Das Chichén Itzá der Maya und das Tula der Tolteken waren die Zentren verschiedener Zivilisationen, die vor allem auch zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Regionen lebten. Sie sprachen sogar völlig verschiedene Sprachen und dennoch gibt es etwas, das beide Städte verband: Der geheimnisvolle Chak Mo'ol.

Chak Mo'ol-Statue aus Tenochtitlan
Der Chak Mo'ol (auch Chac Mool oder Chac M'ol; auf Maya etwa Roter Jaguar oder Großer Jaguar) ist eine unverwechselbar Statue, die überwiegend in zwei mittelamerikanischen Regionen gefunden wurde: Tula, der Heimat der Tolteken-Zivilisation, nahe des heutigen Mexico City, und Chichén Itzá, fast zwölfhundert Kilometer weiter östlich auf der nördlichen Halbinsel Yukatan, tief im Maya-Gebiet. Was ist aber der Chak Mo'ol überhaupt? Es ist eine dreidimensionale, freistehende und lebensgroße Figur, die aus einem einzigen Stein herausgearbeitet wurde. Er wird stets auf dem Rücken dargestellt, Füße und Ellenbogen nach unten, Bauch horizontal, Knie und Brust zurückgelehnt, den Kopf hoch und um 90 Grad gedreht. Die Details der Statue variieren aber die Form an sich bleibt ziemlich konstant. Welchen Namen die Maya und Tolteken für diese als Figur verewigte Gestalt hatten, ist uns nicht bekannt.


Chak Mo'ol-Statue aus Tula
Es war Augustus Le Plongeon (1825 - 1908), ein britisch-amerikanischer Fotograf und Antiquar, der den Namen Chak Mo'ol im Jahre 1875 ins Spiel brachte, als er eine dieser Figuren ausgrub und sie (irrtümlich) als einen Fürstenkrieger mit diesem Namen hielt, der einst in Chichén Itzá herrschte. Insgesamt haben die Archäologen bisher 14 solcher Figuren in Chichén Itzá, 12 in Tula, und ein paar andere an folgenden verschiedenen Orten verstreut gefunden: Tenochtitlan (Templo Mayor), Michoacan, Queretaro, Acolman und Tlaxcala, alle in der Nähe von Tula. Dann in Quirigua (Guatemala), Tazumal (El Salvador) und Las Mercedes (Costa Rica).

Chak Mo'ol-Statue aus Michoacan
Die Statuen in Chichén Itzá variieren in Größen und Stil und wurden auf ein Alter zwischen 800 bis 900 n. Chr. datiert, die aus Tula stammen aus der Zeit um 900 bis 1200 n. Chr. und sind sich im Aussehen viel ähnlicher, als die der Maya. Ihre eigentliche Funktion ist unbekannt aber aufgrund ihrer Platzierung und Ikonographie waren sie wahrscheinlich mehr als nur ein Kunstwerk. Wahrscheinlich hatte die Figur einen religiösen oder opferrituellen Zweck. Mindestens drei Chak Mo'ol aus dem Tula-Gebiet besitzen Gravierungen, die auf Tlaloc, dem aztekisch-toltekischen Regengott, hinweisen. Und Abbildungen auf Statuen aus Chichén Itzá scheinen Chac-Symbole darzustellen, Chac wiederrum war der Regengott der Maya. Aber warum es diese Konzentration von Chak Mo'ol-Statuen an diesen beiden Orten gibt und welche Verbindung es nun zwischen Chichén Itzá und Tula gab, ist ein Rätsel.

Chak Mo'ol-Statue aus Chichén Itzá