Osnabrück. Erstmals seit Jahren ist in diesem Sommer auf niedersächsischen Getreidefeldern kein einziger Kornkreis gemeldet worden. Das ist umso erstaunlicher, als bislang das südliche Niedersachsen als Hochburg der deutschen Kornkreis-Szene galt. Forscher rätseln über die Ursachen - und sind einer erstaunlichen Erklärung auf der Spur.
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Kleeblatt im Kornfeld Unbekannte hatten im vorletzten Sommer diese Formation in ein Feld bei Göttingen getrampelt. Die Region gilt als deutsche Kornkreis-Hochburg.

Die Mähdrescher rollen bereits seit Tagen durch die Getreidefelder zwischen Harz und Nordsee. In den vergangenen Jahren stießen sie dabei immer auch auf sogenannte Kornkreise. Also auf Flächen, wo umgeknickte Getreidehalme kreisförmige Figuren bildeten. Diese Formationen waren meist nur aus der Luft als ein geometrisches Ganzes zu erkennen. So zum Beispiel immer wieder auf Feldern im Raum Göttingen, wo erst im vorletzten Sommer mit einem einzigen Kornkreis zwei Tonnen Weizen vernichtet wurden - genug Getreide für 80000 Brötchen.

Botschaften im Feld

Einen großen Teil der jährlich rund zwei Dutzend Kornkreissichtungen in Deutschland gab es in dieser Region, weiß Andreas Müller, der sich als Buchautor seit Jahren intensiv mit dem Phänomen beschäftigt.

Immer wieder wurden die Zeichen auf dem Feld auch als verschlüsselte Botschaften von Außerirdischen gedeutet. In diesem Sommer ist alles anders: „Es gibt bundesweit keine einzige Kornkreismeldung“, so Müller. Akribisch notiert er seit Mitte der 1990er-Jahre jede Sichtung, die irgendwo gemacht wird. Für das Ausbleiben der meisten Acker-Figuren gebe es wohl eine einfache Erklärung: Die Fälscher hätten schlichtweg die Lust verloren.

Gerade im Raum Göttingen und im angrenzenden Nordhessen habe eine sehr aktive Gruppe existiert, die nachts losgezogen sei, um mit einfachen Hilfsmitteln wie Seilen und Stöcken Kreise in das Korn zu ziehen, weiß Harald Hoos. Der Szene-Kenner war jahrelang nachts selbst zum Kornkreis-Machen unterwegs, um sich einen Spaß mit der Leichtgläubigkeit anderer Menschen zu erlauben. „Erst war das illegal, dann haben mir die Landwirte die Flächen für die Figuren sogar zur Verfügung gestellt“, räumt Hoos ein. In der Kornkreis-Szene seien diese Fälscher sogar bekannt gewesen.

Andreas Müller war mehrmals in Südniedersachsen vor Ort, um sich selbst ein Bild von den Sichtungen zu machen. „Wenn schon jemand einen Kornkreis meldet, der eigentlich nur aus dem Flugzeug erkennbar ist, liegt der Verdacht nahe, dass der Finder auch etwas mit dem Entstehen der Figur zu tun hat“, sagt Müller. Wobei er nicht ausschließen möchte, dass es einzelne Kornkreise gibt, die nicht von Menschen angelegt wurden, sondern eine natürliche Ursache haben. Noch deutlicher wird Harald Hoos: „Das Ausbleiben macht deutlich, dass Kornkreise ein ausschließlich von Menschen gemachtes Phänomen sind.“ Sehr zum Ärger der Landwirte. Ein Bauer, in dessen Acker ein Kornkreis gemeldet wird, muss durch Ernteausfall mehrere Hundert Euro Schaden befürchten. Wobei die abgeknickten Halme der Formation oft noch der geringere Schaden seien: „Teuer wird es dann, wenn Tausende Neugierige zum Acker kommen und die Ernte niedertrampeln. Manchmal hielten Gruppen sogar Meditationen oder kultische Handlungen auf dem Acker ab, weil sie an übernatürliche Kräfte glaubten“, weiß Hoos. Offensichtlich haben die Fälscher den Anreiz an der Feldarbeit verloren, bilanziert auch er. Der Grund: Es gebe eben außer den immer gleichen Formationen nichts Neues. „Das bedeutet aber nicht, dass es nicht irgendwann wieder Kornkreise in Niedersachsen gibt.“