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Die Krawalle in Ägypten fordern immer mehr Opfer. Nach den Ausschreitungen vom Freitag kehrte in Kairo wieder gespannte Ruhe ein.

Istanbul/Kairo. Bei den jüngsten Ausschreitungen vor dem Präsidentenpalast in Ägypten ist ein Mensch ums Leben gekommen. Wie staatliche Medien am Sonnabend unter Berufung auf das Gesundheitsministerium berichteten, wurde der Tote in der Nähe des Amtssitzes von Staatsoberhaupt Mohammed Mursi entdeckt. Die Identität des Opfers war zunächst unklar. Bei den gewaltsamen Zusammenstößen zwischen der Polizei und Gegnern der regierenden Islamisten in Kairo, Alexandria und anderen Städten wurden den Angaben zufolge 216 Menschen verletzt. Am Wochenende kehrte zunächst wieder Ruhe ein.

Unter den Verletzten seien auch sechs Polizeioffiziere, teilten Sicherheitsbehörden mit. Einer sei von Kugeln an Brustkorb und Schulter verletzt worden.

Sicherheitsbehörden teilten mit, dass bei den Krawallen in fünf Provinzen insgesamt 93 Menschen festgenommen worden seien, die meisten in Gharbija, wo die Industriestadt Mahalla sowie die Stadt Tanta liegen. Ein Aktivist aus Tanta war erst vor wenigen Tagen beerdigt worden. Er soll nach Angaben ägyptischer Medien in Polizeigewahrsam gefoltert worden sein. Landesweit prangerten die Demonstranten die Polizeigewalt und den autoritären Führungsstil der Regierung an.

Nach dem zweiten Jahrestag der "Revolution des 25. Januar", die 2011 zum Sturz von Langzeitpräsident Husni Mubarak und seiner Regierung geführt hatte, gab es in Ägypten die schlimmsten Ausschreitungen seit dem Amtsantritt Mursis. Seither dauern die Proteste an.

Ein Verwaltungsgericht in Kairo ordnete derweil eine einmonatige Sperre der Internetplattform YouTube an, weil einige Inhalte des Islam beleidigten. Das Gericht bezog sich unter anderem auf den umstrittenen Film "Unschuld der Muslime", der den Propheten Mohammed als Frauenheld, Homosexuellen und Päderasten verunglimpft. Das verhängte Verbot soll auch für andere Internetseiten gelten, die das Video veröffentlicht haben. Der Film war im Sommer 2011 in der Nähe von Los Angeles gedreht worden. Im Internet veröffentlichte Ausschnitte lösten im vergangenen September massive Proteste in der islamischen Welt aus. Dabei gab es mehrere Tote.

dpa/abendblatt.de