Steirer bekommen Nachwirkungen der Dürre zu spüren. Bei welchen Kulturen die Vorräte jetzt zuneige gehen und woher Ware importiert wird.
Bild
© Rita Newman
Die steirischen Käferbohnenvorräte gehen zur Neige
In den nächsten Tagen ist's soweit. Dann sind - bis auf einige kleine Lager bei Direktvermarktern - sämtliche steirische Käferbohnen-Vorräte aufgebraucht. Ein halbes Jahr zu früh, weil die Dürre 2013 hierzulande fast für einen Totalausfall gesorgt hat. Ob im Gasthaus oder aus dem Supermarkt: den meisten Steirern werden in den nächsten Monaten Käferbohnen aus China aufgetischt. Bis November greift der größte steirische Käferbohnenvermarkter, Estyria aus Wollsdorf, auf Ware aus dem Land der Mitte zurück, kündigte Geschäftsführer Franz Seidl im ORF-Gespräch an. Nachsatz: Das werde aber auch so gekennzeichnet.

Während die Landwirtschaftskammer nun Bauern überzeugen will, hitzebeständige Bohnen anzubauen und die Anbaufläche auf 1000 Hektar zu verdoppeln, stellt sich die Frage, bei welchen weiteren Steirer-Produkten die Vorräte heuer dürrebedingt frühzeitig zuneige gehen.
Fakten

-2100 %: Die Kürbisanbaufläche lag 2013 um 2100 Hektar unterm Vorjahr, 2014 wird sie wieder stark steigen.

<-40 %: Beim Mais (wurde auf 70.812 ha angebaut) lagen die Hektar-Erträge fast 40 Prozent unterm Schnitt.

-38 %: Erdäpfel gehörten 2013 mit 38 Prozent weniger Ertrag zu den stark von Dürre betroffenen Kulturen.

-33 &: Bei Holunder fiel 2013 ein Drittel der Ernte aus - manche Betriebe hatten bis zu 65 Prozent Ausfall.

-25 %: Die steirische Apfelernte lag 2013 mit 130.000 Tonnen deutlich unterm Schnitt von 160.000 bis 180.000 Tonnen.

-50 %: Auf 300 Hektar wird in der Steiermark Kren angebaut. Bei den 80 Krenbauern gab's im Schnitt 50 Prozent Ertrags- ausfall, in Einzel- fällen sogar mehr.
Beim Kürbis sei keine Ölkrise zu erwarten, selbst wenn im Vorjahr die Anbaufläche um 2100 Hektar zurückging, versicherte zuletzt Franz Labugger, Obmann des Vereins Steirisches Kürbiskernöl g.g.A. Importe aus China seien nicht notwendig, weil man trotz geringerer Ernte auf Lagerware aus den letzten Jahren zurückgreifen könne.

Schwierig sieht's beim Holunder aus, wo im Vorjahr im Schnitt um ein Drittel weniger geerntet wurde. "Einzelne steirische Betriebe hatten sogar Ausfälle bis zu 80 Prozent", sagt Hannes Jöbstl von der Beerenobstgenossenschaft, dem größten Holundervermarkter Österreichs. Das Problem: Liefern die Steirer nicht die erforderlichen Mengen an die Großabnehmer aus der Lebensmittelfarbenindustrie (hier wird Holunder gern eingesetzt), kaufen die Firmen die Ware eben anderswo - etwa in Ungarn. "Wir hoffen, dass sich das mit einer guten Ernte 2014 ändert", so Jöbstl, "allerdings sind im Vorjahr auch viele Bäume und Triebe abgedorrt."

Kren-Ernte zum Weinen

Auch beim Kren gab's Ausfälle von 50 Prozent und mehr. Doch Großvermarkter Philipp Hörrlein versichert, dass für seine Marke "Steirerkren" genügend steirische Ware auf Lager sei. "Wo Steiermark draufsteht, muss Steiermark drin sein. Wir haben vorgesorgt und ab März beginnt ja wieder die Ernte." Einzig bei Produkten, die in den Export gehen (Marke "Lieblingskren"), greife man, wenn notwendig, auf andere Ware zurück.

Bei den Äpfeln fiel die Ernte um ein Viertel niedriger aus, leere Lager seien aber nicht zu befürchten, so Branchenexperte Anton Gangl. Immerhin wird in Normaljahren ja jeder zweite Apfel exportiert.

Bei der steirischen Ackerpflanze Nummer eins, dem Mais, gab's Ernteeinbußen von 40 Prozent. Großverarbeiter (Zitronensäureherstellung) greifen nun verstärkt auf Mais aus Osteuropa zurück.

Rinderbauern indes waren nach der Dürre zum Teil schon im Vorjahr gezwungen, Vieh zu verkaufen: weniger Futter, weniger Vieh.