Wangerooge, Helgoland, Texel und nun auch Büsum: An der Nordseeküste steigt die Zahl der gesichteten Pottwal-Kadaver. Insgesamt wurde nun das zehnte tote Tier gefunden.

Helgoland
© Brigitte RauchExperten vermuten, dass die Tiere sich in die flachen Gewässer verirrt haben.
Vor der schleswig-holsteinischen Nordseeküste ist ein dritter Pottwalkadaver aufgetaucht. Nahe Büsum entdeckten Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamts (WSA) Tönning das tote Tier am Mittwoch auf einer Sandbank, wie WSA-Sprecher Asmus Plötz sagte. Die Besatzung des Arbeitsschiffs „Wulf Isebrand“ behalte den Körper des geschätzt zehn bis zwölf Meter langen Tieres im Auge. Er soll am Donnerstag geborgen werden.

Pottwale sind in der Nordsee sehr selten anzutreffen. Sie ist eigentlich zu flach für die riesigen Meeressäuger.

Insgesamt ist das schon das zehnte tote Tier, das seit dem Wochenende in der Nordsee gefunden wurde.


Helfer bergen die tonnenschweren Pottwale vor Helgoland

Erst vor wenigen Tagen wurden zwei verendete Tiere auf der Nordseeinsel Wangerooge in Niedersachen angespült. Auch auf Helgoland waren am Dienstag zwei tote Pottwale entdeckt worden. Das Gewässerschutzschiff „Neuwerk“ nahm einen der beiden entdeckten Jungbullen an Deck. Mit Seilen und einem Kran hatte die Besatzung zuvor bereits an der Bergung der Meeresriesen gearbeitet. Anschließend wurde das erste Tier auf den Schlepper „Odin“ des Landesbetriebes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) verladen. Es sollte noch am Donnerstagabend nach Nordstrand (Kreis Nordfriesland) gebracht werden, wie ein LKN-Sprecher sagte. Veterinäre der Tierärztlichen Hochschule Hannover wollten demnach am Donnerstag mit der Untersuchung der Tiere beginnen, die das Land Schleswig-Holstein bezahlt.

Außer den zwei 12 bis 16 Meter langen Tieren nahe Helgoland und den Walen auf Wangerooge wurden vor der niederländischen Insel Texel am Mittwoch fünf Pottwale angespült. Alle Meeressäuger vor Texel sind nach Angaben der Behörden vom Mittwoch inzwischen verendet. Experten sollten nun die Todesursache der Tiere untersuchen, teilte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Den Haag mit. Eine Rettungsaktion, die von dem Ministerium koordiniert worden war, wurde in der Nacht wegen schlechten Wetters gestoppt.

Die fünf Wale waren am Dienstag noch lebend in der Brandung an der Südspitze der Insel entdeckt worden. Warum sie in die Nordsee gelangt waren, ist noch unklar. Nach Angaben von Meeresbiologen hatten die Pottwale in dem untiefen Wasser kaum eine Überlebenschance. In den kommenden Tagen sollten die Kadaver geborgen werden.

Damit sind nach Angaben eines Sprechers des Nationalparks Wattenmeer seit 1990 insgesamt 80 Pottwale an den Küsten Dänemarks, Deutschlands und der Niederlande gefunden worden. In aller Regel handle es sich um Jungbullen, die auf ihrer Wanderung durch den Atlantik zwischen November und März vom Kurs abkommen.

Ein Zusammenhang zwischen den Strandungen gilt nach Einschätzung des Sprechers als wahrscheinlich, da die Tiere in Gruppen auftreten. 1996 und 1997 waren vor der dänischen Insel Röm 16 beziehungsweise 13 Pottwale gestrandet.

Ursache weiter unklar

Gestrandete Tiere noch zu retten, sei extrem schwierig. Dabei handle es sich meist um Bullen, „weil vor allem die Männchen die Wanderroute in den Norden auf sich nehmen - wegen Nahrungsaufnahme“. Weshalb die Wale einen falschen Weg nahmen, ist unklar. Wal-Experte Michael Dähne vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund berichtet von verschiedenen Gründen, weshalb sich die Tiere in die Nordsee verirrt haben könnten: „Es kann natürliche Ursachen haben, an Unterwasserlärm, an Solaraktivitäten oder an Krankheiten liegen, aber auch an seismischen Aktivitäten oder militärischem Sonar“, sagte er.

Dass noch mehr Pottwale an der Nordseeküste entdeckt werden könnten, wollte Dähne nicht ausschließen. Die gelegentlich in der Nordsee vorkommenden Tiere werden dem LKN zufolge dem Azorenbestand von weltweit rund einer Million Pottwale zugerechnet. Mit ihrem akustischen Orientierungssinn können sich die schweren Tiere dort schlecht orientieren. Geraten sie ins Flachwasser und stranden, kann das Gewicht ihres Körpers ihre Blutgefäße und die Lunge abdrücken - daran sterben sie.