Die Monate November und Dezember sind die umsatzstärksten Monate für den deutschen Einzelhandel. Für 2016 erwartet der Handelsverband Deutschland erneut eine Steigerung der Weihnachtsumsätze auf rund 91,1 Milliarden Euro. Mit dem Weihnachtsgeschäft steht der Computerspiele-Markt die nachfragestärkste Zeit des Jahres noch bevor. Fünf von sechs Deutschen wählen 2016 digitale Weihnachtsgeschenke. Wie im letzten Jahr gehören Computer- und Videospiele zu den beliebtesten Präsenten, denn 35 Prozent möchten digitale Spiele verschenken. Prepaid-Guthaben für Mobilfunkleistungen will jeder vierte (24 Prozent) dieses Jahr zu Weihnachten verschenken.
Der Kauf von Weihnachtsgeschenken spiegelt das veränderte Konsum- und Mediennutzungsverhalten wider“, erklärt Bitkom-Experte Markus Altvater. „Während Gutscheine für Online-Shops und Streaming-Dienste zulegen, verlieren vor allem Musik-CDs.“

Der ansteigende Medienkonsum macht auch nicht vor den Kleinsten halt. Nicht ohne Folgen, wie der folgende Bericht zeigt. Auch dieses Jahr landen wieder die Endgeräte wie Smartphones und Tablets als Weihnachtsgeschenke unter dem Baum. Wir trauen den Kleinen viel zu. Das heißt auch: Wir verlangen viel von ihnen. Vor lauter Konsum und Kommunikation schrumpft die Zeit für freies Spiel und ungestörte Entfaltung. Nachbarschaftsbanden, Puppen, Rollschuhlaufen, Fußballspielen - alles findet in der Digitalen Welt statt, anstatt in der Realen.


Erinnern Sie sich noch an ihre Weihnachtsgeschenke in Ihrer Kindheit? Nun stellen Sie sich vor, alle sitzen in der festlich geschmückten Wohnstube, bewaffnet mit einem Smartphone oder einem Tablet und spielen mit den neusten Errungenschaften. Die Mutter ruft zum gemeinsamen Essen und der Bub schreit laut: “ Manno, ich bin gerade beim 5. Level.“ Auch die Tochter kreischt laut durch die Stille: „Chatte gerade mit meiner Freundin, sie hat auch ein neues Smartphones mit ganz vielen Apps. Ich habe jetzt keinen Hunger. Hole mir später etwas aus der Küche, es ist so spannend.“ Der Ehemann hat sein neues Tablet und versucht sich als Manuel Neuer alle Tore visuell zu halten. Eine „schöne“ Bescherung.

Oder wie wäre es mit „Hello Barbie“ Mit Barbie kannst Du alles sein - so die neue Werbung von Mattel, Überwachung inclusive. So wissen Sie, dass Sie nicht alleine die Weihnachten verbringen müssen. Oder eine 3D-Brille für Kinder: Google kooperiert mit Mattel - und Lego. Die Digitale Welt ist längst Realität und viele Eltern verwirklichen den Traum ihrer Kinder, vergessen aber dabei, was sie wirklich, vielleicht auch unbewusst, anrichten.

“Digitales Heroin”: Kinder werden in psychotische Junkies verwandelt

Susan kaufte ihrem sechsjährigen Sohn John ein iPad, als er in die erste Klasse kam. „Ich dachte, ‚warum soll er nicht dabei sein’“ sagte sie zu mir während einer Therapiesitzung. Johns Schule führte sie in immer niedrigeren Klassen ein und der Techniklehrer hatte ihre erzieherischen Vorteile gepriesen, also tat Susan das, wovon sie annahm, dass es das Beste für ihren Sohn war, der auch gerne las und Baseball spielte.
Sie erlaubte ihm, verschiedene Spiele am iPad zu spielen. Schließlich entdeckte er Minecraft, von dem der Lehrer ihr versicherte, dass es „wie elektronisches Lego“ wäre. In Erinnerung an ihre eigene Lego-Begeisterung ließ sie John also Minecraft spielen.

Zuerst war Susan davon angetan, dass John die Würfelwelt erkundete. Es fiel ihr auf, dass es aber nicht wie ihr Legospiel war - sie hatte nie Tiere umbringen müssen oder seltene Rohstoffe finden, um überleben zu können und zum nächst höheren Level des Spiels zu kommen. Aber es gab den Anschein, als ob John Freude an dem Spiel hatte, und in der Schule gab es sogar einen Minecraft-Klub; so was sollte schlecht daran sein?

Aber sie begann auch, Veränderungen an John zu merken. Er verlor sein Interesse am Lesen und am Baseballspielen und war nur mehr auf Minecraft fokussiert. Am Morgen sagte er öfters, er könne die Würfel in seinen Träumen sehen.

Obwohl sie das betroffen machte, dachte sie, ihr Sohn hätte einfach eine lebhafte Phantasie. Als aber sein Verhalten immer merkwürdiger wurde, versuchte sie, ihm das Spiel wegzunehmen, was zu Tobsuchtsanfällen ihres Sohnes führte. Seine Reaktion war so arg, dass sie nachgab und sich einredete, es wäre ja schließlich ein erzieherisches Spiel.

Aber eines Abends realisierte sie, dass tatsächlich etwas ernsthaft schief lief.

„Ich betrat sein Zimmer, um nach ihm zu sehen. Er sollte schlafen und ich habe mich echt erschrocken!“ Er saß aufrecht im Bett, seine blutunterlaufenen Augen starrten geradeaus auf den beleuchteten Schirm seines iPad am Bett. Er schien in Trance zu sein. Susan wurde fast panisch und musste ihren Sohn einige Male schütteln, um ihn in die Realität zurück zu holen. Dass ihr einst gesunder und fröhlicher Sohn durch die Spielsucht in so einem starren Zustand war, verstörte sie.

Es gibt einen Grund, warum Technik-zurückhaltende Eltern meist Technik-Designer und Ingenieure sind. Steve Jobs war ein notorischer ‚wenig Technik’-Vater. Leitende Angestellte im Silicon Valley geben ihre Kinder in ‚keine-Technik’-Waldorfschulen. Google-Erfinder Sergey Brin und Larry Page besuchten ‚keine-Technik’-Montessorischulen, so auch die Gründer von Amazon, Jeff Bezos bzws. Wikipedia, Jimmy Wales.

Viele Eltern verstehen intuitiv, dass allgegenwärtig leuchtende Bildschirme einen negativen Einfluss auf Kinder haben. Wir sehen, dass es zu aggressiven Wutausbrüchen bei Kindern kommt, wenn man ihnen die Bildschirme wegnimmt. Auch ihre Aufmerksamkeitsspannen verändern sich, wenn sie nicht von ihren hypererregenden Geräten stimuliert werden. Noch ärger - wir beobachten Kinder, die gelangweilt, apathisch, uninteressiert wirken, wenn sie ohne ihre Geräte sind.

Aber es ist noch viel schlimmer als wir denken.

Wir wissen, dass diese iPads, Smartphones und Xboxes eine Form von digitalen Drogen sind. Neueste Gehirnbilder zeigen, dass sie auf die vordere Hirnrinde in derselben Art und Weise wie Kokain Einfluss nehmen, wobei von dort leitende Funktionen gesteuert werden, wie z.B. die Impulssteuerung. Diese Technologie ist so hypererregend, dass die Dopaminproduktion ansteigt - der Neurotransmitter, der das Wohlgefühl vermittelt, das am meisten an der Suchtdynamik beteiligt ist; ebenso wie Sex.

Dr. Peter Whybrow, Leiter der Neurowissenschaft an der UCLA (Universität von Kalifornien, Los Angeles), nennt die Bildschirmgeräte „elektronisches Kokain“, die Chinesen sagen „digitales Heroin“. Tatsächlich nennt Dr. Andrew Doan, Leiter der Suchterforschung für den Pentagon und die US Navy, die Videospiele und Bildschirmtechnologie „digitale Drogen“.

Und so ist es - das Gehirn Ihres Kindes, das Minecraft spielt, sieht ebenso aus wie das eines Drogenabhängigen. Kein Wunder, dass es schwierig ist, Kinder von ihren Bildschirmen wegzubringen, wenn wir sie unterbrechen. Klinische Studien zeigen überdies, dass Bildschirme dazu beitragen, Depression, Angstzustände und Aggression zu erzeugen und sogar zu psychotischen Zuständen zu führen, in denen die Videospieler den Bezug zur Realität verlieren.

In den letzten 15 Jahren meiner klinischen Tätigkeit mit mehr als 1000 Teenagern habe ich herausgefunden, dass das Sprichwort „Vorbeugen ist besser als heilen“ zutreffend ist, vor allem, wenn es zu Techniksucht kommt. Hat ein Kind erst die Grenze zur Techniksucht überschritten, kann eine Behandlung sehr schwierig werden. Ich habe es einfacher gefunden, Süchtige von Heroin und Crystal Meth weg zu bringen, als Videospielabhängige oder Facebook- und sonstige Socialmedia-Süchtige.

Die US-Akademie für Kinderärzte gab 2013 bekannt, dass Acht- bis Zehnjährige bis zu acht Stunden täglich mit den verschiedenen digitalen Medien zubringen; Teenager bereits 11 Stunden. Eines von drei Kindern nutzt Tablet oder Smartphone bereits, ehe es noch sprechen kann. Nach der Veröffentlichung des Handbuchs Internet-Sucht von Dr. Kimberley Young ist bekannt, dass 18% der Oberstufenkinder in Amerika an Technik-Sucht leiden.

Hat eine Person die Grenze zu totaler Sucht überschritten, egal ob Drogen, digital oder sonstiges, muss sie “entgiftet” werden, ansonsten wird keine Therapie helfen können. Bei Techniksucht hilft nur der totale Technik-Entzug; kein Computer, kein Smartphone, kein Tablet. Der totale Entzug bedeutet auch: kein Fernsehen. Dafür werden ungefähr sechs Wochen anberaumt - solange dauert es, bis das übererregte Nervensystem auf seine Ursprungsschaltung zurück gefahren werden kann. Das ist allerdings keine leichte Übung in unserer übertechnisierten Welt, wo Bildschirme allgegenwärtig sind. Man kann Drogen und Alkohol ausweichen, bei Techniksucht lauert die Versuchung überall.

Wie können wir also unsere Kinder davor beschützen, diese Grenze zu überschreiten? Es ist nicht einfach!

Der Schlüssel ist, zu versuchen, dass unsere vier-, fünf- oder achtjährigen Kinder davor bewahrt werden müssen, von den Bildschirmen zu sehr angezogen werden. Das bedeutet: Lego statt Minecraft, Bücher anstelle von iPads, Natur und Sport anstelle von TV. Und wenn es sein muss, dann verlangen Sie auch von der Schule Ihres Kindes, dass sie den Kindern weder Tablets noch Lesegeräte (eBook Reader, Chromebook) aushändigen, bevor sie zehn Jahre alt sind. Es gibt sogar Empfehlungen, 12 Jahre zu warten.

Diskutieren Sie ehrlich mit ihrem Kind, warum Sie die Bildschirmzeit reglementieren. Nehmen Sie Mahlzeiten miteinander ein - ganz ohne Bildschirme am Tisch, so hat es auch Steve Jobs gehalten. Werden Sie nicht Opfer des „überbesorgten-Eltern-Syndroms“, wie wir es aus der Sozialen Pädagogik kennen: „monkey see, monkey do“, ursprünglich ein Zulu Sprichwort - jemanden so lange nachäffen, bis es schief geht.

Wenn ich mit meinen neunjährigen Zwillingsbuben spreche, sage ich ihnen ehrlich, warum wir nicht möchten, dass sie Videospiele spielen oder Tablets haben. Ich erkläre ihnen, dass Kinder so viel spielen, dass sie nicht mehr aufhören können. Ich habe ihnen geholfen zu verstehen, dass sie, wie manche ihrer Freunde, die sich in diesen Spielen verlieren, andere Bereiche ihres Lebens versäumen. Sie könnten die Lust am Lesen oder am Baseballspielen verlieren, weniger an wissenschaftlichen oder Natur-Projekten interessiert sein, den Anschluss an ihre „echten“ Freunde verlieren. Es bedurfte nicht viel Überzeugungskraft, sie hatten bereits erlebt, wie manche ihrer Freunde sich auf Grund ihrer Spielsucht verändert hatten.

Entwicklungspsychologen wissen, dass eine gesunde Kinderentwicklung soziale Interaktion braucht, kreatives, phantasievolles Spielen und eine Auseinandersetzung mit der realen, natürlichen Welt. Leider stört die Welt der allgegenwärtigen und abhängig machenden Bildschirme diese Entwicklungsprozesse.

Wir wissen auch, dass Kinder anfälliger sind für suchtfördernde Aktionen, wenn sie sich alleingelassen fühlen, ausgestoßen, sinnlos und gelangweilt. Also müssen wir versuchen, sie mit der echten Welt zu verbinden und mit Verbindungen ‚aus Fleisch und Blut’. Ein Kind, das mit bedeutungsvollen lebensechten Aktivitäten verbunden ist und sich in der Familie geborgen fühlt, wird nicht so leicht in eine digitale Phantasiewelt flüchten. Sogar Kinder aus den besten familiären Bedingungen, die liebevoll unterstützt werden, können in die Abhängigkeit stürzen, wenn sie sich mit den hypnotischen Bildschirmen beschäftigen und ihr Abhängigkeitspotential erleben. Dazu kommt, dass eine von zehn Personen schon mit einer Prädisponiertheit für Sucht ausgestattet ist.

Schlussendlich hat meine Klientin Susan John sein Tablet weggenommen; die Rückkehr ins normale Leben war von vielen Auf und Abs und Rückschlägen begleitet.

Nach vier Jahren, mit viel Unterstützung und Stärkung, geht es John heute viel besser. Er hat gelernt, einen Computer in einer gesünderen Art und Weise zu nutzen und seinen Sinn für Ausgewogenheit zurück zu erlangen: Er spielt in einem Baseballteam und hat einige sehr nahe stehende Freunde an der Schule. Seine Mutter ist immer noch wachsam und eine positive, aktive Bewacherin seines Umgangs mit der Technik, weil - wie bei jeder Sucht - ein Rückfall auftreten kann im Moment einer Schwäche. Sie schaut darauf, dass er gesunde Ausgänge unternimmt, es gibt keinen Computer in seinem Zimmer und beim gemeinsamen Abendessen ist die Technik auch verbannt.

Wenn auch manche Politiker keine Ahnung haben, dass es so etwas wie Spielsucht gibt, was besonders peinlich ist, wenn es sich um den Bundesdrogenbeauftragten handelt, so ist doch gemeinhin bekannt, dass das Suchtpotential der Videospiele hoch ist. Siehe auch dazu unser Beitrag, den ein Betroffener schrieb: „In seinem Kopf sein“... und ewig lockt das Computerspiel

Statistiken besagen, dass ca. 15% aller spielenden Teens und Twens Anzeichen einer solchen Sucht aufweisen.

Forscher der University of Cambridge weisen darauf hin, dass die Facebook-Sucht tatsächlich stärker einzuschätzen ist als die von Zigaretten und Alkohol. Wie die Rheinische Post berichtet, hatten die Wissenschaftler bereits vor der aktuell debattierten Studie herausgefunden, dass das Posten bei Facebook einen ähnlichen Effekt erziele wie das Genießen von sehr gutem Essen oder Sex.

Facebook-abhängige Teenager haben einiges an Strategien entwickelt, von ihrer Sucht abzukommen.

Einen Freund bitten, das Passwort zu ändern und es nicht zu verraten, das Konto überhaupt löschen, einer Hilfegruppe beitreten, die man kontaktiert, wenn man wider besseres Wissen zu viel Zeit auf Facebook verbringt. Eine Facebook-Abstinenz wird von manchen auch als „Fasten“ bezeichnet - etwas, das Gläubigen leichter fällt.
Ich war eine Einsiedlerin - alleine mit meinen Entzugserscheinungen, schreibt eine „Aussteigerin auf Zeit“
Morgens der Kaffee am Frühstückstisch ohne das Checken der neusten Meldungen, welche meine Facebook-Freunde zwischen 1 Uhr nachts und 7 Uhr morgens gepostet hatten. Ohne das so vertraute Surren im Minutentakt meines Handys, wenn einer meiner Freunde eine Nachricht geschickt hatte. In den Mittagspausen saß ich prinzipiell immer im falschen Lokal - allein, da die anderen in letzter Minute sich noch auf Facebook besprochen hatten, wo man denn am besten Wireless-Empfang beim Mittagessen hätte.

Ist alles nicht ganz so einfach, wenn man erst einmal aus der Sucht aussteigen will!

An der California State University hat ein Forscherteam 20 Testpersonen auf eine Facebook-Sucht untersucht. Dabei stuften sich Probanden anhand von Fragen zunächst selbst ein. So musste etwa beantwortet werden, ob man bei längerem Fernbleiben vom sozialen Netzwerk unruhig werde. Anschließend wurden Bilder gezeigt und gleichzeitig die Gehirnströme überwacht.

Selbsttest auf Internetsucht.

Dabei zeigte sich, dass jene, die bereits beim ersten Teil Auffälligkeiten zeigten, auf Bilder mit Facebook-Bezug wesentlich stärker reagierten. Die Forscher verglichen diesen Effekt sogar mit jenem, den Kokain bei Abhängigen auslöst. Zwischen starkem Interesse und Sucht zu unterscheiden ist gerade beim Internet nicht immer ganz einfach.

Dr. Nicholas Kardaras is executive director of The Dunes East Hampton, one of the country’s top rehabs and a former clinical professor at Stony Brook Medicine. His book “Glow Kids: How Screen Addiction Is Hijacking Our Kids — and How to Break the Trance” (St. Martin’s) is out now.