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Die Dürre sorgt bis rauf in die USA für Trockenheit, wie hier am Lake Mead in Nevada.
In Teilen Mittelamerikas warten die Bauern seit Wochen auf Regen. Die Schäden der Dürre gehen bereits in die Millionen, in einigen Regionen werden sogar die Lebensmittel knapp.

Die Familie von Petrona López aus Nicaragua hat die gesamte Ernte verloren. Jetzt ernähren sie sich von Wildpflanzen und den letzten Vorräten. «Wir haben uns schon mit anderen zusammengeschlossen, aber es reicht einfach nicht, um die Hungersnot zu bekämpfen», sagt die Bäuerin.

Während die Menschen in von Trockenheit geplagten Regionen der USA wie etwa Kalifornien nicht in ihrer Existenz bedroht sind, leidet Mittelamerika zurzeit unter der schwersten Dürre seit Jahrzehnten. In weiten Teilen der Region hat es seit Wochen nicht geregnet. Die Schäden in der Landwirtschaft gehen in die Millionen, zahlreiche Bauern sind in ihrer Existenz bedroht.

Guatemala rief wegen der Dürre bereits den Notstand aus. Rund 80 Prozent der Maisernte sind zerstört, das Landwirtschaftsministerium schätzt die Verluste auf 450 Millionen Quetzal (etwa 43 Millionen Euro). Etwa 500 000 Kinder unter fünf Jahren seien von Unterernährung bedroht, sagt der Staatssekretär für Ernährungssicherheit, Luis Enrique Monterroso. Jetzt bat das mittelamerikanische Land das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) um Hilfe.

Notreserven sind sehr begrenzt

«Das Problem ist, dass unsere Notreserven sehr begrenzt sind. In den vergangenen Jahren mussten wir bereits auf die Kaffeepilz-Seuche reagieren und 200 000 Familien in Guatemala, Honduras, El Salvador und Nicaragua unterstützen», sagt der Vertreter des Programms in Lateinamerika, Miguel Barreto.

In Nicaragua haben die Bauern fast 50 000 Tonnen Mais verloren, eine Million Rinder sind unterernährt, 2500 Stück Vieh bereits verdurstet. In Honduras wurden rund 45 000 Tonnen Mais zerstört. In El Salvador hat sich der Preis für ein Quintal (45,4 Kilogramm) Bohnen von 26 Dollar auf 110 Dollar (etwa 83 Euro) vervierfacht. Im Norden und Osten des Landes rechnen die Bauern mit Ernteverlusten von bis zu 90 Prozent.

«Die Dürre hat einen direkten Effekt auf die Familien. Der Mangel an Regen schadet den Pflanzungen, den Familien entgeht ihr Einkommen und sie können keine Vorräte für den Rest des Jahres anlegen», sagt der WFP-Vertreter in Nicaragua, Helmut Rauch. Zuletzt lieferte die Organisation 1400 Tonnen Lebensmittel in das ärmste Land der Region.

Schuld ist "El Niño"


Kommentar: Schuld sind die Psychopathen an der Spitze unserer Zivilisation, die mit ihrer immer extremeren Kriegstreiberei und dem internationalen selbst-erzeugten Terrorismus eine Gegenreaktion von Mutter Natur heraufbeschwören.


Schuld an der gegenwärtigen Dürre ist nach Einschätzung von Experten das Klimaphänomen «El Niño». Normalerweise dauert die Regenzeit in der Region von Mai bis November. Unterbrochen wird sie lediglich vom zwei- bis dreiwöchigen «Veranillo» im Juli.

Dieser «kleine Sommer» dauert jetzt im sogenannten Trockenkorridor im Zentrum und Westen Mittelamerikas bereits seit mehr als fünf Wochen an. «Gewächse wie Mais und Bohnen überstehen eine solche Trockenperiode nicht», sagt der Agrar-Ingenieur Eddie Mendoza vom guatemaltekischen Landwirtschaftsverband (Fasagua).

Die Kleinbauern, die vor allem für den eigenen Bedarf anbauen, verfügen zudem über keine Bewässerungssysteme auf ihren Feldern. Wenn es nicht regelmäßig regnet, gehen ihre Pflanzungen ein. «Die Regierung muss Staudämme und Kanäle bauen, sonst stehen wir bei der nächsten Dürre vor der gleichen Situation», fordert Mendoza.

Regierungsvertreter: "Bauern sollen sich anpassen"


Kommentar: Wie wäre es zur Abwechslung, wenn Bauern sagen würden, dass sich die Regierungen ändern sollen?


Um über eine längerfristige Strategie gegen die Versorgungskrise zu beraten, trafen sich zuletzt Regierungsvertreter der betroffenen Staaten und Experten in Managua, der Hauptstadt von Nicaragua. Manuel Jiménez vom Zentralamerikanischen Landwirtschaftsrat sagte, die Bauern der Region sollten genügsamere Sorten anbauen und die Saat- und Ernteperioden den neuen Gegebenheiten anpassen.

«Die Länder in der Region haben sich in den vergangenen Jahren zwar besser auf den Klimawandel eingestellt, aber es gibt noch immer viel zu tun», sagte Ana Ríos von der Interamerikanischen Entwicklungsbank (BID) kürzlich in einem Interview des Fernsehsenders CNN Latino. «Wir dürfen nicht länger nur auf diese extremen Ereignisse wie jetzt die Dürre reagieren, sondern müssen bereits vorsorglich tätig werden.» (dpa)