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Eine alte Tätowierung hat bei einer jungen Frau für großen Schrecken gesorgt.
Krebs-Schock wegen Tattoo

Schock für eine junge Frau aus Australien: Nachdem die 30-jährige geschwollene Lymphknoten unter ihren Armen entdeckt hatte, gingen die Ärzte von einer Krebserkrankung aus. Das lag nahe, denn die Lymphknotenschwellung bestand schon länger und konnte weder auf eine Entzündung noch auf eine Infektion zurückgeführt werden. Doch die genaue Untersuchung eines Knotens brachte Erstaunliches zu Tage: Denn es waren keine Krebszellen, sondern Farbpigmente eines alten Tattoos, die für das Entstehen der Geschwulst verantwortlich waren. Der ungewöhnliche Fall wurde nun im Fachmagazin "Annals of Internal Medicine" veröffentlicht.

Tattoo-Trend ist ungebrochen

Tattoos nach wie vor ein Massentrend. Knapp jeder Zehnte hat hierzulande laut der Stiftung Warentest eine Tätowierung, bei den unter 16- bis 29-Jährigen sogar fast jeder vierte. Dass die Verzierungen des Körpers ein böses Nachspiel haben können, hat nun eine Frau aus Australien erlebt. Die 30-jährige hatte unter ihrem Armen kleine Knubbel entdeckt, fühlte sich aber ansonsten völlig gesund. Nach weiteren Untersuchungen deutete jedoch alles auf einen bösartigen Tumor hin - ein Schock für die junge Patientin. Doch am Ende kam alles anders, denn es stellte sich heraus, dass eine 15 Jahre alte Tätowierung für die Verdickungen unter den Achseln verantwortlich war.

Keine weiteren Symptome

Die Frau kam dem Bericht zufolge in die Klinik, nachdem sie unter ihren Armen geschwollene Lymphknoten ertastet hatte. Sie hatte keine anderen Beschwerden wie Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust oder Husten und erschien abgesehen von den kleinen Knoten unter der Achsel als gesund. Eine Röntgenuntersuchung zeigte jedoch weitere geschwollene Lymphdrüsen, unter anderem in der Lunge.

Mediziner entfernen die schwarze Geschwulst

Da die Lymphknoten bei der Patientin schon länger vergrößert waren und keine Infektionskrankheit oder Entzündung vorlag, vermuteten die Ärzte eine ernste Ursache: "Zu 99 Prozent handelt es sich hier um Krebs", so der behandelnde Arzt, Dr. Christian Bryant, laut dem Sender "CNN". Die Mediziner vom Royal Prince Alfred Hospital in Sydney entfernten einen der Lymphknoten und förderten eine gruselig aussehende, schwarze Geschwulst zu Tage. Doch eine genaue Untersuchung brachte ein überraschendes Ergebnis: Der Grund für die geschwollenen Knoten waren nicht etwa Krebszellen, sondern die Tinte eines 15 Jahre alten Tattoos, welches den Rücken der Frau bedeckte.

Immunzellen überwachen die Haut

Doch wie kann das sein? Wie die Experten erläutern, hatte das Immunsystem der Patientin offenbar auf die Tätowierung reagiert. "Die Haut hat ihre eigenen Immunzellen, die immer die Haut überwachen", so Dr. Bill Stebbins, Direktor der kosmetischen Dermatologie am Vanderbilt University Medical Center.

Nachdem die Immunzellen die Tattoo-Tinte "entdeckt" und als Fremdsubstanz identifiziert hatten, nahmen sie diese auf und versuchten, sie zu zerstören. Doch das gelang nicht, da die Farbpigmente zu groß für die Zellen waren. In der Folge waren die Pigmente der Tattoo-Farben als Nanopartikel durch den Körper gewandert und hatten sich über die Jahre hinweg in den Lymphknoten angereichert - bis am Ende dunkle, große Geschwulste entstanden.

Auslöser für die Reaktion bleibt unbekannt

Warum die Reaktion erst 15 Jahre nach der Tätowierung einsetzte, sei jedoch ein Rätsel. Die Mediziner hätten nicht eindeutig klären können, was der Auslöser dafür war, sagte Bryant. Die Patientin habe zwar angegeben, dass ihre Tätowierungen gelegentlich Juckreiz verursachten, allerdings nur für ein paar Tage jeden Monat. Die Art der entzündlichen Reaktion in ihren Lymphknoten - Granulom genannt - sei jedoch nicht in ihrer Haut gefunden worden.

Für Bryant und seine Kollegen ein absolut ungewöhnlicher Fall - und das erste Mal, dass sie so etwas gesehen haben, teilt "CNN" mit. "Die meisten Leute, die Tattoos haben, haben absolut keine Probleme", so Bryant. "Wir führen in unserer Praxis jede Menge Tattooentfernungen mit Laser durch, und manchmal sehen wir Menschen, die allergische Reaktionen auf die Tinte entwickeln", erklärt der Direktor des Juva Skin and Laser Centers in Manhattan, Dr. Bruce Katz. Diese Reaktionen würden jedoch zu roten und nicht zu schwarzen Pigmentierungen führen.

Keine weitere Gefahr für die Patientin

Laut dem Bericht sei die Lymphknoten-Schwellung der Frau inzwischen zurückgegangen. "Die Dame wird keine größeren Schwierigkeiten mehr haben. Das heißt, wir können den Fall mit Interesse betrachten, ohne uns traurig zu fühlen", sagte Bryant. "Das kommt in meinem Job nicht oft vor", so der Mediziner.

Juckreiz und Entzündungen durch Tattoo-Farben

Experten warnen immer wieder vor Gesundheitsgefahren durch Tätowierungen. Nicht selten treten Blutungen auf und häufig kommt es zu allergische Reaktionen gegenüber den Pigmenten in den Farben, die sich durch juckenden Hautausschlag oder sogar schwere Entzündungen äußern können. Dementsprechend sollte die Tätowierung unbedingt von einer qualifizierten Person durchgeführt werden und nur unter strengen hygienischen Bedingungen.

Darauf sollten Sie bei Tätowierungen achten

Doch was kennzeichnet einen guten Tätowierer? Bei der Auswahl des Studios sollte vor allem auf die Hygiene geachtet werden. Gucken Sie also genau hin, ob der Tätowierer frische Einmalhandschuhe trägt und steriles (nicht destilliertem) Wasser zur Verdünnung der Farben verwendet werden. Ebenso sollte ein sauberer Arbeitsplatz selbstverständlich sein.

Instrumente und Materialien wie Nadeln, Papierhandtücher, Tupfer für Hautverletzungen etc. sollten generell nur als Einmalmaterial zum Einsatz kommen. Einen seriösen Tätowierer erkennt man außerdem daran, dass er nicht sofort drauf los "sticht", sondern den Kunden zunächst gründlich berät und über mögliche Risiken aufklärt.

(nr)