Der Kleine Feuerfalter sei laut Biologe Josef Reichholf bereits verschwunden
Von den Bienen wissen wir es schon lange - aber auch Schmetterlinge sind als Bestäuber äußerst wichtig. Und auch sie sind vom Aussterben bedroht.

Seit Anfang der 1980er Jahre sei die Häufigkeit nachtaktiver Schmetterlinge an untersuchten Stellen im bayerischen Inntal um die Hälfte und die Anzahl der Arten um mehr als die Hälfte gesunken, sagt der Biologe Josef Reichholf.

Er hat im Auftrag der Deutschen Wildtier Stiftung einen Bericht erstellt, nach dem die Schmetterlinge vor allem auf landwirtschaftlichen Gebieten zurückgehen. Der Professor bestimmt seit 1969 die Häufigkeit der nachtaktiven Falter in seiner niederbayrischen Heimat.

Auf Feldern und Wiesen findet Reichholf viele der Schmetterlingsarten selten oder gar nicht mehr. Auf Äckern nahe dem Dorf Aigen am Inn zählte er nur etwa ein Drittel so viele Schmetterlinge wie am Rande der Münchner Innenstadt. In Wäldern sei der Rückgang der Schmetterlingsarten und -exemplare nicht so dramatisch.

Die Schmetterlinge haben nach Angaben von Reichholf eine wichtige Funktion bei der Bestäubung bestimmter Pflanzen und sind eine bedeutende Nahrungsquelle für Vögel. Viele stehen auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten.

Ursache für das Verschwinden der Schmetterlinge sind nach Reichholfs Ansicht vor allem der starke Maisanbau in Monokultur und die Überdüngung der Felder.

Thomas Schmitt vom Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut (SDEI) beobachtet den Rückgang der Schmetterlinge ebenfalls seit längerem, etwa im Moseltal, bei Düsseldorf oder in der Lüneburger Heide: "Wir gehen davon aus, dass bundesweit überall tendenziell dasselbe passiert, allerdings mit regionalen Unterschieden", sagte er bereits 2016.

Bundesweite Zahlen zum Rückgang der Schmetterlinge gibt es allerdings keine. Auch Bonner Zoologe Wolfgang Wägele bemängelt, dass es in Deutschland keine systematische Forschung zur Veränderung der Artenvielfalt gibt.

Der österreichische "Schmetterlingsreport" prangert die Missstände an

Eine deutschlandweite Untersuchung wäre also an der Zeit - wie es die Umweltorganisation Global 2000 in Österreich gemacht hat: Sie hat einen landesweiten "Schmetterlingsreport" ausgegeben - schon in zweiter Auflage (Tiere: Alarmierender Vogelschwund in Deutschland und Europa).

In ganz Österreich seien 50 Prozent der tagaktiven Schmetterlinge bedroht, mahnt der Bericht. Zugleich bescheinigt er für die Regionen Wien, Niederösterreich, das Burgenland und die Steiermark eine relativ hohe Artenvielfalt, verglichen mit dem Rest Europas.

Die Autoren prangern darin allerdings eine mangelhafte Dokumentation der Arten an - so seien die regionalen Roten Listen weitgehend auf Tagfalter beschränkt. Zudem gebe es auch hier ein Forschungsdefizit, was effektive Schutzmaßnahmen erschwere.

Als Hauptursachen für den Rückgang der Schmetterlinge nennt der Bericht vor allem die industrielle Landwirtschaft, Forstwirtschaft mit Monokulturen, Versiegelung von Flächen und künstliches Licht.