Der Militärchef der Philippinen, General Emmanuel Bautista, beschuldigte heute Chinas Küstenwacht, mit einer Wasserkanone auf Fischer seines Landes geschossen zu haben. Wenn ich mich dieser Tage im Blätterwald umschaue, frage ich mich allerdings, was gefährlicher ist: Wasser als Waffe, oder die Abwesenheit von Wasser.

Kanadas US-Botschafter Gary Doer, warnte an diesem Montag, das Ahornland müsse sich auf “diplomatische Wasserkriege” mit dem Nachbarn USA vorbereiten. Der Grund: Auf beiden Seiten der Grenze wächst der Bedarf an Wasser rasant.

Auseinandersetzungen um das verfügbare Wasser dürften laut Doer weitaus ernster sein als die äußerst umstrittene Groß-Pipeline “Keystone XL”, die Öl von Albertas Ölsanden bis nach Texas befördern soll. Die Verzögerung bei der Genehmigung der Pipeline hat auf kanadischer Seite zu einer der umfangreichsten diplomatischen Kampagnen gegenüber den USA geführt.
Trockenheit, Dürre
© Aurelien Francisco Barros/ AFP/GETTY IMAGES
Eine Kuh in Quixada, Brasilien, steht im Januar auf einem ausgetrocknetem Feld. Eine anhaltende Hitzewelle in Brasilien verursacht eine schwerwiegende Dürre, was die Menschen in über 140 Städten dazu zwingt, ihr Wasser zu rationieren.
So weit das Auge des interessierten Zeitungslesers reicht, haben wir über den ganzen Globus verteilt derzeit immense Dürren, abgesehen vielleicht von Großbritannien, das an der Küste mehr Wasser abbekommt, als es verkraften kann. Von Südostasien über Lateinamerika bis hinein in die USA wird von extremer Wasser-Knappheit - vor allem Regen - berichtet.

Singapur erlebt die schlimmste Trockenheit seit Beginn der Wetter-Aufzeichnungen vor 50 Jahren. Der Inselstaat hängt ohnehin stark von Wasser-Importen aus dem Nachbarland Malaysia ab. Doch dort bereitet man sich derzeit selbst auf eine ausgemachte Wasserkrise vor. Im Klang-Valley rund um Kuala Lumpur sind bis zu zwei Millionen Menschen von einer starken Verknappung des Trinkwassers bedroht. Einzelne Bundesstaaten wie Johor haben mit einer Rationierung des Wassers begonnen. Selangor, der bevölkerungsreichste Staat, beginnt heute damit.

Brasiliens Nordosten registriert derweil die schlimmste Dürre in Jahrzehnten. In der Region sind wichtige Wasserkraftwerke, deren Ausfall die von den Schwellenmarkt-Turbulenzen, ausgezehrten Konsumenten und anhaltenden Protesten angeschlagene Wirtschaft zusätzlich ausbremsen könnte. Fast ein Drittel der Zuckerrohr-Ernte ist bereits ausgefallen, Mais, Baumwolle und Viehbestände sind betroffen. In manchen gegenden hat es seit zwei Jahren nicht geregnet. Landwirtschafts-Minister Eduardo Salles hat die Dürre mit einem “gewaltigen Erdbeben” verglichen. Im Nordosten des Landes fahren einige Wasserkraftwerke mit wenig mehr als 30% der Kapazität. Die Stromversorgung ist damit nicht mehr garantiert.

Und in Kalifornien zeichnet sich eine Verschlimmerung der größten Dürre seit 500 Jahren ab. In der Sierra Nevada wird zwar von Niederschlägen berichtet. Doch der “Golden State” bräuchte für die nächsten drei Monate das Dreifache des üblichen Niederschlags, um eine Wasser-Katastrophe abzuwenden.

Das vergangene Jahr war für Kalifornien eines der trockensten in der Geschichte. Dieser Winter war der trockenste in 500 Jahren. Der Großteil der Wasserversorgung wird über Schnee und Eis in den Bergen des Staates gewährleistet. Von dort aus werden die großen Reservoirs gefüllt. Schneit es im Winter nicht, fehlt im Sommer das Wasser. In den Bergen wird etwa ein Fünftel des Schnees gemessen, der sonst zu dieser Zeit des Jahres zu finden ist.