Wieder wollen Schweden ein russisches U-Boot vor der eigenen Küste gefunden haben. Grund zur Aufregung ist das noch nicht: Es könnte sich auch um ein Wrack aus dem Ersten Weltkrieg handeln. Die Hintergründe.

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© Wikipedia/Imperial Russian Navy
Ein baugleiches Schwesterschiff


Was ist passiert?

Die schwedische Tauch-Organisation Ocean X Team hat am Montag ein U-Boot auf dem Meeresgrund vor der heimischen Küste gemeldet - mit kyrillischen Schriftzeichen. Die Schlussfolgerung der Wracksucher: Es müsse sich um ein russisches U-Boot handeln. Man habe das Wrack bei einer Expedition gefilmt, teilte die private Organisation in einer Presseerklärung mit. Es soll 20 Meter lang und drei Meter breit sein. Wo genau das Wrack liegt, sagten die Taucher nicht. Laut Medienberichten soll es sich aber 2,8 Kilometer vor der schwedischen Ostküste befinden.

"Es ist unklar, wie alt das U-Boot ist und wie lange es auf dem Meeresboden lag", schreibt das Ocean X Team. Es sei jedoch völlig intakt und weise keine sichtbaren Schäden auf. Einer der Taucher, die das Boot entdeckt haben wollen, sagte der schwedischen Zeitung Expressen, das U-Boot sehe modern aus. Der Fall hat international in den Medien für Aufregung gesorgt. Würde es sich tatsächlich um ein neues russisches U-Boot handeln, wäre das eine militärische Provokation Moskaus.


Kommentar: Eine Provokation wie das U-Boot, das sich als schwedisches Schiff herausstellte? Warum sollte Russland Schweden überhaupt provozieren, um etwa das gefräßige Tier der Nato zu füttern? Das macht keinen Sinn und wäre unüberlegt.

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Was sagen die offiziellen Stellen?

Die schwedischen Streitkräfte bestätigten zunächst nicht, dass es sich bei dem Fund um ein U-Boot handelt. Armeesprecher Anders Kallin sagte der Nachrichtenagentur AFP, Experten würden das Video von Ocean X Team nun untersuchen und in den nächsten Tagen ihre Einschätzung präsentieren. Weitere Spekulationen wollte er nicht kommentieren.

Um welches U-Boot könnte es sich handeln?

Es gibt erhebliche Zweifel daran, dass das U-Boot aus der Gegenwart stammt. Militärexperten in Schweden und Russland gehen vielmehr davon aus, dass es sich um ein russisches U-Boot aus dem Ersten Weltkrieg handelt. Dieses soll im Mai 1916 mit einem schwedischen Dampfschiff kollidiert und gesunken sein. An Bord habe sich demnach eine 18-köpfige Besatzung befunden. Der schwedische Expressen zitiert Per Andersson, einen Fachmann, der die Videoaufnahmen untersucht. Andersson erklärt, er habe ein Som-U-Boot identifiziert. Diese Torpedo-Boote wurden ab 1904 gebaut.

Warum ist das Thema so sensibel?

Seitdem die Ukrainekrise das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen deutlich verschlechtert hat, ist in Schweden auch die Sorge vor russischen U-Booten in heimischen Gewässern wieder gewachsen. Zuletzt suchte das schwedische Militär vor neun Monaten nach einem vermeintlich russischen U-Boot - vergeblich. Der Kreml hatte das stets dementiert. Bereits im Kalten Krieg hatte Schweden immer wieder vermutet, dass sowjetische U-Boote vor der heimischen Küste fahren - Jagd auf sie gemacht. Doch nur in wenigen Fällen konnte die Herkunft der Schiffe tatsächlich geklärt werden. Im Oktober 1981 war zum Beispiel ein sowjetisches U-Boot in einem militärischen Sperrgebiet vor der Küste von Karlskrona im Süden Schwedens gesunken. Die Folge waren schwere diplomatische Spannungen.