© William Rafti of the William Rafti Institute
Tabak-Blüte und Knospen
Die Wissenschaft ist nicht immer eine neutrale, desinteressierte Suche nach Wissen, obwohl das für einen Außenstehenden oftmals so aussehen mag.

Rauchen und Gesundheit sind Gegenstand von Auseinandersetzungen gewesen, seit Tabak im 16. Jahrhundert in Europa eingeführt wurde. Der englische König James I war einer der Pioniere der Antiraucher-Bewegung. 1604 deklarierte er, dass rauchen „ein hassenswerter Brauch ist, hässlich für die Nase, schädlich für das Gehirn, gefährlich für die Lunge, und dessen schwarzen, stinkigen Rauch man wohl am ehesten mit dem horrenden stygischen Rauch im Innersten der Hölle vergleichen kann.“ Doch wie viele Politiker seither beschloss er, dass Tabak zu besteuern schlauer war, als ihn zu verbannen.

Doch am Ende des Jahrhunderts hatte sich die öffentliche Meinung dazu verändert. Das Royal College of Physicians of London (Ärztegesellschaft von London) unterstützte das Rauchen wegen den Vorteilen für die Gesundheit und gab Empfehlungen heraus, welche Marken am besten seien. Rauchen war in den Schulen obligatorisch. Ein Schüler aus Eton (einer Eliteschule in England) erinnerte sich später „dass er niemals in seinem ganzen Leben derartig verprügelt worden sei, als er eines Morgens vergaß, zu rauchen.“ Bis 1942 empfahl Price’s Textbook of Medicine Rauchen als eine Therapie für Asthma.

Diese strengen Auffassungen für oder wieder das Rauchen wurden weder im einen Fall noch im anderen durch Fakten unterstützt, bis 1950 Richard Doll und Bradford Hill aufzeigten, dass Raucher scheinbar eher Lungenkrebs entwickelten. Damit startete die Kampagne, das Rauchen einzuschränken. Doch Sir Ronald Fisher, vielleicht der eminenteste Statistiker des 20. Jahrhunderts, bemerkte bizarre Anomalien in ihren Resultaten. Doll und Hill hatten ihre Probanden gefragt, ob sie den Rauch inhalierten. Fisher zeigte nach, dass Männer, die den Rauch inhalierten ein statistisch signifikant niedrigeres Risiko aufwiesen, an Lungenkrebs zu erkranken, als diejenigen, die den Rauch nicht inhalierten. Wie Fisher bemerkte: „Sogar dieselbe Erkrankungsrate wäre das Ende dieser Theorie, dass Rauchen Lungenkrebs erzeugt.“

Doll und Hill entschlossen sich, ihre Pilotstudie mit einer sehr viel größeren und längeren Studie zu ergänzen. Britische Ärzte wurden als Probanden rekrutiert. 40000 davon gaben ihr Einverständnis, 20000 weigerten sich, daran teilzunehmen. Die relative Gesundheit von Rauchern, Nichtrauchern und speziell Ex-Rauchern sollten über die Jahre hinweg miteinander verglichen werden. In dieser Studie würden die Probanden nicht mehr gefragt werden, ob sie inhalierten oder nicht, trotz der vorangegangenen Resultate. Fisher bemerkte dazu: „Ich denke, dass das Thema des Inhalierens für die Forscher geschmacklos geworden ist, und sie wollten übers Inhalieren möglichst wenig erfahren“. Und weiter: „Wäre es für diese Forscher nicht angebracht gewesen, der ganzen Welt nicht nur zu erklären, dass sie die Ursache für Lungenkrebs gefunden haben, sondern auch, dass sie das Mittel, diesen zu verhindern, gefunden haben, nämlich den Rauch zu inhalieren? Wie kommt es, dass das MRC (Medical Research Council) es übers Herz brachte, diese Information Tausenden von Menschen vorzuenthalten, die sonst an Lungenkrebs erkranken würden?“

Fünf Jahre später, 1964, antworteten Doll und Hill auf diese verdammende Kritik. Sie gaben keinerlei Erklärung dazu, warum sie die Frage über die Inhaliergewohnheiten der Raucher zurückgezogen hatten. Stattdessen beklagten sie den Umstand, dass Fisher ihre neuesten Daten nicht analysiert hatte; doch sie waren mit ihm einig, dass die Resultate etwas mysteriös waren. Fisher war 2 Jahre davor gestorben und konnte ihnen keine Antwort darauf geben.

Diese Weigerung, widersprüchliche Fakten zu berücksichtigen, steht im Widerspruch zur Wissenschaftlichen Methode. Diese Weigerung ist das Kennzeichen für 50 Jahre Antiraucher-Propaganda, und kann ohne zu übertreiben als einer der größten wissenschaftlichen Skandale der letzten 500 Jahre bezeichnet werden.

Ein typisches Beispiel für diese Täuschung wurde im selben Jahr vom amerikanischen Surgeon General (dem Vorsteher des Amtes für Öffentliche Gesundheit) publiziert. Der Titel lautete: „Rauchen und Gesundheit“, der Beginn von einer ganzen Reiche von Veröffentlichungen über Rauchen und Gesundheit, die sein Amt in den nächsten 40 Jahren herausgeben würde. Darin wurde erklärt, dass die Studie von Doll und Hill „... keinerlei Unterschied im Verhältnis derjenigen Männer und Frauen finden konnte (im Vergleich zu der Kontrollgruppe), die den Rauch inhalierten, oder nicht.“ Fisher hatte aufgezeigt, dass das inkorrekt war. Fishers Beurteilung der Resultate und seine Kritik wurden einfach verschwiegen, nicht einmal widerlegt. Unpassende Resultate werden nicht einfach beurteilt und dann verworfen, sie hören einfach auf, zu existieren.

Die Arbeit von Doll und Hill wurde über die nächsten 50 Jahre weitergeführt. Die Frage über die Inhaliergewohnheit wurde wieder eingeführt. Die Resultate zeigten wiederum das gleiche Paradoxon zwischen Rauchern, die inhalierten, und denen, die nicht inhalierten. Trotz diesem Mangel wurde ihre Arbeit zum Grundpfeiler der modernen Antiraucher-Bewegung: Mängel sind irrelevant, solange sie von denen, die die Daten beurteilen sollen, einfach ignoriert werden.

Doch ihre Arbeit hatte eine noch sehr viel ernstere und lähmendere Konsequenz.

Von Anfang an war bekannt, dass die Studie über die britischen Ärzte unter einer entscheidenden Schwäche litt. Die Probanden wurden von den Untersuchern nicht zufällig verteilt ausgewählt, sondern hatten sich selber dafür entschlossen, ob sie nun Raucher, Nichtraucher oder Ex-Raucher waren. Diese Art von Fehler, die aus einer derartigen Auswahl von nicht-zufälligen Probanden entstehen kann, wurde während der Wahl des amerikanischen Präsidenten 1948 offensichtlich. Meinungsumfragen ergaben, dass Dewey mit einem Erdrutschsieg den amtierenden Präsidenten schlagen würde. Doch Truman gewann. In einer berühmt gewordenen Photographie hält er eine Zeitung, die Dewey bereits als den Gewinner der Wahl erklärt hatte. Die Meinungsforscher hatten den Fehler begangen, die Umfrage per Telefon zu machen, was zu jener Zeit bedeutete, dass sich nur wohlhabendere Personen in dieser Zielgruppe befanden. Es scheint so zu sein, dass die Mehrzahl der Telefonbesitzer Dewey unterstützten; doch diejenigen ohne Telefon taten dies nicht. Die Meinungsforscher hatten es versäumt, eine repräsentative Auswahl der Bevölkerung zu befragen.

Die neuere Studie von Doll und Hill litt unter ähnlichen Mängeln. Raucher, die zu Nichtrauchern wurden taten dies vielleicht, weil sie krank waren und sie sich erhofften, dadurch ihre Gesundheit zu verbessern. Oder sie waren außergewöhnlich gesund und erhofften sich, so zu bleiben. Das Rauchen aufzugeben kann somit sowohl als schädlich, als auch günstig erscheinen. Um diese Mängel zu vermeiden, wurde eine weitere Studie, die Whitehall-Studie, in Angriff genommen.

1968 wurden 1400 britische Beamte, alles Raucher, in zwei vergleichbare Gruppen eingeteilt. Die Hälfte davon wurde ermutigt und beraten, das Rauchen aufzugeben. Dies war die Testgruppe. Die anderen, die Kontrollgruppe, wurde sich selber überlassen. Während 10 Jahren wurden beide Gruppen in Bezug auf ihre Gesundheit und Rauchgewohnheiten beobachtet.

Solch eine Studie wird als randomisierte, kontrollierte Interventionsstudie bezeichnet. Diese ist zunehmend zum Maßstab, zum „Goldstandard“ in medizinischen Untersuchungen geworden. Man kann irgendeine Auflage von The Lancet oder British Medical Journal aufmachen, um solch eine Studie zu finden, die versucht, den Nutzen oder Schaden einer Therapie zu ergründen. Solche Studien sind grundsätzlich verschieden zu derjenigen, die Doll und Hill durchführten. Die Ironie liegt darin, dass Hill ein einflussreiches und weitverbreitetes Lehrbuch publiziert hatte, in dem er den relativen Nutzen von kontrollierten versus unkontrollierten Studien erwägt. Sein Lob gilt ganz den ersteren. Er äußert sich besonders kritisch den unkontrollierten Studien gegenüber: Solche Studien sind „zweitklassig“ oder „minderwertig“. „Die selben Einwände müssen zu Studien über eine Therapie gemacht werden, in denen Freiwillige sich melden, im Gegensatz zu Probanden die ausgewählt werden, oder solchen, die sich im Alltag für die Teilnahme entscheiden, oder diese verweigern. Es gibt keinerlei Möglichkeit, zu entscheiden, ob diese beiden Gruppen sich ähnlich sind. Es liegt gänzlich am Forscher zu beweisen, dass diese Gruppen vergleichbar sind, bevor ihre Resultate akzeptiert werden können.“ Diese Kritik von Hill kann genau auf die Studie von Doll und Hill angewendet werden. Gemäß den eigenen Kriterien von Hill kann sein Werk mit Doll nur als „zweitklassig“ und “minderwertig“ bezeichnet werden. Es sollte an Anderen liegen, sachgemäße kontrollierte Studien durchzuführen.

Nun, was waren die Resultate der Whitehall-Studie? Sie wiedersprach allen Erwartungen. Die Gruppe derjenigen, die das Rauchen aufgaben, zeigte keinerlei verbesserte Lebenserwartung, noch eine niedrigere Todesrate von Herzkrankheiten, Lungenkrebs, oder anderen Todesursachen, mit einer einzigen Ausnahme: gewisse andere Krebsraten waren mehr als doppelt so häufig in der Gruppe, die das Rauchen aufgegeben hatte. Sogar nach einer Beobachtungszeit von 20 Jahren war die Lebenserwartung derjenigen, die das Rauchen aufgegeben hatten, unverändert.

Während dem nächsten Jahrzehnt erschienen Resultate von ähnlichen Studien. Es wurde argumentiert, dass erwartet werden kann, wenn die Verbesserung von einem positiven Lifestyle-Faktors nützlich ist, die Verbesserung von mehreren Faktoren - z. B. Rauchen, Essgewohnheiten und Sport - noch bessere Resultate ergeben sollten. Und somit erschienen die Resultate der lächerlicherweise benannten Studie MRFIT - Multiple Risk Factor Intervention Trial - die 12886 Probanden aus den USA umfasste. Ebenso nahmen in Europa 60881 Probanden aus vier Ländern in einer WHO-Studie teil. Dabei handelte es sich um sehr teure, weitreichende und zeitraubende Experimente. Alles in Allem gab es 6 derartige Studien mit einer Gesamtzahl von über 100000 Probanden, die im Schnitt während 7,4 Jahren beobachtet wurden, das heißt, insgesamt fast 800000 Probandenjahre. Die Resultate waren alle die gleichen: das Rauchen aufzugeben, sogar zusammen mit verbesserten Nahrungsgewohnheiten und mehr Sport, führte nicht zu einer verbesserten Lebenserwartung. Auch fanden sich keine Veränderungen der Todesrate für Herzkrankheiten oder Krebs. Ein Jahrzehnt von teurer und langwieriger Forschung hatte ziemlich unerwartete Resultate ergeben.

Während derselben Periode hatte der Surgeon General in den USA eine Anzahl von Publikationen über Rauchen und Gesundheit herausgegeben. 1982, vor Veröffentlichung der Endresultate der Whitehall-Studie, lobte der damalige Surgeon General C. Everett Koop die Studie als eine, die „positive Konsequenzen des Rauchens auf positive Weise“ darstellte. Danach schwieg er während fast 10 Jahren zum diesem Thema, und die Whitehall-Studie und die anderen sechs ähnlichen Studien wurden nicht mehr weiter erwähnt, obwohl Tausende von Seiten über die Gefahren von Rauchen von seinem Amt veröffentlicht wurden. Zum Beispiel erschien 1989 die Publikation mit dem Titel „Die Verminderung der Gesundheitsgefahren des Rauchens: 25 Jahre Fortschritt“. Dieses voluminöse Werk beinhaltet jede Menge von guten Ratschlägen über die Vorteile des Einstellen des Rauchens, aber sehr wenig Information über diejenigen Studien, die die Beurteilung dieser Ratschläge ermöglichen würden: Man wird erfolglos die Tausenden von Referenzen von medizinischen Publikationen durchforsten ohne auch nur eine Erwähnung der Whitehall-Studie, oder der anderen 6 Interventionsstudien, zu finden. Nur die MRFIT-Studie ist erwähnt, und ist falsch zitiert:
Die MRFIT-Studie zeigt, dass Rauchgewohnheit und Zahl der Zigaretten, die pro Tag geraucht werden, starke Indikatoren für die Gesamtmortalität und der Erkrankung der Herzkranzgefässen, Schlaganfall, Krebs und Lungenemphysem geblieben sind. In der Studienpopulation gab es eine geschätzte Zahl von 2249 (29%) zusätzlicher Todesfälle, die dem Rauchen zugeordnet werden können, von denen 35% von Herzerkrankungen und 21% von Lungenkrebs stammten. Die Nichtrauchergruppe hatte 30% weniger Krebserkrankungen als die Raucher nach 6 Jahren Beobachtungszeit.
Das war inkorrekt, wie der Surgeon General später zugeben musste.

Was die MRFIT-Autoren selber zu ihrer Studie zu sagen hatten, war sehr verschieden:
„Zusammenfassend haben wir gezeigt, dass es möglich ist, intensive langfristige Interventionsprogramme in Bezug auf drei koronare Risikofaktoren erfolgreich anzuwenden, damit diese Risikofaktoren verbessert werden. Die Gesamtresultate zeigen jedoch keinerlei günstigen Effekt auf kardiovaskuläre oder Gesamtmortalität aus dieser multifaktor-Interventionsstudie.“ (Multiple Risk Factor Intervention Trial Research Group, 1982)

Doch im Jahre 1990 publizierte der Surgeon General „Die Gesundheitsvorteile der Rauchentwöhnung“ und schlussendlich wurden die Dinge beim Namen genannt. Die Whitehall-Studie wurde wegen ihrer „geringen Probandenzahl“ abgelehnt. Eine einst lobenswerte Studie wurde nun als nutzlos abgetan. Die Resultate der MRFIT-Studie wurden wohl erwähnt, diesmal aber wahrheitsgemäss: „Es gab keinerlei Veränderungen in der Gesamtmortalität zwischen denjenigen, die das Rauchen aufgaben und denjenigen, die sich selber überlassen wurden.“ Diese und andere Studien wurden unbeachtet gelassen, weil die kombinierten Veränderungen bei anderen Risikofaktoren - z. B. Diät und Sport - es unmöglich machten, den Einfluss des Rauchens alleine zu quantifizieren. Das ist absurd und unlogisch. Wenn man zum Beispiel eine 10%ige Verbesserung der Lebenserwartung gefunden hätte, dann wäre es tatsächlich schwierig oder gar unmöglich gewesen herauszufinden, welchen Anteil das Rauchen dazu beitrug. Aber es gab keine Verbesserung. Es gab nichts zu quantifizieren. Nichtsdestotrotz, mit solch irreführenden Worten äußerte sich der Surgeon General zu einer unveröffentlichten, nicht-verifizierten, unkontrollierten, nicht-interventionellen und nicht-randomisierten Studie der Amerikanischen Krebsgesellschaft ("American Cancer Society: Unpublished tabulations“). Der Goldstandard der modernen Wissenschaft wurde verworfen und durch minderwertige Arbeit ersetzt, die kaum besser ist als Meinung oder Klatsch.

Diese Negierung von konsistenten Resultaten aus kontrollierten Studien und die Akzeptanz von sehr viel minderwertigeren Daten wäre wohl kaum in einer anderen Sparte der medizinischen Wissenschaften toleriert worden. Jeder der solch einen Vorschlag macht, würde sich der Lächerlichkeit aussetzen und man würde mit Recht seinen Geisteszustand in Frage stellen. Doch im Falle von Rauchen und Gesundheit scheint das die Norm zu sein und wird ohne Kommentar durchgelassen.

Im selben Jahr erschien in Australien eine ähnliche Publikation "The Quantification of Drug Caused (sic) Mortality and Morbidity in Australia" durch das Bundesgesundheitsamt (Federal Department of Community Services and Health). Dessen Autoren verschwenden keine Zeit damit, die Interventionsstudien zu diskutieren. Diese sind nicht einmal erwähnt, sie werden nicht einmal verworfen. Stattdessen wenden sich die Autoren mehreren Umfragen zu, die denjenigen, die der Surgeon General publiziert hatte, stark ähnlich sind. Im Besonderen nennen sie eine andere Studie der American Cancer Society von E.C. Hammond, eine gigantische Studie mit einer Million Teilnehmer, und wiederum handelt es sich hier um eine unkontrollierte, nicht-randomisierte, nicht-interventionelle Studie. Dies war eine besonders schlechte Wahl. Die Gefahren von sehr großen Umfragen sind Statistikern wohl bekannt: wegen ihrer Größe ist es sehr schwierig, sie akkurat durchzuführen. Als die vorläufigen Resultate von Hammonds Arbeit 1954 veröffentlicht wurden, wiesen einige auf dessen Schwächen hin. Hammond selber gab später zu, dass seine Studie nicht so durchgeführt worden war, wie er initial geplant hatte und als Konsequnz davon sind seine Resultate in einem unbekannten Masse fehlerhaft. Aber es kommt noch schlimmer. Seine Arbeit wurde buchstäblich ein Lehrstück davon, wie Forschung nicht betrieben werden sollte. Man findet diese Arbeit als Beispiele 287 im Buch Statistics A New Approach von W.A. Wallis und H.V. Roberts. Das war das schmachvolle und unrühmliche Schicksal einer Arbeit, die lediglich als heilsames Beispiel der Fallgruben dienen sollte, die Forscher antreffen können.

Zwei Probleme liegen sowohl Hammonds Arbeit, wie auch anderen ähnlichen Studien zugrunde.

Erstens, erzählten Freiwillige, die Partizipanten für die Studie von Hammond rekrutierten, das sie - entgegen seinen Anweisungen - speziell kranke Raucher anvisiert hatten. Er war in der Lage, diese Resultate heraus zu filtrieren, doch muss ein unbekannter Anteil der Schlussresultate trotzdem suspekt bleiben. Zweitens, wie zu jener Zeit gezeigt wurde, waren seine Probanden in mehrerer Hinsicht in Bezug auf die Gesamtbevölkerung nicht repräsentativ. Insbesondere gab es relativ wenige Raucher. Es scheint plausibel zu sein, dass viele gesunde, aber verärgerte Raucher sich weigerten, an dieser Studie teilzunehmen, und dies würde solch eine Aberration nach sich ziehen. Diese zwei beeinträchtigenden Defekte sind genau der Grund dafür, dass weitgehende Studien mit Goldstandard gefordert werden.

Doch die Weiterführung der Arbeit von Hammond mit seiner nachweislich fehlerhaften Methodologie, wurden von den australischen Autoren verwendet, um den Schluss zu ziehen, dass Rauchen pro Jahr 17800 zusätzliche Todesfälle hervorrufen. Diese Behauptung sollte mit den Resultaten einer Untersuchung durch das australische statistische Amt 1991, bei der 22200 Haushalte randomisiert befragt wurden. Dabei zeigte sich, dass „chronische Zustände“, wie Krebs und Herzkrankheiten, bei Nichtrauchern häufiger auftritt als bei Rauchern.

Sogar wenn sie adäquate Daten für die Berechnung der Todesfälle verwendet hätten, sie hätten immer noch nicht nachweisen können, dass Rauchen insgesamt schädlich ist oder vermehrte Todesfälle produziert. Antibiotika töten gewisse Individuen, zum Beispiel durch Allergien, doch dieser Umstand heißt nicht, dass Antibiotika die Lebenserwartung vermindern. Wenn man die Daten, die die Autoren verwenden, etwas genauer anschaut, kann man in Wirklichkeit nachweisen, dass das mittlere Todesalter von rauchbedingten Ursachen (z. B. Lungenkrebs) etwa ein Jahr höher liegt als dasjenige von nicht-rauchbedingten Ursachen (z. B. Tetanus). Siehe http://members.iinet.net.au/~ray/finch2.pdf für weitere Details. Dieses Resultat zeigt nicht unbedingt auf, dass Raucher länger leben als Nichtraucher: Raucher, als auch Nichtraucher, sterben sowohl von rauchbedingten, wie auch von nicht-rauchbedingten Ursachen. Aber es ist keineswegs Hinweis für den Glauben darauf, dass Rauchen die Lebenserwartung vermindert.

Während all dieser Zeit haben die Gesundheitsbehörden wiederholt und beharrlich die Öffentlichkeit belogen. Man betrachte nur eines von vielen Beispielen. Im Juni 1988 erklärte das Gesundheitsdepartment von Westaustralien in einem ganzseitigen Inserat: „Die Statistiken sind schreckenserregend. Rauchen tötet in Westaustralien pro Jahr mindestens 700 Frauen. Wenn der derzeitige Trend weiterläuft, wird Lungenkrebs bald Brustkrebs als die häufigste Krebsart überholen“. Was schreckerregend darin war, war nicht die Statistik, sondern die Tatsache, dass ein Gesundheitsdepartment darüber lügen würde. 1987 teilte das selbe Departement in einer eigenen Publikation mit: „Hinweise von gewissen Kommentatoren, dass Lungenkrebs-Todesfälle bei Frauen in den nächsten Jahren Brustkrebs als häufigste Krebstodesursache ablösen könnte, sind kaum realistisch ... die Todesraten für Lungenkrebs bei Frauen ist in den letzten 2 Jahren gesunken.“ Es war vorausgesagt worden, dass Brustkrebs bei weitem Lungenkrebs in den nächsten 14 Jahre übertreffen würde. Das ist klassische Orwell'sche Doppelsprache. Der Öffentlichkeit wird aufgetischt, was George Orwell in seinem Werk „1984“ als „Proletenfutter“ bezeichnet - Lügen. Orwell muss wohl in seinem Garbe etwas trocken gelächelt haben.

In erster Linie gibt es die wiederholte und weltumspannende Direktive, dass Raucher sich das Rauchen abgewöhnen sollten, um länger zu leben -- obwohl jede kontrollierte Studie ohne Ausnahme das als falsch erwiesen hat.

Gibt es Aussagen, die man mit Gewissheit über die Lebenserwartung von Rauchern und Nichtrauchern machen kann? Die Daten zeigen kaum Unterschiede. Eine wichtige Tatsache schafft oft Verwirrung: eine Substanz kann gleichzeitig eine bestimmte Todesursache sein und trotzdem mit Langlebigkeit assoziiert sein. Rauchen könnte wohl eine wichtige Ursache von Lungenkrebs sein, oder gleichzeitig sogar die einzige Ursache, die mit Langlebigkeit assoziiert ist. Die Japaner sind die schwersten Raucher der Welt - sie leben auch am längsten. Die Französin Jeanne Calment rauchte während 100 Jahren, bevor sie mit 122 Jahren als die älteste Person der Welt starb.

Die Auflösung dieses Paradoxons liegt in der Tatsache begraben, dass die meisten Substanzen sowohl einen günstigen, als auch eine schädlichen Effekt auf die Gesundheit und die Lebenserwartung haben, und es ist der Nettoeffekt, der von herausragender Bedeutung ist. Diese einfache, aber wesentliche Tatsache wird in der medizinischen Forschung weitgehend vergessen oder ignoriert. Gemäß einer Zeitungsmeldung verursacht Kaffee Pankreaskrebs. Vielleicht stimmt das auch, aber wenn Kaffee auch einen weiterreichenden günstigen Einfluss auf Herzerkrankungen aufweist, kann es sehr wohl sein, dass Kaffeetrinker länger leben, als diejenigen, die keinen trinken. Hormontherapie mag wohl gewisse Krebsarten fördern, und kann trotzdem insgesamt einen positiven Effekt aufweisen. (Siehe: „Die Kontrapunktisten“ weiter unten).

Wir hoffen, dass mittlerweile ersichtlich geworden ist, warum die Allgemeinheit Rauchen als dermaßen schädlich auffasst. Es gibt drei Gründe dafür:

Erstens werden Studien genannt, die an anderer Stelle als zweitklassig und minderwertig abgelehnt worden wären, die jedoch von der Antiraucherbewegung als erstklassig verkauft werden. Zweitens, werden Studien, die den orthodoxen und rigorosen Regeln folgen, die aber die Idee, dass Rauchen schädlich ist, nicht einfach nur ignoriert sondern gar unterdrückt. Und drittens haben die Behörden, die von rechtswegen die Wahrheit repräsentieren sollten, nicht nur Unwahrheiten, sondern gerade dessen Umkehrung präsentiert.

Man kann behaupten, dass das neuer Wein aus alten Schläuchen ist. Und wen interessiert das Rauchen schon. Doch das Rauchen ist in Tat und Wahrheit das sekundäre Problem. Wird der Prozess der Wissenschaft missbraucht, sogar aus vordergründig guten Gründen, werden die Wissenschaft und deren Praktiker degradiert.
Die Kontrapunktisten

Eine Parabel

von P.D. Finch

In nicht allzu ferner Zeit wird ein Nebenprodukt der genetischen Forschung zur Entdeckung führen, dass gewisse lebendige, vibrierende Kristalle sehr billig hergestellt werden können. Wenn diese dann in eine entsprechende Halterung eingebaut werden und in ein Ohr eingeführt werden, hört man kristall-klare, wunderbare Musik, Rhythmen und faszinierende Kontrapunkte, jedoch nur für wenige Minuten, bis die Hitze des Körpers diese Kristalle vernichtet hat. Sie werden als akustische kontrapunktive Geräte vermarktet. Da sie billig sind und sehr schnell populär werden, beginnt die Regierung Steuern auf ihnen zu erheben. Verwender dieser Geräte bekommen den Namen „Kontrapunktisten“.

Einige Jahre später wird eine neue Krankheit entdeckt, als eine zunehmende Zahl von Menschen plötzlich tot umfallen, ohne ersichtlichen Grund. Autopsien zeigen eine seltsame Verformung in den Gehirnzellen der so betroffenen. Ein achtsamer Pathologe bemerkt, dass in der Mehrzahl der damit verbundenen Autopsien ein akustisches kontrapunktives Gerät im Ohr des Verstorbenen gefunden werden konnte. Diese Krankheit wird als SADS bezeichnet (Sudden Aural Death Syndrome). Epidemiologen finden heraus, dass Menschen die dieses Gerät nicht brauchen, nur sehr selten Opfer von SADS werden und dass tatsächlich etwa 98% all dieser Todesfälle entweder frühere oder jetzige Kontrapunktisten sind. Die Stärke der Assoziation zwischen akustischem Kontrapunktismus und SADS ist unanfechtbar, das relative Risiko liegt über 50%, das heißt, ein Kontrapunktist hat eine 50-faches Risiko an SADS zu erkranken als ein Nicht-Kontrapunktist.

Eine antikontrapunktive Gesundheitsbewegung wird lanciert und kontrapunktive Geräte werden mehr und mehr besteuert, um die Menschen davon abzuhalten, solche Geräte zu verwenden. Die Kampagne ist außerordentlich erfolgreich und wird energisch von einer unerwarteten Allianz zwischen Tierschützern, der Musikindustrie und den Taubstummen unterstützt. Die Aufmerksamkeit richtet sich nun zunehmend auf den passiven akustischen Kontrapunktismus, das heißt auf die Gefahr durch das Übertragen von Muskfragmenten aus dem Ohr der Kontrapunktisten, vor allem auf nicht-kontrapunktive Ehefrauen von Kontrapunktisten, die Gefahr des Kontrapunktismus für die Kinder von kontrapunktiven Ehepaaren, und die Schädigung des Fötus von kontrapunktiven Schwangeren.

Nach großen anfänglichen Erfolgen beginnt die Kampagne aber langsam einzuschlafen, als bekannt wird, dass trotz der Tatsache, dass Kontrapunktismus dermaßen stark mit SADS assoziiert ist, relativ wenige Kontrapunktisten jedes Jahr davon sterben. Und diejenigen, die Überleben, sterben im Schnitt ein Jahr später als Nicht-Kontrapunktisten, und darüber hinaus ist das Risiko, in jeder Altersgruppe, dass sie an etwas anderem sterben, weitaus höher. Die Politiker realisieren sehr schnell, das sie nun, mit einem reinen Gewissen und mit Profit die akustischen kontrapunktiven Geräte noch mehr besteuern können.
Quellenangaben:

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3 Lyte, H.C.M. (1899), "A History of Eton College 1440-1898", Macmillan

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6 Fisher, R.A. (1959) "Smoking: The Cancer Controversy", Oliver and Boyd

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11 Hill, A.B.(1971, 9th ed.) "Principles of Medical Statistics", The Lancet

12 Rose, G., P.J.S. Hamilton, L. Colwell and M.J. Shipley (1982), 'A randomised controlled trial of anti-smoking advice: 10-year results', Journal of Epidemiology and Community Health, 36, pages 102-108

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20 Surgeon General (1989) "Reducing the Health Consequences of Smoking: 25 Years of Progress: A Report of the Surgeon General: Executive Summary and Full Report"

21 Surgeon General (1990) "The Health Benefits of Smoking Cessation: A Report of the Surgeon General"

22 Commonwealth Department of Community Services and Health, Canberra (1988) "The Quantification of Drug Caused Morbidity and Mortality in Australia".

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24 "Smokers are less likely to have cancer, heart disease 1", Australian Bureau of Statistics, No 4382.0, "1989-90 National Health Survey: Smoking" http://members.iinet.net.au/~ray/19jun2006.htm

25 Australian Bureau of Statistics: "Smokers are less likely to have cancer, heart disease 2" http://members.iinet.net.au/~ray/ABS43820d.jpg

26 Two messages from the Western Australian Health Department

Subiaco Post, 28 June 1988: 12

Hatton, W.M. (1987), "Cancer Projections: Projections of numbers of incident cancers in Western Australia to the Year 2001", Perth: Epidemiology Branch, Health Department of Western Australia.

Hatton, W.M. and M.D. Clarke-Hundley (1987), "Cancer in Western Australia: an analysis of age and sex specific rates", Perth: Health Department of Western Australia.