Die Welt protestiert, das Regime schießt weiter: Unbeeindruckt von Appellen der UN, der Golfstaaten und des Papstes setzt Syriens Präsident Assad die brutalen Angriffe auf die Protestbewegung in seinem Land fort. Aktivisten zufolge starben am Sonntag fast 60 Menschen.
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Die Fernsehaufnahme eines arabischen Fernsehsenders zeigt Demonstranten in der Nacht zum Sonntag in einer unidentifizierbaren syrischen Stadt. Menschenrechtlern zufolge wurden am Sonntag fast 60 Menschen von Präsident Assads Armee getötet.
Trotz eindringlicher Appelle der Weltgemeinschaft hat die Armee des syrischen Regimes am Sonntag Menschenrechtlern zufolge mindestens 57 Zivilisten getötet. Allein 38 Menschen seien in der östlichen Provinzhauptstadt Deir al-Sor nahe der Grenze zum Irak ums Leben gekommen, berichtete eine Aktivistengruppe. Die Zahl der Toten kann den Angaben zufolge noch steigen.

Nur einen Tag nach der direkten Aufforderung von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon an Präsident Baschar al-Assad, die Angriffe auf die Protestbewegung in seinem Land zu beenden, rückte das Regime mit Panzern und Milizen in mehreren Städten ein, darunter auch die Oppositionshochburg Hama. Dort waren in der vergangenen Woche nach Angaben von Menschenrechtlern allein rund 300 Zivilisten getötet worden waren.

In Syrien gehen die Sicherheitskräfte seit März trotz internationaler Kritik mit massiver Gewalt gegen die Opposition vor, die Assad mit landesweiten Protesten zum Rücktritt zwingen will. Seit Beginn der Proteste vor knapp fünf Monaten haben syrische Sicherheitskräfte Menschenrechtlern zufolge mindestens 1600 Zivilisten getötet.

Nachdem sich Assad nach UN-Angaben monatelang einem Telefonat verweigert hatte, mahnte Ban den autokratischen Präsidenten am Samstag in einem direkten Gespräch, den Militäreinsatz gegen Zivilisten unverzüglich zu unterbinden. Assads Vorgehen gegen die Massendemonstrationen hat auch die bislang zögerlichen Regierungen der Türkei und Russland auf die Seite der Kritiker geholt. Der Außenminister der Türkei, einst enger Verbündeter der Regierung in Damaskus, sprach von einer inakzeptablen Entwicklung und kündigte einen Besuch in Damaskus für die kommende Woche an.

Papst appelliert an Syriens Regierung

Die Regierung in Syrien erwiderte, die Nachbarstaaten würden die Gewalt gegen den Staat ausblenden. Assad macht bewaffnete Gruppen und religiöse Fanatiker für die Unruhen verantwortlich.

US-Präsident Barack Obama, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel kamen nach Angaben der Regierung in Washington überein, sich weitere Schritte gegen Assad offenzuhalten. Die USA forderten ihre Bürger auf, das Land zu verlassen, solange dies noch möglich sei.

Erstmals verlangten auch benachbarte Golf-Staaten ein Ende der Gewalt. Der Golf-Kooperationsrat verlangte die Umsetzung ernsthafter, notwendiger Reformen, vermied aber eine direkte Kritik an Assad. Bislang hatten sich die Öl-Exporteure in der Region nicht zur Niederschlagung der Proteste geäußert. Teilweise haben sie ebenfalls mit Aufständen zu kämpfen, die durch die Rebellionen in Tunesien und Ägypten ausgelöst wurden.

Auch Papst Benedikt XVI. rief die Regierung und die Bevölkerung in Syrien dazu auf, die Gewalt zu beenden und zu einem friedlichem Miteinander zurückzukehren. Er verfolge "die dramatischen und zunehmenden Vorfälle der Gewalt" mit Besorgnis, sagte Benedikt in seiner wöchentlichen Predigt in Rom am Sonntag. Er forderte die Regierung in Damaskus auf, angemessen auf "die berechtigten Hoffnungen der Bürger" zu reagieren.

sueddeutsche.de/Reuters/dapd/aho/luk