Abadan. Eine verheerende Katastrophe hat möglicherweise 1400 Todesopfer in Turkmenistan gefordert. Demnach hat es Explosionen in einem Waffenlager gegeben. Kurzstreckenraketen seien in einer nahe gelegenen Stadt in Krankenhäuser und Schulen eingeschlagen.
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Schwere Explosionen in Turkmenistan haben offenbar weitaus mehr Opfer gefordert, als bisher in der Öffentlichkeit bekannt. Ein ARD-Korrespondent spricht von 1400 Toten.

Schwere Explosionen in Turkmenistan haben offenbar weitaus mehr Opfer gefordert, als bisher in der Öffentlichkeit bekannt. Laut Informationen eines ARD-Korrespondenten sollen seit dem vergangenen Donnerstag möglicherweise 1400 Menschen bei einem Unglück getötet worden sein. Wie das unabhängige Internetportal Chronika Turkmenistana berichtete, geriet am Donnerstag bei 40 Grad Hitze in der Stadt Abadan 18 Kilometer westlich der Hauptstadt Aschchabat ein Munitionslager der Armee in Brand.

Über mehrere Tage hinweg soll es Explosionen in dem Waffenlager des Militärstützpunktes gegeben haben. Dadurch sollen Kurzstreckenraketen gestartet sein, die Häuser der nahe gelegenden Stadt Abadan eingeschlagen sind. Dabei seien auch Schulen und Krankenhäuser getroffen worden. Mehr als ein Drittel der 1400 Opfer seien Kinder, meldet der ARD-Korrespondent.

Regierung von Turkmenistan will Unglück verschweigen

Die Regierung Turkmenistans würde offenbar am liebsten den Deckmantel des Schweigens über die Katastrophe legen. Sie meldete am Tag des Unglücks ein pyrotechnisches Arsenal mit Feuerwerkskörpern sei in Brand geraten, es habe weder nennenswerte Sachschäden noch menschliche Opfer gegeben. Aber weiter heißt es: „Die Bevölkerung erhält die nötige medizinische und soziale Hilfe. Ein Teil der Bevölkerung, die in unmittelbarer Nähe zum Ort des Geschehens wohnt, wurde evakuiert.“ Später sprach die Regierung von 15 Todesopfern.

Chronika Turkmenistana zeigte kurz nach dem Unglück ein Foto mit einer gewaltigen Rauchwolke am Horizont, das am Donnerstag in Aschchabat aufgenommen wurde. Nach Angaben von News-Asia ist in Abadan ein Kindergarten in einem Bombentrichter verschwunden, zahlreiche Häuser sind zertrümmert, andere brennen, ebenso wie die umliegenden Wälder. In der Stadt sollten Panik und Chaos herrschen. Ein Augenzeuge berichtete Chronika Turkmenistan von 4 mit Tüchern bedeckten Männerleichen und einem apathischen Kind mit schweren Verbrennungen, die er gestern im Vorort Gunesch gesehen habe. Vor allem auf dem Gelände des zerstörten Artilleriedepots und des benachbarten Militärflughafens Ak-Tepe sollen Helfer damit beschäftigt sein, Leichenteile einzusammeln. Allein in dem Depot hielten sich laut Fergana am Donnerstag über hundert Wachsoldaten und Techniker auf.

Stadt Abadan wurde vom Militär abgeriegelt

Das Fußballstadion von Abadan dient als Verbandsplatz. Zwischen Aschchabat und dem Unglücksort verkehren Armeefahrzeugen und Unfallwagen. Die Stadt selbst wurde weiträumig vom Militär abgeriegelt. Laut Chronika Turmenistana wurden die Telefonverbindungen nach Abadan gekappt, auch das Internet in Turkmenistan arbeitete gestern nicht. Tausende Turkmenen versuchten vergeblich, etwas über das Schicksal ihrer Angehörigen oder Freunde in Abadan zu erfahren.

Das von Präsident Berdymuchammedow autoritär regierte Turkmenistan betreibt seit Jahrzehnten eine Politik der Selbstisolation. Unabhängige Medien werden ebenso unterdrückt wie Oppositionsparteien. Und gestern berichtete das Staatsfernsehen nicht über das Unglück in Abadan, sondern zeigte Musik- und Unterhaltungsshows.