Seit Hunderten - vielleicht sogar Tausenden - von Jahren erzählen die mündlichen Überlieferungen der Heiltsuk, dass ihre Vorfahren vor langer Zeit zum Überleben in eine kanadische Küstenregion geflüchtet sind, die während der Eiszeit wärmer und eisfrei geblieben war. Nun scheinen Wissenschaftler diese vermeintliche Legende mit handfesten Funden bestätigen zu können.

© Joanne McSporran
Die Heiltsuk (auch Bella Bella genannt), sind ein Indianerstamm an der nordwestlichen Pazifikküste in British Columbia, Kanada. Sie gliedern sich in die Unterstämme der Bella Bella und Klemtu, wobei die Bella Bella die größere Gruppe bilden und ihre Regierung Heiltsuk Nation heißt. Und seit unzähligen Generationen wissen ihre Stammesgeschichten zu berichten, dass ihre frühen Vorfahren einst gezwungen waren, sich an der Küste Kanadas niederzulassen, um den frostigen Bedingungen während der Eiszeit zu entfliehen.

Nun haben offenbar Ausgrabungen auf Triquet Island, an der kanadischen Zentralküste von British Columbia, diese Behauptung bestätigen können, wie der lokale Nachrichtendienst CBC News berichtet. Archäologen um Dr. Alisha Gauvreau von der University of Victoria und ein Forscherteam vom Hakai Institute hatten dort im Jahr 2016 Ausgrabungen vorgenommen und mehrere Teile einer alten Siedlung entdeckt. Darunter geschnitzte Holzwerkzeuge und Holzkohle, in einer dünnen horizontalen Bodenschicht, einem sogenannten Paläoboden. Die anschließend durchgeführte Kohlenstoffdatierung ergab, dass die Fragmente ein Alter zwischen 13.613 und 14.088 Jahren aufweisen - also Tausende von Jahren älter, als die ägyptischen Pyramiden.

Diese Funde zählen zu den ältesten, die jemals in Nordamerika gefunden wurden. Bereits im Jahre 1977 wurden auf der Olympic-Halbinsel im Nordwesten des US-Bundesstaates Washington Artefakte entdeckt, welche die Besiedelung der Westküste 800 Jahre früher ansetzten. Es handelte sich um eine Speerspitze und die Rippenknochen eines Amerikanischen Mastodons (eine Rüsseltier-Art der ausgestorbenen Gattung Mammut), deren CT-Scans aus dem Jahr 2011 ein Alter von etwa 13.800 Jahren ergaben.

Diese neueste Entdeckung wird dazu beitragen, den Archäologen mit mehr Informationen zu versorgen, die dazu führen, zu erfahren, wie die nordamerikanischen Zivilisationen wie die Heiltsuk Nation entstanden. Sie zeigt aber auch, dass man vorsichtig sein sollte, uralte Überlieferungen voreilig als Mythen oder Phantasiegeschichten abzustempeln, denn bisher konnten viele von ihnen auch tatsächlich durch Funde belegt werden.