Wenn der Herausgeber der weltweit renommierten medizinischen Fachzeitschrift The Lancet ein schockierendes Geständnis macht, wird das von den Mainstream-Medien mehr oder weniger ignoriert. In einem jüngst veröffentlichten Statement erklärte Lancet-Herausgeber Dr. Richard Horton, ein erschreckend hoher Anteil veröffentlichter Forschungsberichte sei bestenfalls unzuverlässig, oft genug falsch - soll heißen, gefälscht.
Studien, Labor, Experimente
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Bilder wie diese veranschaulichen, welche Assoziationen uns unterbewusst über die Medizin, die "Götter in Weiß" und deren unumstößliche Autorität antrainiert werden - Ein Trugschluß
Horton schrieb: »Ein großer Teil der wissenschaftlichen Literatur, vielleicht die Hälfte, ist möglicherweise schlicht falsch. Durch Studien mit zu geringer Fallzahl, vernachlässigbar kleiner Wirkung, nicht stichhaltigen explorativen Analysen und offenen Interessenkonflikten im Verein mit einer Obsession, sich an zweifelhafte modische Trends anzuhängen, geht die Wissenschaft in Richtung geistige Blindheit.«

Noch einmal mit anderen Worten: Horton sagt ganz klar, große Pharmakonzerne verfälschten oder manipulierten Untersuchungen über Sicherheit und Wirksamkeit ihrer Medikamente, indem sie Studien so klein anlegten, dass die Ergebnisse statistisch nicht aussagekräftig seien, oder indem sie Labors und Wissenschaftler anheuerten, bei denen ein offener Interessenkonflikt bestehe - weil sie sich bei der Pharmafirma beliebt machen wollten, um sich weitere Forschungsmittel zu sichern.

Mindestens die Hälfte aller derartigen Tests sei bestenfalls wertlos, sagt Horton. Da die Medikamente die Gesundheit von Millionen Verbrauchern gefährden können, bedeutet diese Manipulation eine Pflichtverletzung und strafbare Handlung.

Die von der Pharmaindustrie im Rahmen der Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen gesponserten Studien, auf die sich Horton bezieht, sollten eigentlich den Menschen helfen, Mediziner informieren und Medizinstudenten im Studium unterstützen.

Horton schrieb seinen schockierenden Kommentar, nachdem er an einem vom Londoner Wellcome Trust veranstalteten Symposium über Reproduzierbarkeit und Verlässlichkeit biomedizinischer Studien teilgenommen hatte.

Er verwies auf die Vertraulichkeitsvereinbarung - auch bekannt als »Chatham-House«-Regel - , wonach die Teilnehmer keine Namen nennen dürfen: »›Vieles von dem, was veröffentlicht wird, ist unrichtig.‹ Von wem diese Bemerkung stammt, darf ich nicht sagen, da wir gebeten wurden, die Regeln von Chatham House zu respektieren. Außerdem hat man uns gebeten, keine Fotos von den Abbildungen zu machen.«

Weitere Stimmen

Dr. Marcia Angell ist Ärztin und war lange Jahre Chefredakteurin des ebenfalls weltweit renommierten New England Journal of Medicine (NEJM), dessen Beiträge vor der Veröffentlichung von Experten geprüft werden (»peer review«). Sie sagt: »Vielen veröffentlichten klinischen Forschungsberichten kann man nicht mehr vertrauen, genauso wenig wie man sich auf das Urteil sonst zuverlässiger Ärzte oder verbindliche medizinische Richtlinien verlassen kann. Ich bin nicht erfreut über diese Schlussfolgerung, zu der ich in den 20 Jahren als Redakteurin des New England Journal of Medicine nur allmählich und widerstrebend gelangt bin.«

Harvey Marcovitch, der über die Korruption bei medizinischen Studien und bei der Publikation in medizinischen Fachzeitschriften forscht, schreibt: »Studien, die zu positiven Ergebnissen über ein Medikament oder Gerät gelangen, werden mit höherer Wahrscheinlichkeit veröffentlicht als ›negative‹ Studien; teilweise sind die Herausgeber dafür verantwortlich zu machen, aber genauso Sponsoren, deren methodologisch gut angelegte Studien eher nicht an die Öffentlichkeit kamen,wenn die Ergebnisse unvorteilhaft waren...«

Bei der Neural-Dynamics-Forschungsgruppe in der Abteilung für Augenheilkunde der University of British Columbia erhielt Dr. Lucija Tomljenovic Zugang zu Dokumenten, die belegten, dass »Impfstoffhersteller, Pharmaunternehmen und Gesundheitsbehörden im Zusammenhang mit Impfstoffen über vielfältige Gefahren informiert sind, diese jedoch unter Verschluss halten. Das ist wissenschaftlicher Schwindel, ihre Komplizenschaft lässt vermuten, dass dies bis heute gängige Praxis ist.«

Dr. Horton von der Lancet: »Diejenigen, die einschreiten könnten, denken offenbar, jemand anderes solle den ersten Schritt machen. Und für jede positive Aktion (z.B. die Finanzierung gut angelegter Replikationen) gibt es ein Gegenargument (die Wissenschaft verliert an Kreativität). Die gute Nachricht ist, dass die Wissenschaft die schlimmsten Ausrutscher sehr ernst zu nehmen beginnt. Die schlechte Nachricht ist, dass niemand bereit ist, den ersten Schritt zu machen, die Integrität des Systems wiederherzustellen.«

Korruption in der weltweiten Medizinindustrie ist ein großes Problem, vielleicht gefährlicher als alle drohenden Kriege zusammen. Sind wir so hypnotisiert und vertrauen wir unseren Ärzten ihrer weißen Kittel wegen so blind, dass wir sie für unfehlbar halten? Und haben die ihrerseits so blindes Vertrauen in die medizinischen Fachzeitschriften, die ein neues Wundermittel oder einen neuen Impfstoff anpreisen, dass sie diese Mittel und Impfstoffe umgehend verschreiben, ohne sich weitere Fragen zu stellen?