Tontafeln mit bislang unbekannten Passagen des Gilgamesch-Epos, eine der ältesten überlieferten schriftlich fixierten Dichtungen der Menschheit, gehören zu dem höchst bemerkenswerten Fund altorientalischer Keilschrifttexte aus dem 7. Jahrhundert vor Christus, die derzeit an der Universität Heidelberg entziffert werden.
Tontafel, Gilgamesch-Epos
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Archiv: Bereits bekannte Tontafel mit Gilgamesch-Epos.
Heidelberg (Deutschland) - Forscher um den Heidelberger Assyriologen Prof. Dr. Stefan M. Maul wollen in einem auf drei Jahre angesetzten Forschungsvorhaben diesen und zahlreiche andere Textfunde entziffern, abschließend in einer arabisch-deutschen Edition zugänglich machen und damit auch die Kooperation von irakischen und deutschen Wissenschaftlern wieder beleben und zugleich die Altorientalistik in der dortigen Region erneut fördern.

Die Fundstücke stammen aus den Ruinen der assyrischen ehemaligen Königsresidenz Assur im heutigen Irak und gelangen der "Deutschen Orient-Gesellschaft". Hier wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts rund 11.000 Tontafeln und Tontafelfragmente aus mittel- und neuassyrischer Zeit (circa 1600 bis 612 vor Christus) gefunden. Sie enthalten Texte ganz unterschiedlichen Inhalts in sumerischer, assyrischer und babylonischer Sprache. "Den kulturgeschichtlich wohl bedeutsamsten Fund", erläutert Prof. Maul, "barg ein Privathaus, das als 'Haus des Beschwörungspriesters' bekannt geworden ist und die Reste einer Gelehrtenbibliothek enthielt. Der irakische Antikendienst konnte dort nach 70-jähriger Unterbrechung der Grabungen von 1979 an noch einmal 150 Tafeln sicherstellen. Darunter befinden sich mehrere Tafeln mit bisher unbekannten Passagen des Gilgamesch-Epos, das zu den ältesten Werken der Weltliteratur zählt."

Neben den Bruchstücken dieses Epos gehören zu dem Textbestand der Edition weitere literarische Texte - darunter eine bisher nicht bekannte Fassung des sogenannten "Pessimistischen Dialogs" - sowie astronomische und astrologische Handbücher, medizinische Texte und Dokumente privatrechtlichen Inhalts wie Kauf- und Darlehensurkunden.

Zudem sei das neue Forschungsvorhaben mit weiteren Projekten von Stefan Maul gut vernetzt, berichtet die Pressemitteilung der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (uni-heidelberg.de). Dazu zählen vor allem das an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften angesiedelte Langzeitvorhaben "Edition literarischer Keilschrifttexte aus Assur" sowie Projekte zur inhaltlichen Analyse dieser Texte in zwei Sonderforschungsbereichen und im Exzellenzcluster "Asien und Europa" der Universität Heidelberg.

Wie Stefan Maul erläutert, dient das von der Henkel-Stiftung geförderte Vorhaben "auch der Unterstützung der durch Boykott und Krieg darniederliegenden irakischen Altorientalistik, die für die nationale Identitätsbildung von großer Bedeutung ist." So sollen irakische Wissenschaftler und Museumsmitarbeiter in die Forschungstätigkeit einbezogen werden. Dr. Mohamed Nouri, ein irakischer Doktorand von Prof. Maul, wird während regelmäßiger Aufenthalte im Irak-Museum in Bagdad die zu edierenden Tontafeln, die bislang nur durch Photographien zugänglich sind, im Original studieren. Das Forschungsvorhaben wird von einem Kooperationsvertrag mit der Universität Bagdad flankiert.


Quelle: uni-heidelberg.de