kommentar: Eigentlich sollten die Wissenschaftler für diese Erkenntnis den Nobel-Preis bekommen...