Im südlichen mexikanischen Bundesstaat Chiapas ist eine Kirche im Kolonialstil im wahrsten Sinne des Wortes aus einem Stausee aufgetaucht. Eine Dürre hatte zuvor den Wasserspiegel des Flusses Grijalva um ganze 25 Meter sinken lassen, der auch den Nezahualcoyotl-Stausee einspeist, in dem sich die Kirche aus der Mitte des 16. Jahrhunderts befindet.

Historische Kirche taucht in Stausee in Mexiko auf
© David von Blohn
Ein Bild wie aus einem Horrorfilm – doch dieses Schauer-Sujet ist keine Fiktion. 1966 verschwand diese Kirche ...
Umgeben von Wäldern und Bergen ragen die Trümmer der Kirche, die auch „Tempel von Santiago” oder “Tempel Quechula” genannt wird, aus dem Wasser. Der Nezahualcoyotl-Stausee liegt in der Nähe der Stadt Nueva Quechula. Die Kirche wurde, wie Mashable berichtet, von einer Gruppe von Mönchen unter dem Ordensbruder Bartolome de la Casas in der Mitte des 16. Jahrhunderts errichtet, als das Gebiet noch von den Zoque-Ureinwohnern bewohnt wurde.

Die Kirche ist 61 Meter lang und 14 Meter breit. Die Mauern sind bis zu zehn Metern hoch, der Glockenturm erreicht sogar eine Höhe von 16 Metern. Es ist bereits das zweite Mal, dass die Kirche aus den Fluten aufsteigt, nachdem der Stausee 1966 errichtet wurde. Bereits 2002 sank der Wasserspiegel in dem Reservoir so stark, dass die Kirche wieder für kurze Zeit zu sehen war. Nachdem das Gotteshaus in der vergangenen Woche wieder aus dem See aufstieg, wurde es schnell zum Ziel vieler Touristen und Pilger, die Prozessionen um die Kirche zogen. Ein Video von dem seltenen Ereignis gibt es auf Youtube zu sehen.



Kommentar: Bei dem Gotteshaus handelt es sich um die Kirche von Quechula, die Mitte des 16. Jahrhunderts von Mönchen gebaut wurde. Sie ist etwa zehn Meter hoch, 14 Meter breit und 60 Meter lang. Vermutlich war die Kirche mit dem benachbarten Kloster von Tecpatan verbandelt.

Während einer grossen Pest-Epidemie von 1773 bis 1776 wurde die Kirche jedoch verlassen. Carlos Navarete, mexikanischer Architekt, der für die Behörden die Kirche untersucht hat, geht davon aus, dass sie einst als Zentrum einer grossen Gemeinschaft geplant war. «Doch dazu kam es nie.» Vermutlich habe die Kirche nicht einmal einen Priester gehabt und nur gelegentlich Besuch aus Tecpatan bekommen. Als im Jahr 1966 der Damm gebaut wurde, wurde die Kirche geflutet.


Historische Kirche taucht in Stausee in Mexiko auf
© David von Blohn
An die Kirche war ein Kloster angeschlossen, das in der Zeit der grossen Plagen zwischen 1773 und 1776, aufgegeben worden ist.