Ein Leopard hat am Freitagmorgen einen Pfleger des Chemnitzer Tierparks angegriffen. Der Mann konnte sich noch aus dem Käfig retten und wurde mit Bissverletzungen im Gesicht aufgefunden. Das Leopardenweibchen "Cleopatra" hatte schon 2006 eine Pflegerin angegriffen und getötet.

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"Cleopatra" hatte schon 2006 eine Pflegerin angegriffen. Die 23-Jährige überlebte den Angriff nicht. Das Leopardenweibchen soll Besuchern nun zunächst nicht mehr gezeigt werden und erst einmal zur Ruhe kommen.
Im Chemnitzer Tierpark ist ein Raubtierpfleger von einem Leopardenweibchen angegriffen und schwer verletzt worden. Wie die Chemnitzer Stadtverwaltung mitteilte, kam der Pfleger noch aus dem Gehege heraus und konnte die Türen hinter sich schließen. Eine Kollegin habe den unter Schock stehenden Mann, der Bissverletzungen im Gesicht hatte, aufgefunden und Erste Hilfe geleistet. Der 56-Jährige wurde operiert, Lebensgefahr besteht laut einem Stadtsprecher nicht. Die Auszubildende stand unter Schock und wurde ebenfalls ins Krankenhaus gebracht. Sie konnte inzwischen wieder entlassen werden.

Leopardenweibchen tötete schon eine Pflegerin

Der Vorfall ist nicht der erste dieser Art im Chemnitzer Tierpark. Schon 2006 hatte die Leopardin "Cleopatra" eine 23-jährige Tierpflegerin angegriffen und getötet. Auch der neue Angriff geht auf das 19 Jahre alte Leopardenweibchen zurück. Das Tier war damals nicht eingeschläfert worden.


Kommentar: Ein Zeichen, dass Raubtiere oder Tiere allgemein nicht in Gefangenschaft leben sollten, da es nicht ihrer natürlichen Umgebung entspricht.


Ordnungsbürgermeister Miko Runkel sagte auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz, er könne nicht sagen, ob das Tier nach diesem Vorfall eingeschläfert werden müsse. Die Tierärztin des Tierparks schätzt laut Runkel das Verhalten der Leopardin als normal ein. Ein Raubtier habe einen Jagdinstinkt und verteidige sein Revier. Auch 2004 hatte es einen ähnlichen Vorfall gegeben. Ein Löwe hatte eine Tierpflegerin angegriffen und schwer verletzt.

Der Tierpark war wegen des Vorfalls bis 13 Uhr geschlossen. Die Kripo hat die Ermittlungen aufgenommen. Wie es zu dem Unfall kam, ist weiter unklar. Die Vorschriften sehen vor, dass Tierpfleger nie zur gleichen Zeit mit den Tieren im Gehege sein dürfen. Wie die Leopardin dennoch den Tierpfleger anfallen konnte, sollen die nun laufenden Ermittlungen klären. Dem Pfleger war es offenbar gelungen, den Angriff des Tieres abzuwehren. Nach Angaben der Stadt ist der verletzte Zoomitarbeiter seit 29 Jahren bei den Raubtieren beschäftigt und erfahren im Umgang mit Pflege und Fütterung.

Doch nicht nur Tierpark Chemnitz ist es in der Vergangenheit mehrfach zu Unfällen mit Raubtieren gekommen. Im September vergangenen Jahres war ein Löwe im Zoo Leipzig ausgebrochen. Er wurde anschließend erschossen. Inzwischen wurden die Sicherheitsvorkehrungen in dem Gehege erhöht.

Peta: "Leoparden haben einen natürlichen Freiheitsdrang"

Die Tierrechtsorganisation Peta übte Kritik an der Haltung von Großkatzen in Zoos. "Leoparden haben einen natürlichen Freiheitsdrang. Durch die artwidrige Haltung in viel zu kleinen Gehegen in Zoos und Tierparks nutzen die Großkatzen jede Gelegenheit, ihrem Gefängnis zu entkommen", erklärte die Biologin Yvonne Würz. "Bestimmte Tiergruppen wie Großkatzen, Eisbären oder Menschenaffen leiden immens unter der Gefangenschaft und stellen eine permanente Gefahr für Besucher und Zoopersonal dar."

Peta verwies auf weitere Vorfälle in deutschen Zoos: "2013 tötete ein Tiger einen Tierpfleger im Allwetterzoo Münster; im Jahr zuvor wurde eine Wärterin im Kölner Zoo ebenfalls von einem Tiger getötet." Seit Anfang 2012 seien mindestens sieben Mal Großkatzen aus Gehegen entkommen, zuletzt 2017 ein Luchs aus der Zoom Erlebniswelt in Gelsenkirchen.

Quelle: PM/dpa/MDR/ma/kb/mwa