Die Entstehungszeit der Karte des osmanischen Generals Piri Re'is liegt um das Jahr 1500 und verzeichnet den Küstenverlauf Südamerikas nur wenige Jahre nach der neuzeitlichen Entdeckung Amerikas durch europäische Seefahrer dennoch sehr viel genauer, als diese sie damals kennen konnten. In ihrem neuen Buch führt die Wissenschaftsjournalistin Susanne Billig die Karte des Piri Re'is als ein Beispiel für das vielfach vergessene Wissen der Araber auf. Grenzwissenschaft-Aktuell verlost 3 Exemplare des Buchs.

© chbeck.de
Buchcover „Die Karte des Piri Re’is“ vor dem Hintergrund der Karte.
München (Deutschland) - Die Autorin zeigt, dass wohl arabische Vorlagen der Karte des Generals wahrscheinlich sind, denn - so erläutert es der Pressetext zum Buch, "schon Jahrhunderte vor den Europäern konnten die Araber Längen- und Breitengrade verlässlich ermitteln und exakte Karten zeichnen".

In ihrem Buch führt die Autorin anhand zahlreicher Abbildungen in die arabische Astronomie, Nautik, Kartografie und Seefahrt ein und zeigt, wie dieses Wissen von den damals technisch rückständigen Europäern übernommen wurde, diese aber seine arabische Herkunft verschleierten. In ihrem Schlusskapitel fordert Sie zugleich einen wissenschaftshistorischen "Perspektivwechsel" auf der Grundlage der Forschungen des Orientalisten Fuat Sezgin, die im Buch erstmals einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Sezgin ist schon seit Jahren darum bemüht, das "überkommene und oft mit Diskriminierung und Ignoranz getränkte Bild der europäischen Wissenschaftsgeschichte zu öffnen und auch einer breiteren Öffentlichkeit eine wahrheitsgetreue und kulturgerechte Perspektive auf den großen Beitrags der arabisch-islamischen Kultur zur Geistesgeschichte der Menschheit" bekannt zu machen.

Tatsächlich sind die Errungenschaften der Araber nicht nur auf den Gebieten der Astronomie, Kartografie, Nautik, und Seefahrt, sondern in der Mathematik, Geomtrie, Medizin und Philosophie selbst vielen westlichen Forschern und Wissenschaftlern geschweige denn der breiten Öffentlichkeit heute kaum mehr bekannt.(Nicht umsonst wurden in Europa im 12. Jahrhundert die römischen Ziffern von der indisch-arabischen Schreibweise abglöst, deren modern Variante wir heute noch nutzen.)

Mehr noch: zahlreiche dieser Errungenschaften, wie etwa die Entdeckung des kleinen Blutkreislaufs schon im 12. Jahrhundert durch den Syrer Ibn an Nafis, wurden von westlichen Wissenschaftlern und Historikern nach und nach fälschlicherweise sogar westlichen Gelehrten zugeschrieben und fielen spätestens im 19. Jahrhundert einer sich im Abendland ausbreitenden antiarabischen Stimmung zum Opfer, obwohl die historischen Quellen eindeutig waren - und sind.