Der US-Geheimdienst ist besorgt: Eine gefährliche El-Kaida-Gruppierung im Jemen will aus dem tödlichen Gift Ricin Bomben bauen. Die Terroristen wollen das Gift als tödliches Geschenk in Parfümflaschen in die USA schicken.
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Ein Extremist wirbt für die El Kaida im Jemen

Die Terrororganisation arbeitet laut einem Bericht der New York Times bereits seit einem Jahr daran, an große Mengen der Ricinussamen zu gelangen. Aus ihnen lässt sich das weiße, pulverige Gift Ricin herstellten. Ricin tötet besonders schnell: Nur eine kleine Prise führt zum Tod, wenn es eingeatmet wird oder in den Blutkreislauf des Opfers gelangt.

Nicht näher benannte Sicherheitskreise berichteten der New York Times, dass das Terrornetzwerk das Gift in einem Versteck in der Schabwa-Provinz im Jemen lagere. Das Gebiet wird von Aufständischen und Rebellen kontrolliert. Es gebe Hinweise darauf, dass das Gift dort hergestellt werde. Versehen mit kleinen Sprengsätzen könnten damit Anschläge in Einkaufszentren, Flughäfen oder U-Bahn-Stationen zu verübt werden.

Der US-Regierung ist die Bedrohung schon seit einem Jahr bekannt

Präsident Barack Obama und seine Sicherheitsberater wurden bereits vor einem Jahr über die Bedrohung durch die Gift-Bomben informiert. Es gebe zwar noch keine Hinweise darauf, dass ein Angriff mit den Ricin-Bomben unmittelbar bevorstehe, sagten Sicherheitsberater der New York Times. Sie vermuten, dass El Kaida große Probleme mit der Herstellung der Bomben haben dürfte. Das Ricin verliert seine tödliche Wirkung, wenn es extremer Hitze und Trockenheit ausgesetzt ist. Genau diese Bedingungen herrschen im Jemen.

Dennoch beobachtet das Weiße Haus die Situation im Jemen mit großer Sorge: „Die Bedrohung von Massenvernichtungswaffen, die von der El-Kaida-Gruppe im Jemen ausgeht, ist sehr, sehr real“, sagte Michael E. Leiter, früherer Leiter des Anti-Terrorzentrums der USA.

Von El-Kaida geht immer noch eine Bedrohung aus

Viele Sicherheitsexperten waren eigentlich davon ausgegangen, dass die Bedrohung durch El-Kaida in Pakistan nach dem Tod von Osama bin Laden schwinden würde. Zusätzlich hatte das US-Militär seine Drohnen-Angriffe gegen die Terroristen in den vergangenen drei Jahren ausgeweitet. Die Pläne eines Giftbomben-Anschlags unterstreichen nun aber erneut die Bedrohung, die immer noch von dem Terrornetzwerk ausgeht.

Die El-Kaida-Gruppe im Jemen hat bereits mehrmals öffentlich dazu aufgerufen, das tödliche Gift bei einem Anschlag gegen die USA einzusetzen. „Auch Brüder, die wenig Erfahrung mit Mikrobiologie haben, können mit etwas Grundwissen ein Gift wie Ricin herstellen“, schrieb die Terror-Gruppe auf ihrer englischsprachigen Website. Überschrift des Artikels: „Hinweise an unsere Brüder in den Vereinigten Staaten.“

Parfümflaschen als tödliches Geschenk

In den vergangenen Monaten hat die US-Regierung den Druck auf die jemenitische Regierung und die Terrorgruppe in dem Land erhöht. Laut dem Bericht kam es zu einer Reihe von Luftschlägen. Der US-Geheimdienst CIA baut zudem eine Basis in der Region, von der aus weitere Operationen gegen El Kaida im Jemen ausgeführt werden sollen.

Nach Angaben der Zeitung zeigten sich die Terroristen bei ihrem Umgang mit dem Gift äußert kreativ. Der saudi-arabische Sicherheitsdienst hat in Erfahrung gebracht, dass die Terroristen das Gift auch in Parfümflaschen abfüllen wollen. Diese Flaschen sollen dann als Geschenke an Regierungsmitglieder oder Militärs verschickt werden. Einen Hinweis, ob die Parfümflaschen jemals abgeschickt wurden, gibt es bislang aber noch nicht.

cp