Ein bisher unbekanntes Virus aus Fernost tötet immer mehr europäische Karpfen. Sind bald auch die heimischen Karpfenzuchten betroffen?
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Mit geschwollenen Kiemen und eingefallenen Augäpfeln dümpeln sie apathisch am Grund des Teichs. Am Ende rafft die Karpfen meist der Erstickungstod dahin. Die Infektion mit dem hier zu Lande bisher kaum bekannten Virus endet fast immer tödlich. Anders als die Schlafkrankheit beim Menschen, für die Blutparasiten verantwortlich sind, ist dieser auf Karpfen und Kois begrenzte Infekt eine Viruserkrankung. Vor allem Jungfische haben ihr nichts entgegenzusetzen. Wahrscheinlich ist das pockenähnliche Virus auch an den Karpfensterben beteiligt, die hier zu Lande sporadisch im Frühjahr auftreten und mit einem Schlag bis zu 90 Prozent einer Population vernichten können.

Eva Lewisch und ihren Kollegen der Veterinärmedizinischen Universität Wien gelang in einer aktuellen Studie der erste Nachweis der Schlafkrankheit der Zuchtkarpfen und Kois in Österreich. Laut den Forschern verdichten sich damit die Hinweise, dass sich das Virus in Mitteleuropa ausbreitet. Seit einigen Jahren kommt es vereinzelt zu Ausbrüchen in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden.

Einst war das Virus vermutlich als blinder Passagier in einer Ladung wertvoller Kois aus Japan nach Europa gelangt. Eva Lewisch warnt davor, die Gefahr zu unterschätzen, die von der neuen Viruserkrankung ausgeht: Das Koi-Herpesvirus, das seit den 1990er Jahren für schwere Verluste in der heimischen Karpfenzucht sorgt, sei ein eindrückliches Beispiel dafür, wie wirtschaftlich verheerend sich eingeschleppte Viren auswirken können.