Die Lage an der israelisch-libanesischen Grenze eskaliert: Nach einem Angriff auf ein israelisches Militärfahrzeug feuert Israel zurück. Ein UN-Blauhelmsoldat stirbt im israelischen Beschuss.
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© Jim Hollander/DPAEinsatzbereit: Ein israelischer Panzer an der Grenze zum Libanon
Bei dem schwersten Zwischenfall an Israels Grenze zum Libanon seit fast einem Jahrzehnt ist ein UN-Blauhelmsoldat getötet worden.

Israels Armee feuerte mit Artillerie in das libanesische Grenzgebiet, nachdem ein israelisches Militärfahrzeug von einer Panzergranate getroffen worden war. Dabei gab es auf israelischer Seite mehrere Opfer, wie ein Armeesprecher bestätigte. Für Berichte über Tote auf israelischer Seite gab es zunächst keine offizielle Bestätigung. Zu dem Angriff bekannte sich die libanesische Hisbollah-Miliz.

Israels Armee reagierte auf die Attacke auf den Konvoi, indem sie Dutzende Geschosse auf libanesisches Gebiet abfeuerte. Dabei wurde ein UN-Blauhelmsoldat getötet, bestätigte UN-Sprecherin Andrea Tennet.

Skigebiet evakuiert

Militante Libanesen hätten auch israelische Militärstützpunkte nahe Har Dov und Hermon mit Mörserfeuer belegt, sagte Armeesprecher Peter Lerner. Das Skigebiet rund um den Berg Hermon im israelisch besetzten Teil der syrischen Golanhöhen wurde evakuiert. Israel reagierte wiederum mit Luftangriffen auf den Südlibanon.

Der israelische Rundfunk berichtete, es handele sich um den schlimmsten Vorfall seit dem Zweiten Libanonkrieg im Jahre 2006. Anwohner wurden aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben.

Die libanesische Hisbollah-Miliz teilte mit, es handele sich um Vergeltung für einen Luftangriff auf den syrischen Golanhöhen am 18. Januar. Bei dem Angriff, der Israel zugeschrieben wird, waren am 18. Januar ein iranischer General und mindestens sechs Hisbollah-Kämpfer getötet worden.

Netanjahu warnte davor, Israel herauszufordern

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warnte "jeden, der uns an der Nordgrenze herausfordern will". Er verwies dabei auf das israelische Vorgehen während des Gaza-Kriegs im vergangenen Sommer. "Die (radikalislamische) Hamas hat im letzten Sommer den härtesten Schlag seit ihrer Gründung erlitten und die israelische Armee ist darauf vorbereitet, an allen Fronten mit aller Macht vorzugehen", sagte Netanjahu bei einem Besuch in der Grenzstadt Sderot am Rande des Gazastreifens. Die radikal-islamische Hamas, die im Gazastreifen herrscht, begrüßte den Angriff auf das Militärfahrzeug im Norden.

In Israels Nordregion gibt es seit Tagen Spannungen. Gestern waren zwei Raketen aus Syrien auf den von Israel besetzten Golanhöhen eingeschlagen. Die israelische Armee reagierte darauf mit Beschuss syrischer Militärziele.

yps/DPA