Am Samstag jährt sich das Attentat von Georg Elsner auf den Nazi-Diktator zum 75. Mal. Im April kommt ein Film in die Kinos.

Georg Elser -
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Georg Elser verübte am 8. November 1939 einen Anschlag auf Adolf Hitler. Der Plan schlug fehl.
München - Die Bombe ging 13 Minuten zu spät hoch. Deswegen entging Nazi-Diktator Adolf Hitler vor 75 Jahren - am 8. November 1939 - dem Anschlag im Münchner Bürgerbräukeller. Dort hatte der Schreinergeselle Johann Georg Elser nach monatelangen Vorbereitungen die Bombe versteckt. „Bei einem Erfolg des Attentats hätte Elser Weltgeschichte geschrieben“, hat der Historiker Hartmut Mehringer den Schwaben und Einzelkämpfer später gewürdigt. „Ein Erfolg wäre ein Glücksfall gewesen, denn dann wäre der Zweite Weltkrieg wahrscheinlich schnell zu Ende gewesen.“ Mit einer großen Gedenkveranstaltung wird an diesem Samstag in München an den mutigen Widerstandskämpfer erinnert.

Hitler hatte am Tag des Attentats - entgegen den Gewohnheiten der vorangegangenen Jahre - die Veranstaltung im Bürgerbräukeller vorzeitig verlassen, bei der regelmäßig an den Münchner November-Putsch der Nazis von 1923 erinnert wurde. Der Grund für Hitlers Eile: Wegen Nebels konnte er nicht nach Berlin zurückfliegen, stattdessen musste er einen Sonderzug nehmen. Der genau ausgetüftelte Plan von Elser lief damit ins Leere. Die Bombe mit Zeitzünder war in der Säule genau hinter dem Rednerpult angebracht. Die Wucht der Explosion riss die Säule auseinander, Decke und Galerie stürzten ein. Sieben Nazis und eine Kellnerin starben, 63 Personen wurden verletzt. Wo Hitler kurz zuvor gesprochen hatte, lagen meterhoch Trümmer.

30 Nächte lang die Säule ausgehöhlt

Bürgerbräukeller München, November 1939
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Der zerstörte Bürgerbräukeller
München, November 1939
Monatelang hatte Elser, der 1903 in dem kleinen Dorf Hermaringen bei Heidenheim (Baden-Württemberg) zur Welt gekommen war, den Anschlag vorbereitet. Zeitweise arbeitete er in einem Steinbruch und zweigte dort Sprengstoff ab. Und dann ließ er sich mehr als 30 Nächte heimlich in den Bürgerbräukeller einsperren, um die Säule auszuhöhlen. Den Bauschutt schaffte er in seiner Aktentasche fort. Bei seiner gefährlichen Arbeit musste der einfache Handwerker mit christlichem Hintergrund stets auf den Knien umherrutschen. Und so verrieten ihn denn auch seine wunden Knie, als er am Abend des 8. November 1939 am Grenzübergang Konstanz festgenommen wurde. Wenig später gestand er die Tat.

Elser war früh überzeugt, dass Hitler Krieg wollte. Das wollte der einfache Handwerker mit seiner seit dem Herbst 1938 geplanten Tat verhindern. Als Hitler noch während Elsers Vorbereitungen zu dem Attentat den Krieg anzettelte, wollte Elser mit seiner Tat wenigstens zu einem raschen Kriegsende beitragen. Bei den Verhören durch die Gestapo, bei denen er auch gefoltert wurde, bezeichnete sich Elser als Kommunist und Pazifist. „Ein Arbeiter muss euer Feind sein“, soll er tapfer erklärt haben. Die Nazis glaubten ihm erst, dass er wirklich ein Einzeltäter war, als er auf ihre Anweisung hin die Bombe noch einmal nachgebaut hatte.

Elser wurde zunächst als Sonderhäftling ins Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht, Anfang 1945 wurde er in das KZ Dachau bei München verlegt. Dort wurde er auf schriftlichen Befehl von SS- Reichsführer Heinrich Himmler am 9. April 1945 - kurz vor der Befreiung des KZ durch US-Truppen - von SS-Oberscharführer Theodor Bongartz durch einen Genickschuss ermordet.

„Eine gigantische technische Leistung“

Georg Elser
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Johann Georg Elser
„Wenn es unter den Deutschen im 20. Jahrhundert einen Einzelnen gab, der ein Held war, dann dieser einsame Schwabe“, schrieb der Schriftsteller Rolf Hochhuth einmal über den gescheiterten Attentäter. „Auch Elsers Vorausblick ist denkmalswürdig“, betonte Hochhuth. „Elser hat eine gigantische technische Leistung vollbracht“, befand der Historiker Mehringer. Vom moralischen Impetus her sah er Elser in einer Reihe mit den Verschwörern des 20. Juli 1944 um Claus Graf von Stauffenberg.

„Georg Elser ist lange Zeit ignoriert worden, er ist nach 1945 in der Öffentlichkeit nicht beachtet worden“, sagt der Historiker Dirk Riedel von der KZ-Gedenkstätte Dachau. Zum einen habe wohl noch die NS-Propaganda nachgewirkt, die Elser fälschlicherweise als Werkzeug des britischen Geheimdienstes dargestellt hatte. Zum anderen sei er für die Nachkriegsgesellschaft ein „unbequemer Widerstandskämpfer“ gewesen. Denn viele Zeitgenossen hätten nach Kriegsende immer wieder betont, sie hätten in der Nazi-Zeit vieles doch gar nicht wissen können. „Elser hat aber gezeigt, dass es durchaus die Möglichkeit gab, mehr zu wissen und Konsequenzen zu ziehen“, betont Riedel.

Erst ab den 1970er Jahren schenkten die Historiker Elsers Wirken stärkere Aufmerksamkeit. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er vor allem durch den Kinofilm bekannt, mit dem Klaus Maria Brandauer ihm 1989 ein Denkmal setzte. Im April kommt ein neuer Elser-Film in die Kinos, zu dem Fred Breinersdorfer und seine Tochter Léonie-Claire das Drehbuch geschrieben haben (Regie: Oliver Hirschbiegel).

„Georg Elser, seine Tat, sein Leben, sein Tod dürfen nicht vergessen werden“, sagte Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) im Vorfeld der Münchner Gedenkveranstaltung. „Das ist eine Verpflichtung unserer Gesellschaft.“