Forscher untersuchen das Grab eines Wikinger-Kämpfers und finden: eine Frau. Sie war vermutlich sogar eine Anführerin im Heer.

© Russell Young/Global Look Press
Der Krieger war mit allem ausgerüstet, was man so braucht für die letzte große Reise. Dem Grab war ein Schwert beigelegt, eine Axt, ein Kampfmesser, zwei Schilde. Mit ihm fanden seine beiden Pferde die letzte Ruhe - ein Wikingergrab wie aus dem Bilderbuch. Doch jetzt wurde eine Tatsache bekannt, die nicht so recht zum Klischee passt: Der Krieger war mit ziemlicher Sicherheit eine Frau!

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts war die Fundstätte Bj581 in der Wikingerstadt Birka in Schweden entdeckt und ausgegraben worden. Mehr als 3000 Gräber sind an dem Ort bekannt, ungefähr 1100 sind geöffnet. Doch Bj581 galt wegen seines guten Erhaltungszustandes und der reichen Ausstattung als exemplarisches Beispiel eines Kriegergrabes aus der Mitte des 10. Jahrhunderts.

In der DNA fehlt unter anderem das Y-Chromosom

Und natürlich ging man davon aus, dass es sich um einen Mann handelte. Was denn sonst? Mythologische Berichte über Walküren und andere grimmige, kämpfende Wikinger-Frauen wurden von Archäologen als Märchen abgetan.

Beim fraglichen Grab in Birka kamen erst in den vergangenen Jahren Zweifel auf, als sich Forscher die Knochen des Skeletts genauer ansahen. Aufbau und bestimmte Formen sahen eher weiblich aus. Gen-Analysen eines Teams um Charlotte Hedenstierna-Jonson von der Universität Stockholm kamen nun zu einem endgültigen Urteil. In der DNA fehlt unter anderem das Y-Chromosom.

Ein eindeutiger Beleg, dass es sich hier um eine Frau handelt (Physical Anthropology). Mehr noch: Vermutlich war die Kriegerin sogar eine Anführerin im Heer. Darauf deutet insbesondere der Fund von Spielsteinen hin, mit deren Hilfe die Wikinger bekannterweise Strategien für die Schlacht entwickelten.