St. Andrews (Schottland) - Mit einer bislang auf etwa 13 Meter geschätzten Maximallänge galten Riesenkalmare schon immer als Kandidaten für den wahren Kern der Legenden vom ganze Schiffe verschlingenden Kraken. Eine neue Studie zeigt nun, dass dieser Wert die Größe, die ausgewachsene Tiere tatsächlich erreichen können wahrscheinlich bislang deutlich unterschätzt wurde und die Tiere mit bis zu 20 Metern länger als ein Schulbus werden können.
Riesenkalmar
© Irken, CC-BY-SA 3.0
Riesenkalmar (Illu.)
Obwohl schon seit 1639 an Küsten angeschwemmte Kadaver von Riesenkalmaren beschrieben wurden, gilt die Existenz der „Tiefseemonster“ erst 2004 als eindeutig wissenschaftliche nachgewiesen, als erstmals ein lebendes Exemplar fotografiert werden konnte.

Von jeher spekulierten Wissenschaftler und Forscher darüber, wie groß die Tiere werden können. Eine frühere Analyse von 130 Kadavern und Überresten der enormen Kopffüßler kam zu dem Schluss, dass keines dieser Tiere länger als 13 Meter war. Spekulationen darüber, dass Riesenkalmare noch deutlich größer werden können, galten als wissenschaftlich nicht gesichert und spekulativ.

Da andere Studien allerdings aufzeigten, dass es in den Tiefen der Ozeane Tausende von Riesenkalmare geben könnte, vermuten einige Forscher schon lange, dass die bislang gemessenen Maximalgrößen nicht repräsentativ sind und die Wahrscheinlichkeit, dass die Tiere auch deutlich größere Ausmaße erreichen können, durchaus gegeben ist.

Wie Charles Paxton von der University of St. Andrews aktuell im Fachmagazin Journal of Zoology (DOI: 10.1111/jzo.12347) berichtet, zeigt seine neue statistische Analyse, dass Riesenkalmare tatsächlich rund 20 Meter Länge erreichen können. In seiner Studie extrapolierte Paxton die Maximalgröße anhand einer Vielzahl vorliegender Maße und Daten auf der Grundlage vorhandener Proben.

Zu diesen Werten gehören 164 Längenmaße der sogenannten Mantellänge - also des Hauptkörpers der Tiere; 39 Standardlängen - also des Körpers mitsamt der Länge der längsten Fangarme; und 47 Maße der Gesamtlänge, die auch die Länge der bewehrten Tentakel beinhaltet. Zudem bezog Paxton auch 46 Maße von gefundenen Schnäbeln der Tiere in Relation zu Mantellänge mit ein und entdeckte dabei, dass die Schnabelgröße zur Hochrechnung der Mantellänge genutzt werden kann.


Statistisch sei es durchaus plausibel, dass Riesenkalmare eine Mantellänge von 3 Metern und Gesamtlängen von bis zu 20 Metern erreichen können - und selbst das sei, so Paxton, „ein noch konservatives Ergebnis“.

Den Grund, warum Riesenkalmare derart groß werden können, vermutet der Forscher selbst im Schutz davor, von Pottwalen gefressen werden können. „Es wäre interessant herauszufinden, ob Riesenkalmare jemals so groß werden, dass sie nicht mehr von Pottwalen gefressen werden können.