Gemälde «Dido erbaut Karthago»  William Turner
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Das Gemälde « Dido erbaut Karthago » des britischen Malers William Turner soll durch den Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora im April 1815 beeinflusst worden sein.
Warum wechselten frühe Landschaftsmaler innerhalb weniger Jahre von blassen zu prallen Farben? Die Analyse zeigt: Die Künstler dokumentierten Luftverschmutzungen.

Griechische Forscher unterzogen hunderte Werke aus der Zeit zwischen 1500 und 2000 einer genauen Farbanalyse, wie sie am Dienstag in der Fachzeitschrift Atmospheric Chemistry and Physics schrieben.

«Wir haben herausgefunden, dass die Proportion von Rot- und von Grüntönen in dem von grossen Meistern gemalten Abendlicht in Zusammenhang steht mit der Menge von vulkanischen Aerosolen in der Atmosphäre», erklärte Studienleiter Christos Zerefos.

Aschewolken prägten Kunst

Bei Vulkanausbrüchen werden grosse Mengen Aschepartikel und weitere Stoffe in die Atmosphäre geschleudert, die - fein verteilt - als vulkanische Aerosole bezeichnet werden und die ganze Erde umkreisen können. Solche Partikel lenken einen Teil der Sonnenstrahlen ab und verändern damit das Farbspektrum, welches das menschliche Gehirn über das Auge wahrnimmt - und das der Maler auf die Leinwand bringt.

«Die Art und Weise, wie das menschliche Gehirn die Grün- und Rottöne bei Sonnenuntergängen wahrnimmt, enthält wichtige Informationen über die Umwelt», erklärte Zerefos. Sonnenuntergänge etwa sind bei einer Verschmutzung der Luft besonders intensiv.

Auf Leinwand verewigt

So soll der in dem Gemälde «Dido erbaut Karthago» des britischen Malers William Turner (1775-1851) festgehaltene prächtige Sonnenuntergang durch den Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora im April 1815 beeinflusst worden sein. Bei dem Vulkanausbruch, bei dem rund 10'000 Menschen starben, wurde eine gewaltige Aschewolke in mehr als 40 Kilometer Höhe ausgestossen, die in der Folge dreimal die Erde umkreiste.

Ihre These testeten die Forscher anhand eines aktuellen Beispiels. Sie liessen einen griechischen Maler Sonnenuntergänge zeichnen, während und nachdem eine Staubwolke aus der Sahara die griechische Insel Hydra überquerte.

Erkenntnisse ohne Messinstrumente gewonnen

Der Maler wurde über das Vorbeiziehen der Staubwolke nicht informiert. Die Schätzwerte für den Anteil an Mini-Partikeln in der Luft, die sich aus der Farbanalyse der Bilder ergab, entsprach aber tatsächlich den Werten, die direkte Messungen der Luft ergaben.

Die Wissenschaftler sehen ihre Methode als Möglichkeit, Informationen zu Umweltphänomenen in der Atmosphäre «von Orten und aus Jahrhunderten» zu erhalten, in denen keine Messinstrumente verfügbar waren - in denen aber Gemälde gemalt wurden.