Kommentar: Dies ist der Folgeartikel zum Artikel Die dunkle Seite des Weizens.


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Eine Warnung vor Gluten

Nachdem Zöliakie in das Pantheon der medizinisch offiziellen Krankheiten zugelassen wurde und Gluten-Intoleranz nicht länger eine Randerscheinung medizinischer Konzepte ist, ist die Zeit gekommen, die Aufmerksamkeit auf eine mächtige kleine Chemikalie in Weizen zu lenken, die als Weizenkeim-Agglutinin (WGA, von engl. Wheat Germ Agglutinin) bekannt ist. Sie ist für viele der tiefgreifenden und schwer zu diagnostizierenden krankmachenden Effekte von Weizen verantwortlich. WGA streut nicht nur Sand in das Getriebe unserer Annahmen über den Hauptgrund für Weizenunverträglichkeit, sondern es zieht auch den Teppich unter dem Lieblings-Aushängeschild der Gesundheitsnahrungs-Industrie hinweg: "Vollkorn", inklusive seiner gekeimten Form, weil WGA dort in höchster Konzentration gefunden wird.

Vom Radar der konventionellen serologischen Antikörpertestung auf verschiedene Gluten-Proteine und Testung auf Anfälligkeit für genetische Krankheiten bleibt das Problem mit dem Lektin WGA fast gänzlich versteckt. Lektine werden - obwohl sie in allen Getreiden, Saaten, Hülsenfrüchten, Milchprodukten und auch unseren geliebten Nachtschattengewächsen (Tomate und Kartoffel) enthalten sind - nur selten in Zusammenhang mit Gesundheit oder Krankheit erwähnt, obwohl ihr Vorhandensein in unserer Nahrung sowohl die Qualität als auch die Dauer unseres Lebens stark schmälern können.

Obwohl im letzten Jahrzent beim Aufzeigen der dunklen Seite des Weizens ein großer Fortschritt gemacht wurde, erhält Gluten einen überproportional großen Anteil an Aufmerksamkeit. Wegen dem Faktum, dass moderner Brotweizen (Triticum Aestivum) eine Hexaploid-Spezies ist, die drei verschiedene Chromosomensätze enthält, die gut über 23 000 einzigartige Proteine produzieren können, ist es nicht weiter verwunderlich, dass wir erst heute beginnen, die Komplexitäten der vielen Geheimnisse dieser Pflanze aufzurollen[1]. Was so einzigartig an dem Glycoprotein WGA ist, ist, dass es auch ohne genetische Anfälligkeit und/oder Immunreaktionen direkten Schaden an der Überzahl an Geweben im menschlichen Körper anrichten kann. Das mag erklären, warum chronisch entzündliche und degenerative Krankheitsbilder bei der Weizen konsumierenden Bevölkerung vorherrschend sind, selbst wenn offensichtliche Allergien oder Gluten-Intoleranzen extrem selten erscheinen. Das zukünftige Schicksal der Weizenkonsumenten - und damit auch ihrer Gesundheit - kann größtenteils damit zusammenhängen, ob die giftigen Eigenschaften von WGA allgemein bekannt werden.

Die Natur hat für alle Spezies eine Reihe von Abwehrmechanismen ausgetüftelt, obwohl nicht alle so offensichtlich wie die Dornen einer Rose oder das Horn eines Rhinozerus sind. Pflanzen haben keine von Zellen ausgehende Immunität wie das bei höheren Lebensformen (wie bei den Ameisen) der Fall ist, noch haben sie ein von Antikörpern getriebenes sekundäres Immunsystem (wie das bei den Wirbeltieren mit Kiefern der Fall ist). Sie müssen sich auf eine viel einfachere, innewohnende Immunität verlassen. Aus diesem Grund haben Saaten aus der Familie der Gräser (z.B. Reis, Weizen, Dinkel, Roggen, etc.) außerordenlich hohe Konzentrationen von abwehrenden Glycoproteinen, die unter dem Namen Lektine zusammengefasst werden. Kochen, Keimen, Vergärung und Verdauung sind die traditionellen Arten, mit denen ein Mensch mit den verschiedenen Anti-Nährstoffen dieser Pflanzenfamilie umgehen kann. Aber Lektine sind mit Absicht besonders gegen Abbau durch einen großen pH- und Temperaturbereich resistent.

WGA-Lektin ist ein ungemein zäher Gegner, weil es aus denselben Disulfidbrücken aufgebaut ist, die auch vulkanisierten Gummi und Haare so widerstandsfähig, flexibel und beständig machen. Wie menschengemachte Pestizide sind Lektine extrem klein, durch lebende Systeme schwer abbaubar, und neigen dazu, sich anzusammeln und in Gewebe einzubauen, wo sie biologische Prozesse unterbinden. WGA-Lektin ist als Insektizid in der Tat so mächtig, dass Biotechnologie-Firmen rekombinante DNS-Technologie eingesetzt haben, um genetisch modifizierte, WGA-verstärkte Pflanzen zu erschaffen. Wir können nur hoffen, dass diese im Endeffekt unregulierten Firmen, die mit der genetischen Infrastruktur des Lebens Gott spielen, den potenziellen Schaden verstehen, den solche genetischen Veränderungen mit sich bringen können.

Lektine sind Glykoproteine, und über die Jahrtausende hinweg, wo Weizen für einen größeren Eiweißgehalt gezüchtet wurde, ist auch die Konzentration von WGA Lektin entsprechend angestiegen. Diese 'eingebaute' Widerstandskraft gegen Schädlinge hat zweifelslos zu der globalen Dominanz von Weizen als eine der beliebtesten Monokulturen geführt. Das Wort Lektin stammt von der selben etymologischen Wurzel wie das Wort 'selektieren', und bedeutet "wählen". Lektine sind dafür gemacht, gewisse Kohlenhydrate 'auszuwählen', die sich auf der Oberfläche von Zellen befinden, und sich daran anzuheften. Im Falle von WGA sind die beiden Kohlenhydrate, zu denen es die größte Affinität hat, N-Acetylglucosamin und N-Acetylneuraminsäure (Sialinsäure), und zwar in dieser Reihenfolge.

WGA ist die geniale Lösung der Natur, die Weizenpflanze von dem ganzen Heer ihrer natürlichen Feinde zu schützen. Pilze haben Zellwände, die aus einem Polymer von eben diesem N-Acetylglucosamin bestehen. Die Zellwände von Bakterien sind aus Schichten von Peptidoglycanen gemacht, ebenfalls ein Biopolymer aus N-Acetylglucosamin. N-Acetylglucosamin ist auch der Grundbaustein des Biopolymers Chitin, das den Panzer von Insekten und Krustentieren (Shrimps, Krabben, etc.) bildet. Alle Tiere, inklusive Würmer, Fische, Vögel und Menschen verwenden N-Acetylglucosamin als fundamentale Bausubstanz, um unterschiedliches Gewebe und sogar die Knochen im Körper aufzubauen. Die Produktion von Knorpel, Sehnen und Gelenken hängen von der strukturellen Integrität von N-Acetylglucosamin ab. Die Schleimhaut, auch bekannt als Glykokalyx - oder buchstäblich "Zuckerüberzug" - wird in Menschen durch die Epithel-Zellen abgesondert, die sich von der Nasenhöhle über den ganzen Darm bis hin zu der schützenden und glitschigen Beschichtung unserer Blutgefäße erstrecken. Die Glykokalyx besteht hauptsächlich aus N-Acetylglucosamin und N-Acetylneuraminsäure (Sialinsäure), wobei letztere den abschließenden Kohlenhydrat/Zucker bildet, der den Inhalten von Darm und Blutgefäßen ausgesetzt ist. Die bevorzugte Bindung von WGA an genau diese beiden Kohlenstoffe ist nicht zufällig. Die Natur hat WGA perfekt dafür gemacht, sich an Gewebe anzuheften, einzudringen und es zu zerstören.

Es mag manchen Lesern höchst merkwürdig vorkommen, dass "das Korn des Lebens", das in der ganzen Welt als so "vollwertig" angepriesen wird, einen mächtigen gesundheitszerstörenden Anti-Nährstoff hat, der erst heute zur Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gelangt. WGA wurde bisher durch andere Weizenproteine in den Schatten gestellt. Menschen - nicht die Natur - haben tausende Jahre mit dem Züchten von größeren und größeren Mengen dieser Proteine verbracht. Diese pharmakologisch aktiven, Opium-ähnlichen Proteine in Gluten sind bekannt als Gluten-Exorphine (A4, B4, B5, C) und Gliadorphin. Sie können uns kurz- oder langfristig wirksam betäuben. Gluten enthält auch ungemein hohe Konzentrationen der Excitotoxine L-Asparaginsäure und L-Glutaminsäure, die hoch suchterzeugend sind, ähnlich zu ihren syntetischen Geschwistern Aspartam (andere Namen NutraSweet, AminoSweet, Canderel) und Mononatriumglutamat (MSG). Im einführenden Artikel Die dunkle Seite des Weizens: Neue Perspektiven auf Zöliakie und Weizenunverträglichkeit[2] haben wir die Rolle der psychotropen Qualitäten von Getreide in der Zivilisation bei Dämmerung der neolithischen Revolution vor etwa 10 000 Jahren untersucht. Kein Wunder, dass die narkotischen Eigenschaften von Weizen der Hauptgrund sind, warum Vermutungen über seine Giftigkeit für Tausende und Abertausende Jahre lediglich Spekulation geblieben sind.

WGA ist vor allem im Samen der Weizenpflanze enthalten, wahrscheinlich weil die Samen die 'Nachkommen' dieser Pflanze sind. Sie tragen die ganze Hoffnung für das Fortbestehen der Spezies. Das Schützen der Samen vor Räubern ist daher erste Priorität. WGA ist ein extrem kleines Glycoprotein (nur 36 Kilodalton schwer) und ist tief im Inneren des Weizenembryos vergraben (etwa 1 Mikrogramm pro Korn). Während des Keimens verteilt sich das WGA in die Wurzeln und in die Blätterspitzen, während die Pflanze die schützende Samenform verlässt und in die Welt hinaus wächst. Auf Suche nach Nahrung sind seine Wurzeln mit Pilzen und Bakterien konfrontiert, die in die Pflanze gerne einbrechen würden. Auf der Suche nach Sonnenlicht und anderer Nahrung aus dem Himmel sind die Blätter der Pflanze auch anderen Räubern ausgesetzt, wie Insekten, Vögel, Säugetiere, etc. Selbst nachdem sich die Pflanze über die Phase des Keimens und Sprießens hinausentwickelt hat, enthält sie immer noch 50% des Lektins, das auch in den trockenen Samen gefunden wird. Etwa ein Drittel dieses WGAs befindet sich in den Wurzeln und zwei Drittel im Trieb, für zumindest 34 Tage[3].

Jedes Korn enthält ca. 1 Mikrogramm WGA. Das scheint bei Tieren unserer Größe keinen Schaden anzurichten. Lektine sind jedoch bekanntermaßen selbst in minimalen Dosen gefährlich, und sind sogar fatal, wenn sie inhaliert oder direkt in den Blutkreislauf injiziert werden. Laut Aussage des U.S. Centers for Disease Control braucht es nur 500 Mikrogramm (ungefähr ein halbes Sandkorn ist so schwer) von Rizin (ein Lektin, das aus Wunderbaum-Bohnen extrahiert wird), um einen Menschen zu töten. Eine einzige durschnittliche Brotscheibe enthält etwa 500 Mikrogramm WGA. Würde es zu seiner puren Form extrahiert, raffiniert und dann in den Blutkreislauf injiziert werden, könnte es theoretisch so stark Thrombozyten ansammlen und rote Blutkörperchen zusammenkleben lassen, dass ein Blutklumpen entstehen könnte, der einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hervorrufen kann. Das ist jedoch keine übliche Art der Aussetzung an dieses Gift, und in Wirklichkeit sind sofortige Krankheitsprozeese, die mit Lektinen wie Rizin und WGA verbunden sind, eher auf den Verdauungstrakt beschränkt, wo sie der Schleimhaut Verletzungen zufügen. Der Punkt aber ist, dass WGA sogar in kleinen Mengen unter gewissen Umständen erhebliche Schädigung hervorrufen kann. Ironischerweise ist WGA außerordenlich klein, und kann mit 36 Kilodalton (etwa die Masse von 36 Tausend Wasserstoffatomen) die Zellmembranen des Darmes mit Leichtigkeit passieren. Die Darmwand lässt bis zu 1000 Kilodalton große Moleküle durch. Mehr noch: Ein Weizenkorn enthält etwa 16.7 Billiarden einzelne WGA Moleküle, von denen jedes 4 Plätze hat, wo sich N-Acetylglucosamin binden kann. Die zerreißenden und zerstörenden Auswirkungen des Verzehrs von Vollkornbrot sind erheblich bei einer Person, deren schützende Schleimhaut durch so etwas einfaches wie Nichtsteroidalen Antirheumatika (NSARs) wie Ibuprofen oder Aspirin oder eine kürzliche Viren- oder Bakterieninfektion in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die allgemein verbreitete gleichzeitige Einnahme von NSARs und Weizen zeigt, wie schnell sich der WGA-Teufelskreis dreht. Solche entzündungshemmendem Medikamente erhöhen die Darmdurchlässigkeit und können mehr entzündungsförderndes WGA durchlassen. Umgekehrt gesagt ist die entzündliche Aufnahme von WGA ein Grund für den Bedarf an entzündungshemmendem NSARs.

Eine Möglichkeit auszuloten, wie durchdringend die Beeinträchtigung von WGA in der Weizen konsumierenden Bevölkerung ist, ist die Beliebtheit des Nahrungsergänzungsmittels Glucosamin. In den USA wird jährlich eine viertel Milliarde Dollar an Glucosamin verkauft. Die Hauptzutaten dieses sich am Markt befindenden Glucosamins sind N-Acetylglucosamin-reiche Chitin-Exoskelette von Krustentieren, wie Schrimps und Krabben. Glucosamin wird verkauft, um Schmerz und Entzündung zu lindern. Wir haben aber kein Defizit an zu Pulver zermahlenen Schalen von Meeresfrüchten, genauso wenig wie unsere Verwendung von NSARs ein Defizit dieser syntetischen Chemikalien anzeigt. Wenn wir Glucosamin als Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, dann bindet sich WGA zuerst an das pulverisierte Chitin, was uns vom vollen Einschlag des WGA rettet. Viele Millionen Amerikaner, die ihre Schmerzen und Leiden durch Glucosamin deutlich verringert haben, wären besser beraten, Weizen - die zugrundeliegende Ursache ihrer Malaise - von der Speisekarte zu streichen. Das würde eine noch größere Befreiung von ihren Schmerzen und Inflammationen bewirken, und es würde sie gleichzeitig von palliativen Nahrungsergänzungen und Medikamenten unabhängiger machen.

Um diesen Punkt noch weiter zu untersteichen, seien nachstehend mehrere Wege [mit Referenzangaben] gezeigt, wie WGA unsere Gesundheit auslaugt, während Glucosamin sie schützt:

WGA ist entzündungsfördernd

Selbst bei verschwindend kleinen Konzentrationen (nanomolar) stimuliert WGA die Synthese von entzündungsfördernden chemischen Botenstoffen (Zytokinen), inklusive Interleukin 1, Interleukin 6, und Interleukin 8 in Darm- und Immunzellen[4]. Es wurde gezeigt, dass WGA in menschlichen Neutrophilen NADPH-Oxidase induziiert, was mit einem Oxidativen Burst assoziiert ist, der entzündliche freie Radikale (auch reaktive Sauerstoffspezies genannt) freisetzt[5]. Es wurde weiters gezeigt, dass WGA eine verursachende Rolle bei Patienten mit chronischer Dünndarmentzündung spielt[6].

WGA ist immunotoxisch

WGA induziert Thymusdrüsen-Schwund bei Ratten[7] und bindet sich an und aktiviert Leukozyten[8]. Es hat sich gezeigt, dass Anti-WGA Antkörper in menschlichem Serum mit anderen Proteinen kreuzreagieren, was darauf hindeutet, dass sie zu Autoimmunität beitragen[9]. WGA spielt in der Tat eine Rolle in der Krankheitsentstehung von Zöliakie, die sich wegen des höheren Niveaus von IgG- und IgA-Antikörpern völlig von Gluten-Zöliakie unterscheidet. Es wurde nachgewiesen, dass diese Antikörper nicht mit Gluten-Antigenen kreuzreagieren[10] [11].

WGA ist neurotoxisch

WGA kann durch einen Prozess genannt adsorptive Endocytose die Blut-Hirn-Schranke überqueren[12] und bewegt sich frei durch das Hirngewebe, weswegen es als Marker für die Sichtbarmachung von neuralen Schaltkreisen verwendet wird[13]. WGAs Fähigkeit, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden, und anheftende Substanzen mitzuschleppen, hat die Neugier von Pharmafirmen geweckt, weil sie nach Wegen suchen, Substanzen in das Hirn einzuschleusen. WGA hat eine starke Bindungsaffinität an N-Acetylneuraminsäure, was ein kritischer Baustein von neuronalen Membranen im Gehirn ist, wie z.B. von Gangliosiden, die die Funktion haben, den Zell-zu-Zell Kontakt herzustellen, die Ionen-Leitfähigkeit zu steigern, in Rezeptoren gefunden werden, und dessen Versagen bei neurodegenerativen Krankheiten impliziert wurde. WGA bindet sich an die Schutzschicht der Nerven, bekannt als Myelinscheide[14] und kann den Nervenwachstumsfaktor[15] hemmen, der für Wachstum, Reparatur und Überleben gewisser Neuronen zuständig ist. WGA heftet sich an N-Acetylglucosamin, von dem vermutet wird, dass es als atypischer Neurotransmitter in nociozeptiven (Schmerz-) Pfaden fungiert.

WGA ist zytotoxisch

Es wurde demonstriert, dass WGA für normale als auch für Krebszellen zytotoxisch ist, was entweder den Zellzyklus lähmt oder den programmierten Zelltod (Apoptosis) auslöst[16].

WGA kann Genexpression stören

WGA demonstriert sowohl mitogene als auch antimitogene Aktivitäten[17]. WGA kann DNS-Replikation unterbinden[18]. WGA bindet sich an Polysialinsäure (die in posttranslationaler Modifikation mitspielt) und blockiert das Wachsen einer Hühnerschwanz-Knospe, was andeutet, dass es sowohl genetische als auch epigenetische Faktoren beeinflusst.

WGA verursacht Hormonstörungen

Es wurde nachgewiesen, dass WGA ein Insulin-imitierendes Auftreten hat, was zu Gewichtszunahme und Insulinresistenz führen kann[19]. WGA wurde bei Fettleibigkeit und Leptinresistenz impliziert, indem der für das Sättigungshormon Leptin verantwortliche Rezeptor im Hypothalamus blockiert wird. WGA stimuliert den epidermalen Wachstumsfaktor, was mit erhöhtem Krebsrisiko in Verbindung gebracht wurde. WGA hat eine besondere Affinität zu Schilddrüsen-Gewebe, und bindet sich an gutartige und bösartige Schilddrüsen-Knötchen[20]. WGA stört die Sekretproduktion im Pankreas, was die Verdauung verschlechtert und Pankreas-Hyperthropie hervorrufen kann. WGA hängt sich an Spermien und Eizellen, was darauf hindeutet, dass es zur Unfruchtbarkeit beiträgt.

WGA ist kardiotoxisch

WGA bedingt die Aktivierung und Aggregation von Blutplättchen[21]. WGA hat einen potenten, störenden Effekt auf das endotheliale Zelladhäsions-Molekül 1, das eine Schlüsselrolle bei der Gewebeneubildung und sicheren Entfernung von Neutrophilen aus unseren Blutbahnen spielt[22].

WGA stört die Verdauungsfunktion

WGA fördert die Zersetzung der Darmzotten-Schicht, Reduktion der Oberfläche, Beschleunigung des Zelltodes und Kürzung der Darmzotten, indem es sich an die Oberfläche der Darmzotten bindet. Auf Zellebene imitiert WGA den epidermalen Wachstumsfaktor, was andeutet, dass die kryptische Hyperplasie bei Zöliakie durch die wachstumsfördernde Auswirkung von WGA bedingt ist. WGA erzeugt Abbau des Zytoskeletts bei Darmzellen und trägt dadurch zu Zelltod und erhöhtem Zellumsatz bei. WGA verringert die Dichte von Hitzeschockproteinen in Darm-Epithelzellen, was diese Zellen schlechter vor den Darminhalten schützt[23].

WGA hat pathogene Eigenschaften mancher Viren

Es gibt eine Zahl von interessanten Vergleichen zwischen dem Lektin WGA und Viren. Sowohl virale Partikel als auch WGA sind einige Größenordnungen kleiner als die Zellen, in die sie eindringen. Sie heften sich zuerst an die Zellmembran, und gelangen dann durch einen Prozess genannt Endocytose in das Innere. Sowohl Influenzaviren als auch WGA dringen durch die Sialinsäure-Schicht unserer Schleimhäute ein. Beide tun dies mit einer Sialinsäure-affinen Substanz; bei Viren ist es das Neuraminidase-Enzym und bei WGA ist es die Andockstelle für Sialinsäure. Wenn der Influenza-Virus und WGA sich im Wirtskörper einmal weiter verbreitet haben, können beide im Wirten die feine Linie zwischen Selbst und Nicht-Selbst verlieren. Inluenza schafft dies, indem es sich in das genetische Material unserer Zellen einbaut und die Protein-Produktion übernimmt, um Kopien von sich selbst herzustellen. Das Resultat daraus ist, dass unser Immunsystem die eigenen transformierten Zellen angreifen muss, um die Infektion zu beenden. Es wurden Studien mit dem Herpes Simplex Virus durchgeführt, die zeigten, dass WGA virale Infektionen abblocken kann, weil es mit dem Virus im Wettlauf um die selben Zellrezeptoren steht. Dies lässt darauf schließen, dass beide dieselben Pfade nutzen, um in die Zelle zu gelangen. WGA hat die Fähigkeit, die Genexpression von gewissen Zellen zu beeinflussen; z.B. mitogene/antimitogene Prozesse. Und wie andere Lektine, die mit Autoimmunität in Verbindung stehen (wie z.B. das Soja-Lektin und der Epstein-Barr-Virus), scheint WGA fähig zu sein, Zellen mit dem Klasse II Human Leukocyte Antigen (HLA-II) zu versetzen, was sie für autoimmun-Zerstörung durch weiße Blutkörperchen markiert. Da gezeigt wurde, dass menschliche Anti-WGA Antigene mit anderen Proteinen Kreuzreaktionen eingingen, verursacht diese Kreuzreaktion Autoimmunität - selbst wenn WGA den Phenotyp unserer Zellen nicht in etwas 'anderes' transformiert.

Wenn man die Vielzahl der Wege ansieht, wie WGA unsere Gesundheit verschlechtern kann, einfachen Zutritt zu uns durch unseren Darm hat, und unseren traditionellen, Antikörper-basierenden Diagnosemethoden entkommen kann, ist es gänzlich möglich, dass Weizen der allgemeinen Gesundheit aller Konsumierenden abträglich ist, und dass wir all die Jahre "unsere eigenen Gräber mit unseren Zähnen gegraben haben". Diese Perspektive kann eine große Überraschung für die Gesundheits-Industrie sein, deren Liebesaffäre mit Vollkornprodukten den Massenmarkt überschwemmt hat. Das immer mehr übertriebene Marketing von "Vollkorn-", "Sprossen-" und "Weizenkeim-hältigen" Produkten, von denen allesamt noch mehr WGA enthalten als die prozessierte, in Teile getrennte, nicht gesprießte und vermeintlich "ungesundere" Form des weißen Mehls, mag dazu beitragen, dass wir immer kränker werden als gesünder.

Ich glaube, dass ein sorgfältiges Studium der Weizen-Pflanze enthüllen wird, dass allen Aussagen zum Trotz der Mensch keine Macht über die Natur hat. Alles, was er als Recht sieht, konsumieren zu können, mag überhaupt nicht sein angeborenes Recht sein. Obwohl die anscheinende Wehrlosigkeit der Weizen-Pflanze sie für eine Massenproduktion geeignet erscheinen lässt, ist sie aber doch dagegen mit einer Vielzahl von 'unsichtbaren' Dornen gewappnet. Dornen, von denen WGA die kleinste und vielleicht mächtigste Waffe gegen Räuber ist. Während WGA ein uneingeladener Gast auf unserer Tafel ist, ist auch Weizen selbst für uns unhaltbar. Vielleicht wäre es das Beste, nachdem wir unser Eindringen bei jemandem anderen zum ersten Mal bemerkt haben, unsere Wunden zu lecken und getrennte Wege zu gehen. Während die Distanz vom Menschen zum Weizen sich vergößert, könnte der Mensch näher zu sich wachsen und viel geeignetere Nahrungsquellen finden, die die Natur nicht mit solch hohen Konzentrationen von süchtig machenden und möglicherweise lähmenden Proteinen ausgestattet hat.

Referenzen

Siehe 23 Fußnoten.

FUßNOTEN

  1. Desmond S. T. Nicholl, An Introduction to Genetic Engineering, 3rd Edition ISBN-13: 9780521615211
  2. Ji, Sayer, The Dark Side of Wheat - New Perspectives on Celiac Disease & Wheat Intolerance." Winter, 08', Journal of Gluten Sensitivity
  3. Distribution of Wheat Germ Agglutinin in Young Wheat Plants. Plant Physiol. 1980 Nov;66(5):950-955. PMID:16661559
  4. Effects of wheat germ agglutinin on human gastrointestinal epithelium: insights from an experimental model of immune/epithelial cell interaction. Toxicol. and Applied Pharmacology 2009 Jun 1;237(2):146-53. Epub 2009 Mar 28. PMID 19332085
  5. Wheat germ agglutinin induces NADPH-oxidase activity in human neutrophils by interaction with mobilizable receptors. Infection and Immunity. 1999 Jul;67(7):3461-8. PMID 10377127
  6. Lectin glycosylation as a marker of thin gut inflammation. The FASEB Journal. 2008;22:898.3
  7. Antinutritive effects of wheat-germ agglutinin and other N-acetylglucosamine-specific lectins. The British Journal of Nutrition 1993 Jul;70(1):313-21. PMID: 8399111
  8. Lectinlike properties of pertussis toxin. Infection and Immunity 1989 Jun;57(6):1854-7.PMID:2722243
  9. Natural human antibodies to dietary lectins. FEBS Lett. 1996 Nov 18;397(2-3):139-42. PMID: 8955334
  10. Antibodies to wheat germ agglutinin in coeliac disease. Clin. Exp. Immunol. 1986 January; 63(1): 95 - 100. PMID: 3754186
  11. Elevated levels of serum antibodies to the lectin wheat germ agglutinin in celiac children lend support to the gluten-lectin theory of celiac disease. Pediatr. Allergy Immunol. 1995 May;6(2):98-102. PMID: 7581728
  12. Transcytotic pathway for blood-borne protein through the blood-brain barrier. Proceedings from the National Academy of Sciences U S A. 1988 Jan;85(2):632-6. PMID:2448779
  13. Transsynaptic transport of wheat germ agglutinin expressed in a subset of type II taste cells of transgenic mice. BMC Neuroscience. 2008 Oct 2;9:96. PMID: 18831764
  14. Distribution of concanavalin A and wheat germ agglutinin binding sites in the rat peripheral nerve fibres revealed by lectin/glycoprotein-gold histochemistry. The Histochem Journal. 1996 Jan;28(1):7-12.PMID:8866643
  15. Wheat germ agglutinin, concanavalin A, and lens culinalis agglutinin block the inhibitory effect of nerve growth factor on cell-free phosphorylation of Nsp100 in PC12h cells. Cell Struct and Function 1989 Feb;14(1):87-93. PMID:2720800
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  18. DNA replication in cell-free extracts from Xenopus eggs is prevented by disrupting nuclear envelope function. J Cell Sci. 1992 Jan;101 ( Pt 1):43-53.PMID:1569128
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  22. Wheat germ agglutinin-induced platelet activation via platelet endothelial cell adhesion molecule-1: involvement of rapid phospholipase C gamma 2 activation by Src family kinases. Biochemistry. 2001 Oct 30;40(43):12992-3001.PMID:11669637
  23. Decreased levels of heat shock proteins in gut epithelial cells after exposure to plant lectins. Gut. 2000 May;46(5):679-87.PMID:10764712a