Während die Ermittlungen zur Tragödie um Flug MH17 andauern, hat der Chefentwickler der Su-25 gegenüber deutschen Medien erklärt, dass das aus russischer Fertigung stammende Kampfflugzeug nicht verantwortlich für einen eventuellen Abschuss des Passagierflugzeugs gewesen sein kann. RT hat mit ehemaligen Piloten über die Fähigkeiten des Flugzeugs gesprochen.
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Die Behauptung, das Passagierflugzeug sei von einer Flugabwehrrakete vom Typ Buk zum Absturz gebracht worden, »ist nicht haltbar«
Der Malaysia Airlines-Flug MH17 stürzte am 17. Juli 2014 auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur über dem von Rebellen besetzten Teil der östlichen Ukraine ab. Alle Insassen, 283 Passagiere und 15 Besatzungsmitglieder, kamen dabei ums Leben.

Im September 2014 wurde ein Bericht des offiziellen Untersuchungsausschusses veröffentlicht. Darin hieß es, der Absturz sei auf Strukturschäden zurückzuführen, nachdem eine große Zahl von Objekten die Außenhülle des Passagierjets mit hoher Geschwindigkeit getroffen habe. In dem Bericht wird nicht abschließend erklärt, worum es sich bei den Objekten handelte, woher sie kamen oder wer dafür verantwortlich war.

Kiew und einige westliche Nationen geben Milizen in der Ostukraine und Russland die Schuld. Das russische Verteidigungsministerium stellte im Juli Radardaten zur Verfügung, die andere Möglichkeiten in Betracht kommen ließen - bis hin zu einem Angriff durch ein ukrainisches Kampfflugzeug vom Typ Sukhoi-25, von dem es hieß, es habe das Passagierflugzeug beschattet.

Seit nunmehr neun Monaten ziehen sich die offiziellen internationalen Ermittlungen hin. Jetzt wurden die Debatten um die Gründe für die Tragödie noch einmal angefacht, nachdem sich der Chefentwickler der Su-25 zu Wort gemeldet hat. Die Su-25 sei nicht imstande, ein Passagierflugzeug abzuschießen, erklärte der russische Flugzeugentwickler Wladimir Babak.

Auf einer Flughöhe von 3000 oder 4000 Metern hätte eine Su-25 die Boeing erfolgreich bekämpfen können, aber nicht auf der Flughöhe von 10 500 Metern, auf der die Boeing vor dem Absturz unterwegs war, so Babak, der im damals noch zur Sowjetunion gehörenden Kiew geboren ist. Zur Möglichkeit, dass die Boeing durch Luft-Luft-Raketen zum Absturz gebracht wurde, sagte Babak, diese Raketen hätten den Jet nur beschädigt, aber nicht schon in der Luft völlig zerstört.


Kommentar: Nicht wenn es um ein modifiziertes Su-25 handelt. Wir haben bereits darüber berichtet:
Der Krimi über MH17 und das Schweigen der westlichen Medien über die vorliegenden Beweise


»Ich glaube, man hat die Su-25 ins Spiel gebracht, um Spuren zu verwischen«, sagte Babak NDR und WDR in einem Fernsehinterview. »Anders kann ich es mir nicht erklären. Wir verstehen nicht, wie eine Su-25 die Boeing hätte abschießen können.«


Kommentar: Hier scheint Babak auf der Spur zu sein. Was wäre wenn das ukrainische Su-25 dazu benutzt wurde, um zuerst die Piloten von MH17 auszuschalten (damit sie keine Möglichkeit bekämen, ein SOS-Signal zu senden) UND um die Spuren einer Bombenexplosion im Laderaum des Flugzeugs zu verwischen?


»Su-25 fliegt durchaus auch in großer Höhe, kann mit wirkungsvollen Raketen ausgerüstet werden.«

Allerdings widersprechen mehrere ehemalige hohe Militärs und Su-25-Piloten Babaks Einschätzung. Ausgehend von der Analyse der Flugzeugtrümmer und der Art und Weise der Schäden sei die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass das Flugzeug von einer Luft-Luft-Rakete getroffen und mit einer Bordkanone beschossen wurde, sagte Generalleutnant Alexander Maslow gegenüber RT. Maslow ist ehemaliger stellvertretender Kommandeur der russischen Boden- und Lufttruppen.

»Die von der Absturzstelle von MH17 veröffentlichten Aufnahmen veranlassen mich zu der Annahme, dass die Boeing von einem Militärflugzeug abgeschossen wurde«, so Maslow. »Darüber hinaus sprechen die bestehenden Schäden dafür, dass das Flugzeug mit Luft-Luft-Raketen und einer Bordkanone vom Kaliber 30 Millimeter beschossen wurde.«

Die Behauptung, das Passagierflugzeug sei von einer Flugabwehrrakete vom Typ Buk zum Absturz gebracht worden, »ist nicht haltbar«, da die Schäden bei derartigen Raketen anders ausfallen würden, so der Offizier. Dass eine Su-25 auf dieser Flughöhe Schwierigkeiten hätte, stimme nicht, widersprach zudem Generalmajor Sergei Borisiuk, ehemaliger Befehlshaber einer Luftwaffendivision. Auch in dieser Höhe würde der Kampfjet »bequem zu steuern sein«, so Borisiuk.

»Ich persönlich bin auf einer Höhe von 12 000 Metern geflogen, und das nicht nur einmal«, sagte er. »Meine Kollegen sind bis auf 14 000 Meter aufgestiegen. Die Gipfelhöhe von 10 500 Metern war während des Einsatzes in Afghanistan offiziell autorisiert. Das bedeutet, selbst auf einer Höhe von 12 000 Metern ist das Flugzeug ganz bequem zu steuern. Seine aerodynamischen Eigenschaften versetzen es dazu in die Lage.«

Weiter sagte Borisiuk, dass die R-60-Raketen, mit denen die Su-25 ausgerüstet ist, über einen Infrarot-Zielsucher und einen CR-Gefechtskopf verfügen. Angesichts der Art der Trümmer und der »präzise durchtrennten Treibstoffleitungen« spreche vieles dafür, dass dieser Typ Rakete eingesetzt wurde.

»Diese Rakete hat eine Reichweite von 7,5 Kilometern. Und unter derartigen Bedingungen steigt die Wahrscheinlichkeit, das Ziel zu treffen«, so Borisiuk weiter. Auch er habe die Su-25 auf 12 000 und teilweise sogar 14 000 Metern Höhe geflogen, sagte Wladimir Michailow, ehemaliger Oberkommandeur der russischen Luftwaffe. Er sagte ebenfalls, selbst in dieser Höhe sei der Kampfjet gut zu steuern.

»Wäre das Flugzeug von [einem Raketenabwehrsystem] Buk abgeschossen worden, wäre es praktisch sofort in der Luft zerbrochen. Dann hätten wir am Boden nicht so große Trümmerteile vorgefunden«, sagte Michailow. Ebenso wie das russische Verteidigungsministerium hinterfragte auch er, warum Flug MH17 bis Donezk innerhalb des vorgesehenen Flugkorridors blieb, dann aber nördlich von der Route abwich.

Im Juli 2014 hatte das russische Verteidigungsministerium militärische Daten präsentiert, die zeigen, dass MH17 kurz vor dem Absturz von ukrainischen Kampfflugzeugen begleitet wurde. Entsprechende an Kiew gerichtete Fragen über die Umstände, wie es zu dem tragischen Absturz kommen konnte, sind bislang unbeantwortet.

»Man kann nicht am helllichten Tag Buk-Raketen abfeuern und niemand bekommt es mit.«

Auslöser für die Spekulationen über die Kampftauglichkeit der Su-25 war die von Russland angegebene Dienstgipfelhöhe. Wie Gordon Duff vom amerikanischen Militärmagazin Veterans Today gegenüber RT erklärte, ist die Dienstgipfelhöhe jedoch nicht identisch mit der absoluten Gipfelhöhe, wie sie das US-Militär definiert:
»Die angegebene Dienstgipfelhöhe hängt von der Sauerstoffversorgung im Flugzeug ab. Es gibt die Aussage, dass dieses Flugzeug [die Su-25] nur bis 22 000 Fuß Höhe [etwa 6700 Meter] fliegt. Ende des Zweiten Weltkriegs stieg die deutsche ME 262 bis auf 40 000 Fuß auf, ein Propellerflugzeug wie die P-51 Mustang bis auf 44 000 Fuß. Die Su-25 wurde als Gegenstück zur A-10 Thunderbolt entwickelt, einem amerikanischen Kampfflugzeug. Die Leistungsdaten dieser Flugzeuge sind nahezu identisch, nur ist die Su-25 schneller und ihr Motor stärker. Bei der A-10 beträgt die Dienstgipfelhöhe 45 000 Fuß [etwa 13 700 Meter]. Die USA schätzen die absolute Gipfelhöhe, was ein anderer Begriff ist«, so Duff.
Die bekannte absolute Gipfelhöhe für die Su-25 liege bei geschätzten 52 000 Fuß (etwa 15 850 Metern), fügte Duff hinzu.

Hinzu komme, dass man sich nicht absolut sicher sein könne, dass es sich bei dem Kampfflugzeug auf dem Radarschirm tatsächlich um eine Su-25 handele. Damit Flugzeuge nicht vom Radar erfasst werden, entwickeln Firmen wie etwa BAE Systems moderne elektronische Gegenmaßnahmen, die auch bei der NATO zum Einsatz kommen. Diese Maßnahmen können einen Flugzeugtyp, beispielsweise eine Su-27 oder eine F-15, wie einen anderen Flugzeugtyp erscheinen lassen.

Er habe mit Experten der amerikanischen Luftfahrtbehörde FAA, des FBI, des amerikanischen Pilotenverbands sowie mit Flugleitoffizieren über die Möglichkeit gesprochen, dass MH17 von einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen wurde, erklärte Duff. Alle seien sich einig gewesen, dass der Öffentlichkeit bislang keine Beweise für den Einsatz einer Flugabwehrrakete vorgelegt wurden.

Es sei ausgesprochen unwahrscheinlich, dass der Abschuss einer derartigen Rakete von niemandem beobachtet worden wäre, so Duff. Tausende hätten den Schweif der Rakete beobachtet und gefilmt, sagte er.

»Bei einer Sache waren wir uns sehr schnell einig: Hätte es sich um eine Buk-Rakete gehandelt, hätte man zu diesem Zeitpunkt - mitten am Tag - den Kondensstreifen 80 Kilometer weit gesehen. Den Kondensstreifen selbst hätten Tausende Menschen fotografiert, er wäre auf Instagram aufgetaucht, auf Twitter, auf Youtube wäre alles voll davon gewesen - aber nein, niemand hat ihn gesehen. Man kann nicht mitten am helllichten Tag in einem flachen Gebiet eine Rakete abfeuern, die einen Rauchschweif hinterlässt, und niemand sieht etwas«, so Duff. »Es gibt keine zuverlässigen Informationen, die dafür sprechen, dass irgendjemand eine Buk-Rakete abgefeuert hat.«