In Portugal kämpft die Feuerwehr derzeit gegen mehr als 700 Waldbrände. Sie breiten sich nach wochenlanger Trockenheit in den Eukalyptuswäldern rasch aus. Die Einsatzkräfte versuchen der Feuerfront Herr zu werden - doch stoßen dabei an ihre Grenzen.
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Mehr als 4400 Feuerwehrleute sind im Einsatz, wie hier bei Viseu im Norden des Landes. Auch die Armee ist im Einsatz. Nach Wochen der Trockenheit breiten sich die Flammen in den Pinien- und Eukalyptuswäldern aus.
Kaum sind die Feuer auf der Kanareninsel La Palma unter Kontrolle, brennt es in Portugal: An mehr als 700 Stellen sind Waldbrände ausgebrochen, vor allem in der Mitte und im Norden des Landes - aber auch in den Touristenregionen an der Algarve.

Pedro Barreirinha kommt gar nicht mehr nach. Der Feuerwehr-Hauptmann koordiniert die Notrufe in der Region Agueda, eine Autostunde südlich von Porto. "Die Front ist sehr groß und unsere Leute sind überall verstreut", sagt er. "Ich kann noch nicht sagen, wann wir die Lage unter Kontrolle haben."

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702 Waldbrände wurden in den vergangenen Tagen in verschiedenen Gegenden Portugals - hier bei Estarreja nördlich von Coimbra - gezählt.
5000 Feuerwehrleute im Einsatz

Die etwa 5000 Einsatzkräfte kämpfen nicht nur gegen die Feuerfront, sondern auch gegen viele einzelne Brandherde. Oft sind sie nur klein. Die Helfer versuchen alles, damit das so bleibt und mehrere kleine Feuer nicht zu einem großen Waldbrand werden. Was die Arbeiten erschwert: Es brennt in einer sehr hügeligen Region, in der es nur schmale Wege gibt und Feuerwehrautos kaum voran kommen. Deshalb sind alle verfügbaren Löschflugzeuge und Hubschrauber im Einsatz.

Aber Barreirinha macht sich Sorgen um die physische Verfassung seiner Mannschaft: "Unsere Leute sind müde. Wir versuchen, sie ständig abzulösen." Die Wehren im Süden hätten deshalb schon Verstärkung geschickt - es ist eben Waldbrandzeit.

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Bis zur Erschöpfung kämpfen die Feuerwehrleute in Portugal gegen die Waldbrände.
Bewohner versuchen sich selbst zu helfen

Rosinha kennt diese Wochen im Sommer gut. Sie ist um die 60 Jahre alt und hat schon einige Waldbrände erlebt. Doch dieses Mal, erzählt sie, sei sie besonders hart getroffen worden. Bis zu ihrem Haus hat sich das Feuer in diesem Jahr seinen Weg gebahnt. "All das Obst und Gemüse, das ich in meinem Garten hatte, ist verbrannt. Ich habe um Hilfe gerufen, aber es ist kein Feuerwehrauto gekommen."

Jorge Pinhão versucht, die Sache so gut es geht selbst in die Hand zu nehmen. Er weiß, dass die Feuerwehr nicht überall sein kann. Deshalb hat Jorge seinen Pickup voller Wasserkanister gepackt. In den Händen hält er mit Wasser gefüllte Eimer. Er will sein Grundstück schützen. Alle seine Eukalyptuswälder sind dem Feuer schon zum Opfer gefallen. Eukalyptusbäume sind das Hauptproblem. In Portugal gibt es Tausende davon. Sie stehen in Monokulturen.

Eukalyptus brennt wie Stroh

Wenn es, wie jetzt, lange Zeit nicht geregnet hat, die Böden trocken sind und Temperaturen von über 30 Grad herrschen, ist die Gefahr groß, sagt Domingos Patacho von der Umweltschutzorganisation Quercus. "Wenn ein Feuer einen Eukalyptuswald erreicht, brennen die Wipfel wie Stroh und das Feuer breitet sich aus. Das ist kritischer als bei anderen, einheimischen Baumarten."

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Für die Einsatzkräfte ist es schwierig, die Lage unter Kontrolle zu bekommen.
Eukalyptusblätter brennen außerdem schnell, weil sie leicht ölig sind. Der kräftige Wind zurzeit sorgt dafür, dass die Flammen leicht von einem zum anderen Baum wandern. Einige unbewohnte Gebäude in der Region Agueda sind schon abgebrannt, außerdem eine Fabrikhalle. Verletzte soll es nicht gegeben haben.

Am Montagabend meldeten die Behörden auch Waldbrände an der Algarve, im Süden Portugals, nahe Messines. Urlauber dort sehen dichte Rauchwolken über den Bergen, 200 Feuerwehrleute sind im Einsatz. Eine Entspannung der Lage ist wegen der hohen Temperaturen in Portugal im Moment nicht in Sicht.