Ob beim Streit-Thema EU, dem Verhältnis zu Deutschland oder dem Kampf gegen den Terrorismus: Die Positionen von Marine Le Pen und Emmanuel Macron sind völlig gegensätzlich. Die Vorsitzende des Front National und ihr sozialliberaler Kontrahent schenkten sich bei ihrem einzigen TV-Duell vor dem Finale der französischen Präsidentenwahl keinen Zentimeter.
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Die beiden französischen Präsidentschaftskandidaten Marine Le Pen und Emmanuel Macron
Vier Tage vor der Stichwahl war der Schlagabtausch am Mittwochabend ein Höhepunkt des Wahlkampfs. Für Macron ging es darum, sich nicht zu blamieren und seine Favoritenrolle nicht zu gefährden. Keine Kleinigkeit: Der 39-jährige Senkrechtstarter kandidiert zum ersten Mal überhaupt bei einer Wahl - und Le Pen ist als harte Debatten-Gegnerin berüchtigt. Für die Front-National-Kandidatin Le Pen galt es, Vorbehalte gegenüber ihren umstrittenen Positionen etwa zum Abschied vom Euro zu zerstreuen.

Der Schlagabtausch

Von Anfang an gingen die Kandidaten hart zur Sache, griffen sich scharf an, fielen sich ins Wort. Die zwei Moderatoren taten sich sehr schwer, die Debatte zu steuern. Kostprobe: Macron bezeichnete Le Pen als „Hohepriesterin der Angst“, Le Pen warf ihm vor:
Sie wollen Frankreich der Masseneinwanderung ausliefern.
Die französische Zeitung Le Figaro resümierte online:
Zweieinhalb Stunden Beschimpfungen.
Unversöhnliche Fronten

Macron und Le Pen haben komplett unterschiedliche Programme und Weltbilder. Ex-Wirtschaftsminister Macron setzt auf die Europäische Union und die wirtschaftsliberale Globalisierung. Le Pen setzt hingegen auf Abschottung und einen staatlichen Schutz der Wirtschaft, um das Land wieder in Schwung zu bringen. Auch von Europa und der Euro-Währung will die 48-Jährige sich lösen, um Frankreich wieder groß zu machen. Zu Macron sagte sie:
Das Frankreich, das Sie verteidigen, das ist nicht Frankreich, das ist ein Handelssaal.
Der frühere Investmentbanker hat seine Angriffe auf Le Pen seit einigen Tagen wohl auch deshalb zugespitzt, um Wähler aus dem linken Spektrum zu mobilisieren, die sein Programm skeptisch sehen. Er warnte etwa bei einer Rede am Montag, die Front National stehe für Nationalismus und gefährde die Freiheit.


Kommentar: Ach so. Selbst wenn diese Vorwürfe der Wahrheit entsprechen würden fragt sich ob Macros gewiefte und ekelhafte Unterwürfigkeit dem Psychopathen-Imperium gegenüber besser ist? Mit Sicherheit nicht...


Damit trat er Le Pens Strategie entgegen, die sich seit Jahren um ein gemäßigteres Image der Partei bemüht.

Vermintes Terrain: Algerische Kriegsverbrechen

Als Kandidaten der "Patrioten" versäumte es Le Pen nicht, einen wunden Punkt in der französischen Geschichte anzusprechen. Le Pen bewegte sich auf sicher geglaubtem Terrain, als sie ihrem Kontrahenten vorwarf, den Algerienkrieg als "Kriegsverbrechen" bezeichnet zu haben. Auch habe Macron dadurch potentielle Terroristen ermutigt, Frankreich anzugreifen. Macron erwiderte, dass es zur Versöhnung Frankreichs mit sich selbst notwendig sei, sich auch der Realität von französischen Kriegsverbrechen in Algerien zu stellen.

Macron nutzte die Gelegenheit und verwies darauf, dass es auch in der Verantwortung der Gesellschaft liege, wenn nicht "alle Franzosen" die gleichen Chancen erhielten und sich in Folge radikalisierten.

Projektionsfläche Deutschland

Le Pen nutzt das gute Verhältnis Macrons zu Deutschland immer wieder, um ihn anzugreifen. Sie wirft ihrem Gegner vor, sich Berlin unterwerfen zu wollen. Frankreich müsse seine Unabhängigkeit wiederfinden, lautet ihr Credo.
Frankreich wird auf jeden Fall von einer Frau geführt werden. Das werde entweder ich sein oder Frau Merkel“, meinte Le Pen in der TV-Debatte.
Macron hatte im Wahlkampf Kanzlerin Angela Merkel besucht, er wird offen von Berlin unterstützt. Der Ex-Minister hat keine Ressentiments und will mit Deutschland zusammenarbeiten, spart dabei Kritik etwa an den hohen Exportüberschüssen des wichtigen Nachbarn aber nicht nicht aus.

Und der Gewinner ist...

Laut einer ersten Umfrage ist Emmanuel Macron der klare Sieger. 63 Prozent der befragten Zuschauer hielten ihn für überzeugender, 34 Prozent sahen Le Pen vorn. Wichtig könnte sein, dass Macron auch bei den Anhängern des ausgeschiedenen Linkskandidaten Jean-Luc Mélenchon vorn lag. Der ist zwar gegen Le Pen, hatte seinen Anhängern aber keine Wahlempfehlung für die Stichwahl gegeben. Viele von ihnen sehen Macrons wirtschaftsliberale Positionen kritisch und erwägen, nicht zur Wahl zu gehen oder einen leeren Umschlag in die Urne zu werfen.


Verhältnis zu Russland

Auch das Verhältnis zu Russland war Thema während des Schlagabtauschs. Im Vorfeld war ausgiebig, über eine vermeintliche Einmischung der russischen Regierung in den französischen Wahlkampf spekuliert worden.


Kommentar: Wer hätte es gedacht! Die Russen sind an allem Schuld. Und wiedereinmal das altbekannte Spiel Russland die Schuld für die eigenen Missetaten in die Schuhe zu schieben:

Diese wies der russische EU-Botschafter Wladimir Tschischow zurück. Präsident Wladimir Putin unterstütze nach seinem Wissen keinen der Kandidaten, sagte der Diplomat am Mittwoch in Brüssel. Tschischow warf dem Kandidaten Emmanuel Macron zugleich einen wenig vorbildhaften Umgang mit der Pressefreiheit vor.
Ich war schockiert, als ich erfahren habe, dass die Pressestelle des Kandidaten drei russischen Medien die Akkreditierung verweigert hat. Ich denke nicht, dass das den Erwartungen an eine faire Behandlungen von Medien durch Politiker entspricht.
Zu den Medien, die nicht vor Ort über Veranstaltungen mit Macron berichten dürfen, gehören nach Angaben von Tschischow Sputnik und RT.


Wie stehen die Chance von Le Pen?

Die Debatte dürfte die Favoritenrolle des Ex-Wirtschaftsministers nicht ins Wanken bringen. Sein Vorsprung war zuvor leicht geschrumpft, Umfragen sahen ihn für die Stichwahl zuletzt aber immer noch bei 59 bis 60 Prozent der Stimmen. Es gibt aber nach wie vor Unsicherheitsfaktoren: vor allem die Wahlbeteiligung und mögliche Enthaltungen. Ein Großteil von Macrons Wählern erklärte in einer Umfrage des Cevipof-Zentrums, nur mangels Alternative für ihn zu stimmen. Und 29 Prozent der Franzosen wünschen sich weder einen Sieg Le Pens, noch Macrons. Begeisterung sieht anders aus. (dpa/rt deutsch)