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Der Bonner Bombenleger ist verschwunden, die Polizei ermittelt in alle Richtungen. Nach Informationen des "SPIEGEL" wachsen die Zweifel an einem islamistischen Hintergrund für die Tat. Gleichzeitig rätseln die Ermittler, warum der Bombe ein Zünder fehlte.

Der Verdacht fiel schnell auf die Salafisten in der Stadt: Nachdem ein Unbekannter vor einem Monat einen Tasche mit einer Bombe auf einem Bahngleis des Bonner Hauptbahnhofs abgestellt hatte, fahndete die Polizei vor allem in der radialislamistischen Szene. Der SPIEGEL berichtet nun, dass die Zweifel an einem islamistischen Hintergrund bei den Ermittlungen wachsen.

Das BKA habe die Ermittlungen "in alle Richtungen" ausgeweitet, berichtete das Magazin unter Berufung auf einen vertraulichen Lagebericht. Die Bundesanwaltschaft habe inzwischen das neugegründete Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus eingeschaltet, um mögliche Spuren in die rechtsextreme Szene zu ermitteln. Denkbar sei aber auch ein unpolitisches Motiv, etwa eines Erpressers oder einer "psychisch erkrankten Person".

Bislang rätseln die Ermittler, wer am 10. Dezember eine blaue Tasche mit einer Bombe darin am Bonner Hauptbahnhof abgestellt hat. Zwar fanden die Fahnder daran DNA-Spuren. Diese konnten sie aber keiner Person zuordnen. Wichtige Hinweise lieferte eine Videoaufnahme einer Überwachungskamera eines Schnellrestaurants am Bahnhof. Darauf zu sehen ist ein bärtiger Mann mit Mütze und Handschuhen, den die Ermittler derzeit im Verdacht haben, der Bombenleger zu sein. Weitere gespeicherte Bewegtbilder gibt es allerdings nicht. Der Grund: Am Bonner Hauptbahnhof fand bis zu dem Bombenfund lediglich eine Live-Überwachung statt, die Aufnahmen der Kameras wurden jedoch nicht aufgezeichnet.

Dilettantische Bombenbauer?

Ein minderjähriger Zeuge hatte kurz nach der Tat eine Täterbeschreibung abgegeben und gab an, Omar D., einen in Mogadischu geborenen 28-Jährigen, zu "90 Prozent" auf einem Foto wiederzuerkennen. Bei einer zweiten Sichtung der Bilder war sich der Schüler nur noch zu 50 Prozent sicher. Eine Hausdurchsuchung bei D. ergab keine Hinweise auf eine Verbindung zu der Tat.

Ein zweiter Verdächtiger, Mounir T., 29, war ins Visier der Fahnder geraten, weil sich ein Mobiltelefon, das er in der Vergangenheit benutzt hatte, zur Tatzeit in die Funkzelle am Bonner Hauptbahnhof eingeloggt hatte. Allerdings ist T. seit Monaten verschwunden, Experten vermuten ihn in Somalia und neigen zu der These, sein Mobiltelefon werde inzwischen von jemand anderem benutzt.

Bislang waren die Ermittler davon ausgegangen, dass die Bonner Bombe tatsächlich hätte detonieren können. Sie sei nur wegen eines Baufehlers nicht explodiert. Jetzt wurde aber deutlich, dass die Bombe gar nicht hätte explodieren können: Ihr fehlte der Zünder. Aber konnten die Bombenbauer zwar einen hochgefährlichen Sprengsatz herstellen, aber keinen dafür tauglichen Auslöser? Über die Antwort auf diese Frage können die Ermittler bislang nur rätseln. Könnte es eine Demonstration der Stärke von Islamisten sein? Seht her, was wir können, diesmal habt ihr noch Glück gehabt? Dagegen spricht, dass es bis heute kein Bekennerschreiben gibt. Die Fahnder neigen zur Annahme, dass der Bombenbastler an seinen unzulänglichen handwerklichen Fähigkeiten scheiterte.

Doch je länger die Ermittlungen dauern, desto größer wird die Nervosität: Kurz vor Silvester überprüften Polizisten zwei bekannte Islamisten am Bahnhof in Stolberg bei Aachen, da sie vermuteten, die beiden spähten die Autos aus. Die Bundespolizei verstärkte die Überwachung der Bahnhöfe im Rheinland und im Rhein-Main-Gebiet massiv. Einer Analyse des BKA zufolge sei "zu befürchten, dass die Tat eine Wiederholung erfahren könnte".

hei