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Ein älterer BBC-Angestellter sagte zu der Zeit: “Ehrlich gesagt dachte ich immer, dass er ein schrecklicher Mann war. Wir wussten alle, dass er etwas im Schilde führte – wir wussten nur nicht was es war”
Es sind Zahlen des Grauens: Über einen Zeitraum von 40 Jahren soll der vor etwa zwei Jahren verstorbene BBC-Moderator Jimmy Savile 214 Opfer missbraucht haben - im Alter zwischen acht und 47 Jahren. Tatorte waren auch Kinderheime, Hospize und Krankenhäuser.


Für sein soziales Engagement wurde er 1990 zum Ritter geschlagen. Vor allem Kinder lagen dem BBC-Moderator Jimmy Savile am Herzen. In seiner Show „Jim’ll fix it“ erfüllte er von 1975 bis 1994 Kindern außergewöhnliche Wünsche. Doch Saviles Kinderliebe ging entschieden zu weit. Der verstorbene Moderator war pädophil. Jetzt gibt es erstmals Opferzahlen zu einem der größten Missbrauchsskandale Großbritanniens.

Ein Ermittlungsbericht der Polizei fördert nun erstmals das ganze Ausmaß seiner Verbrechen zutage gefördert. Der am Freitag veröffentlichten Untersuchung zufolge hat der einstige TV-Star zwischen 1955 und 2009 mindestens 214 Sexualstraftaten begangen. Tatorte waren zum Teil das Gelände der BBC, aber auch Krankenhäuser und sogar Heime für psychisch Kranke und Hospize. Die meisten Fälle ereigneten sich in den 60er- und 70er-Jahren. Scotland Yard spricht von „Missbrauch in noch nie dagewesenem Ausmaß“. Sein jüngstes Opfer war dem Bericht zufolge erst acht Jahre alt, sein ältestes 47.

Beerdigung im goldenen Sarg

Doch warum, wurde der Missbrauchsskandal um Savile erst so spät aufgedeckt? Im Alter von 84 Jahren war der Moderator im Oktober 2011 in seinem Haus gestorben. Seine Beerdigung glich einem Staatsakt. Hunderte Menschen sammelten sich am Straßenrand. Der Moderator wurde in einem goldenen Sarg begraben- und zwar im 45-Grad-Winkel, damit er von seinem Grab auf dem Woodlands Cemetary in Scarborough aus das Meer sehen könne.

Etwa ein Jahr später enthüllte eine TV-Dokumentation die Verbrechen des „Top-of-the-pops“-Moderators. Dort trauten sich hunderte Opfer erstmals vom Missbrauch durch Savile zu berichten. Jetzt, zwei Jahren nach Saviles Tod, legten die britischen einen ersten Bericht über die Ermittlungen und die Opferzahlen vor.

Auch andere Altstars in den Missbrauchsskandal verwickelt

Im Zuge der Ermittlungen zum Fall Savile wurden auch die Verwicklungen zahlreicher anderer britischer Berühmtheiten deutlich. Der frühere Popstar Garry Glitter soll von Saviles Taten gewusst haben. Auch Glitter wurde mehrfach wegen dem Besitz von Kinderpornografie und dem Missbrauch Minderjähriger verurteilt. Auch der britische Comedian Freddie Starr ist in den Fall verwickelt. Ihm wird vorgeworfen nach der Aufzeichnung von Saviles Show „Clunk Click“ ein 14-jähriges Mädchen vergewaltigt zu haben. Anfang November wurde er deswegen verhaftet. Opferanwälte forderten jüngst, dass Saviles Erbe als Entschädigung an die Opfer gehen solle. Das offizielle Erbe des Moderators beträgt allerdings nur etwa fünf Millionen Euro, was bei seiner sparsamen Lebensweise für Spekulationen sorgt. Es wird vermutet, dass Savile viel Geld auf Schwarzkonten geschafft habe. Aber das ist im Vergleich zu den Anschuldigungen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern ein verhältnismäßig nichtiger Vorwurf.

jba/kjo/dpa